Schulleiterwechsel in Fellbach Aus für ein eingespieltes Team

Dieter Burkhard und Sabine Mayer waren als Duo erfolgreich. Foto: Gottfried Stoppel

Dieter Burkhardt, Schulleiter der Hermann-Hesse-Realschule, geht in Ruhestand. Sabine Mayer, Konrektorin, übernimmt. Der 63-Jährige geht jetzt mit seinem Camper auf Tour.

Rems-Murr: Simone Käser (sk)

Schmiden - Wenn Dieter Burkhardt und Sabine Mayer von „wir“ reden, sagen sie das nicht nur so, sondern sie zeigen damit, wie nah sie sich beruflich stehen, wie identisch ihr Handeln und Fühlen ist. Seit nunmehr zwölf Jahren sind der Schulleiter an der Hermann-Hesse-Realschule in Schmiden und die Konrektorin ein Team. „Wir haben uns gefunden. Wir sind wie Spiegelbilder, die auf Augenhöhe miteinander arbeiten“, sagt Sabine Mayer.

 

Die Konrektorin muss bald ohne ihren Arbeitszwilling auskommen

Dass damit nun Schluss ist, und die noch stellvertretende Schulleiterin bald ohne ihren Arbeitszwilling das Schulhaus leiten soll, kann Sabine Mayer noch nicht wirklich glauben. „Das alles war Schicksal.“ Doch sie muss sich damit anfreunden, künftig erst einmal nicht mehr „wir“ oder „uns“, sondern „ich“ zu sagen, denn Dieter Burkhardt wird in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet, und Sabine Mayer übernimmt die Schulleitung. „Sobald ich offiziell eingesetzt bin und alles wieder in geordneten Bahnen läuft, wird auch die Konrektoren-Stelle neu ausgeschrieben, aber bis dahin wird es schon eine Umstellung sein“, sagt die 46-Jährige.

Ob es noch mal so wird wie mit Dieter Burkhardt, wird sich zeigen müssen. Im Jahr 2007 kam der in Besigheim wohnende Mann an die Hermann-Hesse-Realschule in Schmiden. Davor war er als Schulrat im Schulamt Ludwigsburg tätig und wollte endlich wieder an die Front. „Mir haben die Kinder gefehlt und das pralle Schulleben. Da kam die Stellenausschreibung in Schmiden gerade recht. Noch dazu, weil es keine ganz so große Einrichtung war“, erinnert er sich.

Die familiäre Größe der Schule hat Dieter Burkhardt sehr geschätzt

Das, also die familiäre Größe, die es ihm erlaubt, alle persönlich zu kennen und in ihrer Entwicklung zu verfolgen, schätzt der scheidende Rektor, der selber zwei Jungs hat. „Das alles wird mir fehlen, und ich gehe keinesfalls, weil ich keine Lust mehr habe.“ Ginge es danach, würde der ambitionierte und beliebte Pädagoge, der mit 63 Jahren Tschüss sagt, bestimmt noch einige Jahre dran hängen, aber persönliche und familiäre Gründe haben zu der jetzigen Entscheidung geführt.

Dass Sabine Mayer die Themen – Gesundheit und Familie – in seinem Sinne weiterführt, versteht sich bei so einem eingeschworenen Team von selbst. So wird es auch künftig einen engen Austausch mit Schülern und Eltern sowie Ernährungs- und Kochangebote geben. „Da geht es auch völlig notenfrei zu. Auch ein Schüler, der vielleicht keine so guten Zensuren hat, kann sich am Herd beweisen und blüht auf“, sagt Sabine Mayer. Es gehe immer um den Menschen als Ganzes.

Wenn ein Schützling aus dem Ruder läuft, handeln Mayer und Burkhardt

Wenn aber einer ihrer Schützlinge mal aus dem Ruder läuft, dann können Dieter Burkhardt und Sabine Mayer auch streng werden, gleichzeitig strecken sie aber beide Arme aus, um zu helfen. „Auch mit dem Kollegium bilden wir ein Team. Wenn die nicht mehr weiterkommen, schreiten wir ein und spielen dann auch mal guter Bulle, böser Bulle“, sagt Burkhardt. Spätestens als die Pandemie auch in der Hermann-Hesse-Realschule alles durcheinander wirbelte, war klar, wie wichtig es ist, dass alle an einem Strang ziehen. „Ständig hat sich alles geändert, und wir mussten reagieren. Oft sind wir am Wochenende dagesessen und haben versucht, das Konzept anzupassen“, sagt Sabine Mayer, die wie Dieter Burkhardt einen Motorradführerschein hat und gerne mal mit dem Rad zur Schule fährt.

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Der Druck und die Anstrengung seien in der Zeit groß gewesen, da tat sportlicher Ausgleich gut. Schließlich gab es Covid-Fälle, und die Lehrer standen mit Fernunterricht und Digitalisierung vor neuen Aufgaben. „Fingerspitzengefühl und Geduld waren nötig“, sagt Burkhardt, der Englisch und Geschichte unterrichtet hat. Beim Thema Sanierung hat sich die Ausdauer des Sportfans nicht ausgezahlt. „Wir haben lange um einen Anbau, die Umgestaltung des Hofs und die Renovierung des Aufenthaltsraums gekämpft. Jetzt wo ich gehe, purzeln die erfüllten Wünsche vom Himmel.“ Er freut sich trotzdem, obwohl das Gehen so noch schwerer fällt – auch, weil er in der langen Zeit so viele Glücksmomente erlebt hat. „Sekundenglück“ nennt Sabine Mayer es. Die neue Rektorin, die 2009 aus Schorndorf kam und mit ihrem Partner in Remshalden lebt, denkt dabei an einen schwachen Schüler, der plötzlich durchstartet, daran, wenn die Bemühungen um ein Kind Früchte tragen, oder wenn beim gesunden Frühstück Eltern helfen, deren Kind gar nicht mehr bei ihnen ist – all das bestätigt das Leitungsteam, zudem auch Sekretärin Petra Riesner gehört, in ihrem Tun.

Einmal schwingt der scheidende Rektor noch den Kochlöffel

Mindestens einmal besucht Dieter Burkhardt die Damen, die er zurücklässt, noch. Dann schwingt der Hobbykoch, der lange in England lebte, den Kochlöffel und zaubert sein indisches Curry. Danach ist er dann erst mal weg – vielleicht mit dem Camper die neue Freiheit leben. Und ganz vielleicht darf der Wecker dann auch mal später als um 5 Uhr morgens klingeln. Und Sabine Mayer? Die hält die Stellung und hat sich vorgenommen, noch mehr Demokratie an die Schule zu bringen. „Schüler sollen mehr Mitsprache haben, dann ist auch ihr Einsatz ein anderer.“

Die Verabschiedung von Dieter Burkhardt sowie die Einsetzung von Sabine Mayer findet am Freitag, 23. Juli, 11.30 Uhr, in der Aula mit Grußworten und Musik statt.

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