Schulen in Stuttgart Sanierungen werden immer teurer

Von Barbara Czimmer 

Die meisten Schulen sind steinalt. Weil zu wenig saniert wurde, gibt es auf den Baustellen immer wieder unliebsame Überraschungen. Das und der Fachkräftemangel verteuern die Sanierungen erheblich.

Hier ist zurzeit kein Platz für Schüler. In den Kisten lagert Unterrichtsmaterial. Foto: Lichtgut/Julian Rettig 11 Bilder
Hier ist zurzeit kein Platz für Schüler. In den Kisten lagert Unterrichtsmaterial. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Stuttgart - Ferienzeit ist Baustellenzeit an Schulen. Von Kreta, seinem Urlaubsziel, kann Pano Andreadis momentan nur träumen. Er muss noch einige Wochen die Stellung an der Ameisenbergschule in Stuttgart-Ost halten. Oben auf dem Flachdach zeigt er, was man schon erneuert hat. „Da war ein Gründach drauf, aber das wurde zu schwer, und die Dachdämmung war beschädigt und nass. Deshalb musste man alles neu abdichten. Künftig kommt eine Wartungsfirma, die Laub und Moos regelmäßig entfernt“, erklärt der Lehrer.

Glasbau ohne Sonnenschutz gebaut

Unten im Schulhaus sehen manche Räume aus wie Rohbauten. Elektriker ziehen Kabel durch Schächte und kontrollieren überdimensionale Schaltschränke. An vielen Wänden sind Schlitze geschlagen worden „für die neue Alarmierungsanlage und die neuen Lautsprecher“, sagt Pano Andreadis. Nach dem Amoklauf von Winnenden im Jahr 2009 hat das Land eine Verwaltungsvorschrift zu zusätzlichen Sicherheitsvorkehrungen an Schulen erlassen; seitdem rüstet die Stadt Stuttgart ihre Schulen unter anderem mit Sprachalarmierungsanlagen nach. Der Brandschutz verlangt eine Verbesserung, die energetischen Vorgaben erfordern neue Fassaden. Allein Dach und Fassade kosten 1,1 Millionen Euro. Im Hof zeigt Andreadis auf den „Neubau“, einen Rundling mit Glasfront: „Der bekommt Jalousien.“ Das Schulhaus wurde 1992 ohne Sonnenschutz gebaut. Kosten: 260 000 Euro.

Angst vor Deckendurchbrüchen

In nicht wenigen Fällen sind die Gebäude Opfer des jahrelangen Sanierungsstaus, den die Stadt im Jahr 2011 eingestanden hatte, als die ersten Deckenplatten herabstürzten. An der Rosenschule Zuffenhausen beispielsweise haben die Sekretärinnen die Regale ausgeräumt und die schweren Akten ins Erdgeschoss gebracht, „weil man Angst hatte, die seien zu schwer für die Decke im ersten Stock“, sagt Javier Bell­viure vom Schulverwaltungsamt. Sechs Millionen Euro kostet nun die Sanierung. An der Tiefenbachschule in Rohracker hat ein Wassereinbruch einen Schaden von 1,3 Millionen Euro verursacht, die Rilke-Realschule in Stuttgart-Rot aus den 1950er Jahren braucht eine 16,5 Millionen Euro teure Rundumsanierung. Wegen des Handwerkermangels können derzeit von jährlich zur Verfügung stehenden 50 Millionen Euro maximal 40 ausgegeben werden.

„Das Schwierigste ist, überhaupt Angebote zu bekommen“, sagt Oliver Krause vom Stuttgarter Büro Kilian und Partner. Er ist derzeit Bauleiter im Ferdinand-Porsche-Gymnasium in Zuffenhausen. „Insbesondere Elektriker, Maurer, Zimmerleute fehlen. Es ist enorm Druck im Kessel.“ Hinzu kommt der Personalmangel im Amt, auch der wirke sich auf den Preis aus, sagt Javier Bellviure vom Schulverwaltungsamt: „Die Preissteigerungsrate ist exorbitant und liegt jetzt bei 3,6 Prozent im Jahr. Es besteht die Sorge, dass man mit dem vom Gemeinderat freigegebenen Geld nicht klarkommt.“

Unliebsame Überraschungen

Bei einer Bausumme von 6,8 Millionen Euro fürs Porsche-Gymnasium fällt jedes Prozent ins Gewicht. Und jede unliebsame Überraschung: Zunächst sollten die verrotteten Holzfenster der Fachklassenbauten für Musik, Kunst, Werken und Biologie ausgetauscht und die bröckelnde Klinkerfassade saniert werden. „Dann hat man festgestellt, dass es keine Trennlage gibt zwischen Mauer und Klinker, weshalb der Bauunternehmer die Klinkerfassade nun von Hand statt mit dem Bagger abbrechen muss“, erläutert Oliver Krause. Die Ämter haben schließlich beschlossen, auch Decken, Elektrik, Beleuchtung, Heizung und Sanitär in die Planung mit einzubeziehen. Der Bauleiter bleibt optimistisch: „Wir auf dem Bau wünschen uns natürlich viel mehr ­Ferien als bloß sechs Wochen, aber wir ­werden fertig.“

Die Schüler des Eberhard-Ludwigs-Gymnasiums müssen länger warten: Ein Nachbarschaftseinspruch gegen den Bebauungsplan hat einen Baustopp erwirkt, die gerichtliche Auseinandersetzung steht noch aus. Sicher ist, dass sich die Baumaßnahme um mindestens ein Jahr verschiebt. Dem Wagenburg-Gymnasium geschieht Ähnliches: Ein Nachbarschaftseinspruch verhindert das Aufstellen von Containern für den Unterricht – und damit die millionenschwere Sanierung des mehr als 100 Jahre alten Gebäudes.

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