Schulden Griechenlands Comeback ist gefährdet

Finanzminister Kostis Hatzidakis will sich nicht auf Zugeständnisse der Gläubiger verlassen. Foto: imago//Sotiris Dimitropoulos / Eurokinissi

Der einstige Pleitekandidat gilt in der EU als Musterschüler beim Schuldenabbau. Aber die Gefahr einer neuen Krise ist noch nicht gebannt. 2024 gilt als Jahr der Weichenstellung.

Wenn sich der griechische Finanzminister Kostis Hatzidakis Geld leihen will, stehen die Investoren Schlange. Als die staatliche Schuldenagentur PDMA vergangene Woche mit einer zehnjährigen Anleihe an den Markt ging, war die Emission mehr als zehnfach überzeichnet. Die riesige Nachfrage nach griechischen Schuldpapieren belegt ein erstaunliches Comeback.

 

Noch vor zwölf Jahren stand das Land am Rand der Staatspleite. Die Anleger warfen griechische Anleihen aus ihren Depots, was zu fallenden Kursen und spiegelbildlich steigenden Renditen führte. Von griechischen Papieren sprach man damals an den Finanzmärkten spöttisch als „Ouzo-Bonds“ – eine Anspielung auf die Rendite der Anleihen, die mit fast 40 Prozent ähnlich hoch war wie der Alkoholgehalt des griechischen Nationalschnapses.

Guter Schuldner

Inzwischen gilt das Land wieder als guter Schuldner. Griechische Staatsanleihen werden durchweg über alle Laufzeiten unter den Renditen für vergleichbare italienische Papiere gehandelt. Die Rendite der zehnjährigen griechischen Anleihe lag noch Ende September 2023 bei 4,5 Prozent. Aktuell sind es 3,2 Prozent. Vier der fünf großen Ratingagenturen, die von der Europäischen Zentralbank (EZB) anerkannt werden, bewerten griechische Bonds wieder als „investitionswürdig“.

Sie begründeten die Heraufstufung zum begehrten Investmentgrade unter anderem mit der positiven Schuldenentwicklung. Griechenland hat zwar immer noch in Relation zur Wirtschaftsleistung die mit Abstand höchsten Schulden in der EU. Aber kein anderer Staat hat seine Schuldenquote in den vergangenen drei Jahren so rasant zurückgefahren wie Griechenland, nämlich um 45 Prozentpunkte von 206 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im Jahr 2020 auf 161 Prozent Ende 2023.

Die Erfolge beim Schuldenabbau sind einem starken Wirtschaftswachstum und einer umsichtigen Haushaltspolitik zu verdanken, aber auch einer Besonderheit der griechischen Schuldenstruktur: 71 Prozent der Verbindlichkeiten entfallen auf Darlehen öffentlicher Gläubiger wie des Euro-Stabilitätsfonds ESM und seines Vorgängers EFSF. Während der Schuldenkrise der 2010er Jahre erhielt Griechenland Hilfskredite von 289 Milliarden Euro. Die Zinsen sind dauerhaft niedrig, die Tilgungen reichen bis ins Jahr 2070. Mit einer Laufzeit der Staatsschulden von durchschnittlich 20 Jahren hat Griechenland das günstigste Schuldenprofil aller Eurostaaten.

Für Kredite des EFSF aus dem Jahr 2013 zahlt Griechenland sogar bisher gar keine Zinsen – ein Zugeständnis, das die Gläubiger 2018 zum Ende des Rettungsprogramms machten. Es handelt sich um Darlehen in Höhe von 97 Milliarden Euro. Athen hat dank dieser Schuldenerleichterung bisher Refinanzierungskosten von rund 15 Milliarden Euro gespart. Aber die Karenzzeit endet im Dezember 2032. Dann werden die gestundeten Zinsen auf die Schulden angerechnet. Sie dürften sich bis dahin auf rund 25 Milliarden Euro belaufen.

Damit droht ein sprunghafter Anstieg der Schuldenquote und der Refinanzierungskosten. Wenn dann auch noch die Marktbedingungen widrig sein sollten, etwa infolge hoher Leitzinsen, könnte Griechenland erneut in eine Krise rutschen.

Möglich ist, dass die öffentlichen Gläubiger 2032 neue Schuldenerleichterungen gewähren. Verlassen kann man sich aber in Athen darauf nicht, weil niemand weiß, wie dann die politischen Kräfteverhältnisse im Rat der Euro-Finanzminister aussehen. Die griechische Regierung versucht deshalb, die tickende Schuldenbombe zu entschärfen. Ziel ist, die Verschuldung in den kommenden Jahren so schnell wie möglich abzubauen, um den Zinsschock 2033 abzufedern. Ein wichtiges Instrument sind vorgezogene Tilgungen.

Kredite vorzeitig zurückzahlen

Bereits 2021 und 2022 hat Griechenland Hilfskredite des Internationalen Währungsfonds (IWF) von 8,5 Milliarden Euro vorzeitig zurückgezahlt. Im vergangenen Dezember überwies Finanzminister Hatzidakis 5,6 Milliarden Euro, die eigentlich erst in diesem Jahr fällig werden, an die Europartner. Es handelt sich um Kreditraten der sogenannten Greek Loan Facility (GLF), bilaterale Hilfsgelder der Eurostaaten aus dem Jahr 2010. Auch in den kommenden Jahren will Griechenland GLF-Kredite vorzeitig zurückzahlen. 2024 gilt dabei als Jahr der Weichenstellung: Erstmals will die Regierung nicht nur die Schuldenquote weiter drücken, sondern auch die Schulden absolut verringern, nämlich von 357 auf 355 Milliarden Euro.

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