Schulbauten im Kreis Esslingen Umlandgemeinden sollen Schule mitfinanzieren

Am Wendlinger Schulzentrum am Berg steht eine Generalsanierung an. Foto:  

Für die Sanierung des Wendlinger Schulzentrums am Berg werden etwa 37 Millionen Euro fällig – auch die Anrainerkommunen sollen ihren Beitrag leisten. Köngen, Oberboihingen oder Unterensingen sollen sich an den Kosten beteiligen.

Der Investitionsstau an deutschen Schulen ist gewaltig – laut der Förderbank KfW müssten 47,4 Milliarden Euro bundesweit investiert werden, um den Sanierungsrückstand an den Lehrgebäuden aufzuholen. Auch in der Region bröckeln die Schulen. So wurden über 40 Millionen Euro in Plochingen und über 20 Millionen Euro in Nürtingen fällig. Die Gemeinde Köngen rechnet mit fast 13 Millionen. Und auch die Stadt Wendlingen wird viel Geld in die Sanierung des Schulzentrums am Berg stecken müssen – laut einer Grobkostenschätzung vom Juni 2023 werden für eine Generalsanierung rund 37 Millionen Euro fällig.

 

Doch da das Bildungszentrum mit dem Robert-Bosch-Gymnasium (RBG) und der Johannes-Kepler-Realschule (JKR) auch von vielen Schülern aus den umliegenden Gemeinden wie Köngen, Oberboihingen oder Unterensingen besucht wird, hat die Stadt Wendlingen bereits im Vorfeld bei ihren Nachbarn zwecks Kostenbeteiligung angeklopft. Auf der jüngsten Sitzung des Gemeinderats stand das Thema nun erstmals öffentlich auf der Agenda. „Wir wollen auf freiwilliger Basis eine Vereinbarung treffen, deswegen haben wir die umliegenden Gemeinden schon einmal in Kenntnis gesetzt“, erläuterte Wendlingens Bürgermeister Steffen Weigel das Vorgehen.

Umlandgemeinden in der Pflicht

Wenn sich das Vorhaben weiter konkretisiere, werde mit den Umlandkommunen verhandelt: „Soweit sind wir aber noch nicht.“ Die vorliegende Kostenschätzung sei nur eine sehr grobe Annahme, mit der man nicht kalkulieren könne. Weigel verwies aber gleichzeitig auch auf ein Urteil des Verwaltungsgerichtshof des Landes (VGH) mit Sitz in Mannheim hin. Dieser VGH-Beschluss vom Dezember 2022 bezieht sich auf die Generalsanierung einer Schule in Geislingen im Kreis Göppingen, die ebenfalls von vielen auswärtigen Schülern besucht wird. Dort wollten sich die Umlandgemeinden zunächst nicht an den Kosten beteiligen, scheiterten aber vor dem VGH. „Das Urteil von Geislingen umreißt das Verfahren relativ klar“, so Weigel weiter.

Die Gebäude des Wendlinger Schulzentrums sind zwischen 50 und 60 Jahre alt, in den vergangenen Jahren wurden immer wieder Teile wie etwa Dächer, Fenster oder Fassaden erneuert. Die jährlichen Unterhaltskosten zwischen 2015 und 2023 betrugen an der JKR etwa 61 000 Euro pro Jahr, am RBG 75 000 Euro. Die Tendenz ist steigend: „Die Gebäude werden zunehmend sanierungsbedürftiger, es fallen immer mehr Reparaturen an“, erklärte Weigel. Die nun anvisierte Generalsanierung beinhaltet auch die energetische Sanierung der Gebäude. So soll die Heizung etwa von Gas und Öl auf Strom umgestellt werden. In einem ersten Bauabschnitt sollen die ältesten Gebäudeteile in Angriff genommen werden. Das betrifft den Fach- und Hauptbau sowie den Pavillon der JKR, die alle in den 1960er Jahren fertiggestellt worden sind.

Europaweite Ausschreibung

In weiteren Bauabschnitten folgt die Sanierung des RBG, das von 1973 stammt. Aufgrund der finanziellen Größenordnung muss das Vorhaben in einem VgV-Verfahren europaweit ausgeschrieben werden, was der Wendlinger Stadtrat nun einstimmig bewilligte. „Wenn wir verifizierte Kostenannahmen und Planungsunterlagen haben, können wir die entsprechenden Förderanträge beim Land stellen“, kündigte Weigel an. Wenn die Planer mit im Boot seien, sollen auch die Schulleitungen in die Ausgestaltung mit einbezogen werden. Und auch die Umlandgemeinden werden dann wieder von den Wendlingern hören.

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