Schüler in Stuttgart Gut informiert in die Europawahl
Beim Workshop-Quiz im Fanny-Leicht-Gymnasium in Stuttgart-Vaihingen setzten sich die Schülerinnen und Schüler der elften Klasse mit der Europawahl auseinander.
Beim Workshop-Quiz im Fanny-Leicht-Gymnasium in Stuttgart-Vaihingen setzten sich die Schülerinnen und Schüler der elften Klasse mit der Europawahl auseinander.
Von einer etwaigen Politikverdrossenheit bei jungen Menschen ist am Freitagvormittag in der fünften und sechsten Schulstunde in der Gymnastikhalle des Fanny-Leicht-Gymnasiums in Stuttgart-Vaihingen nicht viel zu spüren. 84 Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe eins – also der elften Klasse – haben sich hier versammelt, um beim Workshop-Quiz zur Europawahl teilzunehmen. Veranstalter ist die überparteiliche Bürgerinitiative „Pulse of Europe“: „Wir wollen so die Europa-Kompetenz und die Demokratie stärken“, so Horst Haller von Pulse of Europe über die Hintergründe des Workshops.
Für dieses Vorhaben ist er heute mit den anderen Mitgliedern von Pulse of Europe an das Fanny-Leicht-Gymnasium gekommen, wo 84 junge Menschen gespannt seinen Worten lauschen. Zunächst ziehen die Schülerinnen und Schüler verhalten eine Spielfigur, die ihnen einen Tisch zuweist. Es dauert allerdings nicht lange, bis die Stimmung lockerer wird. Spätestens als es nach einer kurzen Begrüßung daran geht mit dem eigenen Smartphone Quizfragen zu beantworten, plappern die Anwesenden durcheinander, lachen und wundern sich über die Antworten auf Fragen wie: „Wer ist EU-Ratspräsident“ oder „Wie viele Amtssprachen hat die Europäische Union“. Die Antwort: 24. Insgesamt 26 Schüler tippen das richtig.
Am Ende hat beim Europa-Quiz der 18-jährige Turan die Nase vorn und bekommt eine Europa-Fahne überreicht: „Ich bin manchmal selbst erstaunt, wie gut ich informiert bin“, sagt er lachend. Zur Europa-Wahl im Juni möchte der Schüler auf jeden Fall gehen. Wen er wählt, weiß er allerdings noch nicht. „Da informiere ich mich noch auf den offiziellen Kanälen der Parteien“, so der Schüler, der sich darauf freut, dass im kommenden Jahr, also in Klasse 12, wieder Politikunterricht stattfindet, da er sich „schon für Politik interessiert“.
In diesem Schuljahr haben die anwesenden Schülerinnen und Schüler nämlich keinen Gemeinschaftskunde- sondern Erdkundeunterricht. Die beiden einstündigen Fächer wechseln sich ab, erklärt Gemeinschaftskundelehrerin Claudia Reith: „Das ist auch ein Grund, warum wir diese Veranstaltung anbieten“, erklärt sie weiter. Schließlich sei die Europa-Wahl für viele Schüler die erste Wahl.
Um diese Wahl geht es auch bei der anschließenden Gruppenarbeit der Schülerinnen und Schüler: „Sie haben die Aufgabe, ein Poster zum Thema Europawahl zu erstellen. Sie sollen Argumente für die Wahl und für Europa suchen“, erklärt Horst Haller. Auf großen Stehtafeln gehen die Schüler ganz unterschiedlich an diese Aufgabe heran. Manche schreiben lange Texte und andere arbeiten mit Schlagworten. So wie die Gruppe um die Schülerinnen Xenia, Hanna und Pia: „Die Bilder kann man sofort verstehen und erfassen, deshalb haben wir uns dafür entschieden“, erklären die drei bei der Abschlusspräsentation ihr grafisches Vorgehen. Auf ihr Poster haben sie einen Geldschein für die gemeinsame Währung und einen Erdball für einfaches Reisen gemalt. Aber auch Sicherheit, Gleichberechtigung und Freiheit sind für die Gruppe Schlagworte, die für Europa sprechen.
Die Veranstaltung findet Schülerin Xenia „eine coole Idee“. Einen kleinen Kritikpunkt hat sie am Ende aber doch: „Etwas mehr Aufklärung zu den Wahlen und dem Wahlsystem“, hätte sich die junge Frau gewünscht, damit sie für ihren ersten Gang zur Wahlurne bestens vorbereitet ist.
Angebote
Unter der Überschrift „Dein Ort in Europa“ hat die BW Stiftung kostenlose Informations- und Dialogangebote für Erstwählerinnen und Erstwähler zusammengestellt. Ziel ist es, junge Menschen zu ermutigen, sich an den Europa- und Kommunalwahlen 2024 zu beteiligen. Vertreterinnen und Vertreter von Schulen, Kommunen und Jugendarbeit sowie Erstwählerinnen und Erstwähler können die Angebote anfragen. Das hat etwa auch das Geschwister-Scholl-Gymnasium in Sillenbuch getan. Dort stand ein Planspiel zum Thema „EU-Beitritt der Ukraine“ auf dem Programm. Auch an vielen anderen Schulen in Stuttgart gibt es in diesen Wochen entsprechende Veranstaltungen.
Erste Wahl BW
Auch die Initiative Erste Wahl BW des Instituts für angewandte Sozialwissenschaften Stuttgart setzt sich für eine starke Wahlbeteiligung am 9. Juni ein und hat zahlreiche Informationsangebote zusammengestellt. Darunter sind Formate für Schulen, aber auch Online-Formate, bei denen sich Interessierte individuell einwählen können. Viele weitere Initiativen und Institutionen informieren in den kommenden Wochen junge Menschen rund um das Thema Wahl.