Schule in Zeiten von Corona Beim Unterricht bleiben alle Türen offen

Von Kathrin Klette 

Von Homeschooling bis Präsenzunterricht in kleinen Klassen: So läuft der Alltag in der Corona-Zeit.

Tür auf, Licht an: Der morgendliche Rundgang durch alle Räume gehört zu Wolfgang Schneiders täglicher Routine. Foto: factum/Jürgen Bach
Tür auf, Licht an: Der morgendliche Rundgang durch alle Räume gehört zu Wolfgang Schneiders täglicher Routine. Foto: factum/Jürgen Bach

Altkreis - Jeden Morgen geht Wolfgang Schneider das Gymnasium in Renningen einmal ab. Er schließt die Türen von Räumen auf und lässt sie offen stehen. Dann macht er drinnen das Licht an und lässt es brennen. „Das ist nötig, damit möglichst wenig unterschiedliche Menschen mit den Türknäufen und Lichtschaltern in Kontakt kommen“, erklärt er. Außerdem kontrolliert er noch alle Seifen- und Desinfektionsmittelspender im Schulhaus und zusätzlich in der Stadionhalle, wo die Abi­prüfungen stattfinden, ob sie noch voll sind. Diesen Kontrollgang muss er mehrmals am Tag wiederholen.

„Ja, da sind schon einige Laufstrecken dazugekommen“, erzählt der Hausmeister des Renninger Gymnasiums. Weniger Arbeit hat er jedenfalls nicht, auch wenn das Schulhaus aufgrund der Corona-Pandemie über weite Strecken noch verwaist ist. „Das ist wirklich sehr ungewohnt, wenn die Flure so leer sind.“ Wenn dann nach den Pfingstferien weitere Schüler hinzukommen, werden die Laufstrecken ein bisschen länger.

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Nicht nur für den Hausmeister hat sich der Schulalltag seit Corona stark gewandelt. Auch für Schüler und Lehrer ist der Unterricht alles andere als alltäglich. Im Schulhaus selbst jedenfalls befinden sich nur wenige Jungen und Mädchen. An den meisten Schulen sind es der jeweilige Abschluss-Jahrgang und die Stufe direkt darunter, die sich auf ihren Abschluss vorbereitet. Nur das Gymnasium Rutesheim bildet eine Ausnahme. „Wegen der Umstellung auf das neunjährige Abitur haben wir dieses Jahr keinen zwölften Jahrgang“, erklärt der Schulleiter Jürgen Schwarz. Darum sind nur die Abiturienten gerade da.

Darüber hinaus befinden sich in den Gebäuden noch die Kinder der Notbetreuung, die aus unterschiedlichen Gründen das sogenannte Homeschooling daheim nicht wahrnehmen können. Alle anderen sind zu Hause und lernen über den Bildschirm, während die Lehrer live zugeschaltet sind. Auch die Kinder in der Notbetreuung bekommen ihre Aufgaben auf diese Weise, nur dass sie dabei im Klassenraum beaufsichtigt werden.

Große Herausforderungen für Schüler

„Das ist eine Riesenherausforderung für die Schüler, sich selbst zu organisieren“, weiß die Direktorin des Renninger Gymnasiums, Gaby Bundschuh. „Wir verwenden sehr viel Mühe darauf, Eltern und Schüler zu erreichen und keinen zu verlieren“, sagt Marc Schwarz, der neue Leiter der Gerhart-Hauptmann-Realschule in Leonberg.

Aber Homeschooling kann in seinen Augen niemals eine langfristige Lösung sein. „Sich die Dinge auf diese Weise selbst beizubringen, das kann man von den Schülern nicht erwarten.“ So etwas brauche viel Übung und Vorbereitung. Gerade die jüngeren Schüler seien überfordert. „Da haben wir viel aufzuholen.“

Auch die soziale Schere bilde ein großes Problem, sagt Marc Schwarz. Kinder, die schlechte Internetverbindungen haben, keinen eigenen PC oder Eltern, die sie beim Lernen zu Hause nicht unterstützen können, werden umso weiter zurückgeworfen. „Wir würden uns hier über mehr Unterstützung vom Land freuen, damit mehr soziale Gerechtigkeit herrscht“, so der Realschulleiter.

„Man muss ja mal Luft holen“

Alltag also gerade nur bei den höheren Klassen? Eher nicht. Kleine Gruppen, Mundschutz, Abstand halten: Selbst im Präsenzunterricht trägt alles den Stempel der Maßnahmen gegen Corona. „Wir sehen zum Beispiel zu, dass eine Gruppe immer denselben Raum hat“, erzählt Gaby Bundschuh. „Wenn sie den Raum wechseln müssen, werden die Tische, Tastaturen und so weiter desinfiziert.“ Die Türen bleiben während des Unterrichts offen, damit niemand beim Hereinkommen oder Verlassen die Klinke anfassen muss.

„Im Schulhof und im Haus tragen Schüler und Lehrer Masken“, sagt die Rektorin. Im Klassenzimmer obliegt es den Lehrern, ob sie die Maskenpflicht beibehalten. Normal dürfen die Schüler sie an ihrem Platz abnehmen. „Man muss ja mal Luft holen.“ Weitere Vorkehrungen reihen sich ein. Zum Beispiel dürfen Schüler immer nur einzeln zur Toilette.

Nach Pfingsten wird es spannend

Aus Sicherheitsgründen sitzen auch nie alle Schüler einer Klasse oder eines Kurses in einem einzigen Raum, sondern sind auf zwei verteilt. Ebenso handhaben es das Rutesheimer Gymnasium und die GHR in Leonberg. Der Unterricht funktioniert dann so, dass der Lehrer sich in einem Raum aufhält und der Unterricht live in das andere Zimmer übertragen wird. Je nach Bedarf ist dort noch ein anderer Lehrer, der Fragen beantwortet. Oder es wird derselbe Stoff tatsächlich zweimal vermittelt, erst in der einen Gruppe, dann mit der anderen, erklärt Marc Schwarz. Ergänzt wird das dann noch durch Homeschooling.

Mit einer überschaubaren Anzahl an Schülern ist das alles gut machbar. Eine besondere Herausforderung wird jedoch die Zeit nach den Pfingstferien. Dann werden, immer abwechselnd, auch die unteren Klassen wieder vor Ort unterrichtet und daher viel mehr Schüler gleichzeitig da sein. Trotzdem müssen die gleichen Sicherheitsvorkehrungen eingehalten werden. „Wir überlegen uns dafür gerade ein sinnvolles Konzept“, so Jürgen Schwarz. Gerade auf den Fluren und auf dem Schulhof wird aber viel Eigenverantwortung von den Schülern gefordert sein. „Wir können die Struktur bieten und die Aufsicht führen“, sagt der Rektor. „Aber wir können sie nicht wie Schachfiguren im richtigen Abstand aufstellen.“




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