Schulen in Baden-Württemberg Normalität nach den Sommerferien – mit Abstrichen

Präsenzunterricht soll wieder Routine für die 1,5 Millionen Schüler im Land sein. Foto: dpa/Marijan Murat

Nach den Sommerferien soll in den baden-württembergischen Schulen vieles anders und besser laufen. Kultusministerin Susanne Eisenmann hat jetzt ihr Konzept vorgestellt, wie sie dafür sorgen will.

Politik/Baden-Württemberg : Bärbel Krauß (luß)

Stuttgart - Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) hat die Regeln für das neue Schuljahr abgesteckt. Nach den Ferien soll Schule wieder professioneller ablaufen als zuletzt. Das wichtigste im Überblick.

 

Was ändert sich nach den Ferien?

Nach den Ferien gilt das Abstandsgebot im Unterricht nicht mehr. Im Grundsatz soll jedes Kind jeden Tag im Klassenzimmer lernen. Gelehrt wird nach den Vorgaben des Kultusministeriums in festen Lerngruppen. Um die Infektionsrisiken zu begrenzen gibt es keine gemeinsamen Pausen, keinen gemeinsamen Unterrichtsbeginn und keine Vermischung von Gruppen. Der Grund: Falls es zu Coronafällen kommt, sollen die Infektionsketten nachvollziehbar sein. Jahrgangsübergreifender Unterricht ist ausgeschlossen.

Gibt es eine Entlastung beim Stoff?

Um die Schüler zu entlasten, wird der Unterricht auf das „Kerncurriculum des Bildungsplans“ reduziert. Das ist nach den Worten der Kultusministerin auf drei Viertel der Unterrichtszeit angelegt. „Wir wollen, dass alle Haupt- und Nebenfächer unterrichtet werden, einschließlich Musik und Sport“, betonte sie. Allerdings: Das Singen und der Einsatz von Blasinstrumenten bleiben verboten. So wichtig Arbeitsgemeinschaften für das Schulleben seien, unter Corona-Bedingungen werden sie als verzichtbar eingestuft. „Wir raten dazu, bei AGs zurückhaltend zu sein“, sagte Eisenmann.

Was ist, wenn Schüler Lücken haben?

Die neuen Lehrer sollen über Lerndefizite in ihren Klassen informiert werden, so dass sie wichtigen Stoff aus dem Vorjahr nachträglich durchnehmen können.

Gibt es leichtere Prüfungen?

Nein, am Niveau will Kultusministerin Eisenmann nicht rütteln. Sie hat aber angeordnet, dass alle Prüfungstermine um vier bis fünf Wochen nach hinten geschoben werden, damit für die Vorbereitung auf jeden Fall mehr Zeit zur Verfügung steht.

Was ist mit Schullandheim und Betriebspraktika?

Schullandheimaufenthalte sind im nächsten Schuljahr gestrichen. Dagegen können Betriebspraktika immer dann stattfinden, wenn dabei die Hygienevoraussetzungen beachtet werden können.

Kann man wieder sitzenbleiben?

Anders als in diesem Schuljahr, wo wegen Corona kein Schüler seine Klasse wiederholen muss, müssen im nächsten Schuljahr wieder diejenigen eine „Ehrenrunde“ drehen, die mit ihren Noten das Klassenziel nicht erreicht haben.

Ist Schluss mit Schulschließungen?

Ministerin Eisenmann rechnet damit, dass Infektionsfälle immer wieder zur Schließung von Schulstandorten oder zum Unterrichtsausfall für einzelne Klassen führen kann. „Hoffentlich werden wir nur Einzelfälle haben“, betont sie.

Wie geht es bei Fernunterricht weiter?

„Im neuen Schuljahr werden wir darauf eingestellt sein, wenn wir in Fernunterricht wechseln müssen“, sagt Eisenmann. Wo Geräte und Internetanschluss fehlen, sollen die Schüler mit Laptops ausgestattet werden oder Räumlichkeiten in der Schule mit Gerät und Internetanschluss zur Verfügung gestellt bekommen. Außerdem hat das Ministerium Regeln für den Fernunterricht abgesteckt: Alle Schüler müssen die gleichen Unterrichtsmaterialien bekommen. Die Fachlehrer müssen regelmäßig Aufgaben stellen, ständigen Austausch mit den Schülern pflegen und – elektronisch oder im Klassenbuch – dokumentieren, was sie im Fernunterricht gemacht haben. Tests und Klassenarbeiten soll es auch geben – wie die aussehen sollen, wird noch festgelegt.

Eisenmann will wegen Corona mehr Vertretungslehrer

Wird es mehr Lehrkräfte oder größere Klassen geben?

Mit beidem rechnet Susanne Eisenmann nicht. Aufstocken will sie allerdings die Vertretungsreserve für kranke Lehrer. Davon werden in Corona-Zeiten deutlich mehr benötigt. Über die nötigen Mittel stehe sie derzeit in Verhandlungen.

Was ist mit Schülern, die zur Risikogruppe zählen?

Sie brauchen kein Attest und müssen nicht am Präsenzunterricht teilnehmen. Sie sollen von Lehrern, die wegen Risikofaktoren nicht im Klassenzimmer unterrichten, Fernunterricht erhalten.

Welche Fragen sind noch offen?

Ob und unter welchen Bedingungen für Schüler in den Pausen oder auf den Gängen eine Maskenpflicht gilt, ist noch offen. Außerdem ist die Landesregierung sich über die Testmöglichkeiten für Lehrer noch nicht einig.

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