Schulbetrieb in der Coronakrise Zutritt nur für Prüflinge
Noch ist nicht klar, wann die Schulen wieder schrittweise mit dem Unterricht beginnen können. Doch in manchen Ländern geht es gleich nach den Ferien los: Aber nur für die Abiturprüfungen.
Noch ist nicht klar, wann die Schulen wieder schrittweise mit dem Unterricht beginnen können. Doch in manchen Ländern geht es gleich nach den Ferien los: Aber nur für die Abiturprüfungen.
Stuttgart - Die Kontaktbeschränkungen bis Anfang Mai könnten die Schulen in den Ländern zu unterschiedlichen Konsequenzen veranlassen. Einheitliche Regelungen zum Schulbetrieb sind nicht zwingend. So hatte etwa Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) bereits vor der Ministerpräsidentenkonferenz am Mittwoch angedeutet, dass es gerade im Schulbereich zu unterschiedlichen Folgebeschlüssen kommen könne.
Auch wenn die Schulen noch länger geschlossen bleiben, wird es dennoch in der kommenden Woche schriftliche Abiturprüfungen geben. Kein Unterricht, aber Prüfungen – auch das wäre nicht neu in der Coronakrise. Hessen beispielsweise hatte sich anders als andere Bundesländer dazu entschieden, das schriftliche Abitur nicht zu verschieben. Die Klausuren begannen dort am 19. März, da hatten die meisten Bundesländer den Schulbetrieb bereits seit einigen Tagen eingestellt.
So werden auch in der kommenden Woche in einigen Ländern die Schulen zunächst nur für die Prüfungen geöffnet werden. In Sachsen sollen die Abiturprüfungen wie geplant am 22. April beginnen. Der Infektionsschutz werde gewahrt, die Prüflinge würden über mehrere Räume verteilt, versicherte Sachsens Kultusminister Christian Piwarz (CDU). Zutritt zur Schule bekommen nur die Abiturienten und die notwendigen Lehrer. Die Schüler haben die Wahl, ob sie den Haupttermin wahrnehmen, oder ihre Prüfungen bei den Nachterminen vom 13. Mai an ablegen wollen. Piwarz empfiehlt den Abiturienten jedoch den Haupttermin. Brandenburg und Berlin beginnen am 20. April mit den Klausuren, Schleswig-Holstein und Hamburg folgen am 21. April. Prüfungen seien auch bei geschlossenen Schulen möglich, heißt es aus den jeweiligen Kultusministerien.
Der Druck auf die einzelnen Bundesländer ist schon allein wegen der Sommerferientermine unterschiedlich hoch. Baden-Württemberg und Bayern haben traditionell erst von Ende Juli an große Ferien, auch in Sachsen und Thüringen ist in diesem Jahr Unterricht bis zum 20. Juli.
Dagegen verkürzt sich das Schuljahr in Mecklenburg-Vorpommern durch die Schließungen stark. Dort beginnen die Sommerferien bereits am 22. Juni. Auch in Berlin und Brandenburg endet der Unterricht am 24. Juni. Der Philologenverband regt bereits an, etwaige Nachprüfungen in die Ferien zu verschieben. Knapp werden kann es mit Korrekturen auch in Nordrhein-Westfalen. Dort sind vom 29. Juni an Ferien, die Abiturprüfungen sind jedoch auf die Zeit vom 12. bis 25. Mai verschoben worden.
Vergleichsweise entspannt stehen Bayern und Baden-Württemberg da. Die Prüfungen in Baden-Württemberg beginnen am 18. Mai, in Bayern erst am 20. Mai. Das macht trotz der Kontaktbeschränkungen bis Anfang Mai noch Unterricht vor den Prüfungen möglich. Zunächst sollen die Abschlussklassen wieder unterrichtet werden. Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) hat sich bereits dafür ausgesprochen, den schrittweisen Einstieg mit den Prüfungsjahrgängen zu beginnen.
Einen aus ihrer Sicht überhasteten Einstieg lehnen die Lehrerverbände ohnehin ab. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) warnt ebenso wie der baden-württembergische Realschullehrerverband davor, Lehrer und Schüler Gesundheitsrisiken auszusetzen. Viele Lehrer würden zu Risikogruppen gehören. Erst müsse geklärt werden, wie viele Lehrer überhaupt zur Verfügung stünden. Dann lasse sich ermitteln, wie viele Klassen wieder zugelassen werden könnten, damit die Abstandsregeln eingehalten werden können.
Ein Schichtbetrieb sei mangels Personal an vielen Schulen überhaupt nicht möglich, behauptet die GEW-Vorsitzende Marlis Tepe. Drastisch drückt es Karin Broszat, die Vorsitzende des baden-württembergischen Realschullehrerverbandes aus. Sie sagt: „Prüfungen lassen sich nachholen – Menschenleben nicht.“