Schorndorf Seit dem Krabbelalter am Kletterseil

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Kim Marschner gehört zu den besten Nachwuchskletterern in Deutschland. Dieses Jahr möchte er zu den Jugend-Weltmeisterschaften und außerdem den Schwierigkeitsgrad 11- knacken. Das schaffen nur eine wenige Kletterer auf der ganzen Welt.

In der elterlichen Kletterhalle in Korb findet Kim Marschner perfekte Bedingungen. Fleißig muss er Foto: Gottfried Stoppel
In der elterlichen Kletterhalle in Korb findet Kim Marschner perfekte Bedingungen. Fleißig muss er Foto: Gottfried Stoppel

Schorndorf - Für den Fotografen soll Kim Marschner mal eben an der Boulderwand ein paar Meter hochklettern. Nach wenigen Griffen hängt er dort, wo man ihn haben möchte. Kinderspiel. Aber schließlich macht der 17-Jährige seit dem Krabbelalter nichts anderes.

„Ich war immer bei meinen Eltern“, sagt Kim Marschner. Ihnen gehört die Kletterhalle Active Garden in Korb. So verbringt der Schorndorfer seine Kindheit weitestgehend in der Vertikalen. Selbst in den Ferien geht es meist an den Fels. „Meine Eltern klettern beide und wir machen fast immer Urlaub in Klettergebieten. Und wenn einmal nicht, dann fehlt schon etwas“, sagt Kim Marschner und lacht.

Mit 13 Jahren in den Baden-Württemberg-Kader

Seine Schwester mag bei soviel Klettern irgendwann nicht mehr, doch Kim Marschner fängt endgültig Feuer, als es auf die ersten Wettkämpfe geht. Mit zehn Jahren startet er richtig durch und besucht eine Trainingsgruppe beim Deutschen Alpenverein in Schwäbisch Gmünd. „Ich habe diese bei einem Wettkampf kennengelernt und es hat mit der Gruppe total Spaß gemacht“, erzählt er. Schnell ist Kim Marschner erfolgreich. In seiner Altersklasse rutscht er vor drei Jahren in den Baden-Württemberg-Kader und schließlich in den Nationalkader. Die Jugendlichen müssen bei den Wettkämpfen alle drei verschiedene Kletterdisziplinen abdecken: Boulder – also das Klettern ohne Seil, Lead – das Klettern mit Seil, und Speed – das Klettern auf Geschwindigkeit.

Ziel sind die Weltmeisterschaften

Nachdem er im vergangenen Jahr die Altersstufe gewechselt hat, haben die Platzierungen von Kim Marschner erst einmal nicht mehr für den Nationalkader gereicht. Aber das soll sich dieses Jahr wieder ändern. Zumal sein Ziel die Jugend-Weltmeisterschaften im italienischen Arco sind. Dazu muss er in vier Wettkämpfen eine bestimmte Platzierungen erreichen. „Ich bin in der Saison fast jedes Wochenende unterwegs“, sagt Kim Marschner. Vor Weihnachten hat er zwei Wochen Pause eingelegt, „damit sich die Sehnen und Muskeln in den Fingern erholen können.“ Zurzeit steckt er mitten in der Aufbauphase für die kommende Saison.

Für diese hat er sich neben der Teilnahme an den Weltmeisterschaften noch etwas vorgenommen: Er möchte am Fels den Schwierigkeitsgrad 11- knacken. Das schwierigste, was bisher bezwungen wurde ist übrigens eine 12-. Nur eine handvoll Kletterer weltweit kommen überhaupt in diesen Bereich.

Talent und jede Menge Training

Etwa vier bis fünf Mal in der Woche muss Kim Marschner für solche Leistungen trainieren, und zwar bis zu drei Stunden. „Dabei bin ich nicht nur an der Wand, sondern auch zum Kraftaufbau im Fitnessstudio.“ Sehr praktisch ist es da, dass er im elterlichen Betrieb alles vorfindet, was er braucht. „Einmal in der Woche gehe ich dann zum Kadertraining nach Stuttgart, ins Kletterzentrum auf der Waldau.“ Dort trifft er auf Deutschlands beste Kletterer, „denn viele kommen aus Stuttgart und der Umgebung.“ Woran das liegt? „Hier gibt es gute Hallen und wir haben im Baden-Württemberg-Kader viele gute Trainer“, sagt Kim Marschner.

Dass er selbst vorne mit dabei ist, schiebt Kim Marschner zum einen auf seine Erbanlagen: „Ich denke schon, dass ich von meinen Eltern ein gewisses Talent bekommen habe. Sie sind beide stark, vor allem am Fels“, sagt Kim Marschner. Zum anderen ist es aber auch der Fleiß – im Grunde macht er neben der Schule nichts anderes als zu klettern. „Das ist manchmal schon etwas stressig. Während meiner Kletterpause vor Weihnachten habe ich gleich bessere Noten gehabt, weil ich mehr Zeit hatte“, sagt er, der nichts vermisst. Seine Freunde trifft er meist beim Klettern. Selbst bei den den Wettkämpfen herrsche eine sehr kameradschaftliche Atmosphäre. „Man hilft sich gegenseitig, gibt Tipps weiter“, erzählt der Elftklässler.

Nach dem Abitur will er ein Jahr nur klettern

Die Wettkämpfe finden ausschließlich in der Halle statt, „damit niemand vorher die Route ausprobieren kann“, erläutert er. An den Fels geht Kim Marschner aber genauso gerne. „Das hat wieder einen ganz anderen Reiz, auch weil andere Bewegungen gefragt sind.“ Nach dem Abitur im kommenden Jahr möchte Kim Marschner soviel Zeit wie möglich am Seil verbringen. „Ich möchte ein Jahr lang einfach nur klettern“, erzählt er. Auf der Liste stehen Felsen in Amerika, Südafrika, Spanien und Südfrankreich. Näher wird er einem Leben als Vollzeit-Kletterer vermutlich nie kommen können: „Nur von den Wettkämpfen kann man nicht leben. Der deutsche Meister bekommt ein paar tausend Euro.“