Schulstandort Stuttgart-Stammheim Was wiegt schwerer, Denkmalschutz oder Schulneubau?

Ob der Entwurf für den vierten Bauabschnitt umgesetzt werden kann, ist nicht klar. Um ihn zu realisieren, müsste der Hübner-Bau abgerissen werden. Foto: Lederer

Nachdem Eltern und Lehrer ihrem Unmut über den Platzmangel und die verzögerten Baumaßnahmen beim Schulumbau in Stuttgart-Stammheim Luft gemacht hatten, haben nun Vertreter der Verwaltung über den aktuellen Sachstand und den Zeitplan informiert. Die Planer stehen allerdings vor einem unlösbaren Problem.

Stammheim - Im Jahr 2016 zog die Park-Realschule von Zuffenhausen nach Stammheim, wo sie seitdem zusammen mit der Grundschule ein gemeinsames Areal am Fliegenweg nutzt. Wie wenig Platz es dort gibt, wie schlecht die Zustände sind und wie unzufrieden Eltern, Schüler und Lehrer mit den ständigen Verzögerungen beim Um- beziehungsweise Ausbau des Standorts sind, das war in den vergangenen beiden Sitzungen des Bezirksbeirats Thema (wir berichteten). In der jüngsten Sitzung des Gremiums waren nun Vertreter des Schulverwaltungsamts und des Hochbauamts zu Gast, um über den Stand der Dinge zu informieren.

 

„Das ist ein relativ komplexes Projekt“, sagte Maren Lademacher vom Schulverwaltungsamt, als sie den Beiräten zunächst die Eckpfeiler der Planungen näher brachte: Die Grundschule werde auf den Ganztagesbetrieb umgestellt und müsse wegen der Aufsiedlung des Neubaugebiets Langenäcker-Wiesert erweitert werden. In einer zweiten Schiene habe man sich um den Umzug der Park-Realschule kümmern müssen, die wiederum künftig von zwei auf drei Züge ausgebaut werde. Bei der Schülerentwicklung erwarte man eine deutliche Zunahme, künftig werde es mehr Kinder und mehr Klassen am Standort geben.

Der dritte Bauabschnitt verzögert sich um sieben Monate

Konkret auf die baulichen Gegebenheiten ging Stephan Herrmann vom Hochbauamt ein. Zunächst widmete er sich dem dritten Bauabschnitt. Dieser hätte eigentlich im August 2021 fertig werden sollen, aktuell gehe man von sieben Monaten Verspätung, also einer Fertigstellung im März 2022 aus. Insgesamt würden mit dem Neubau 18 neue Räume zur Verfügung stehen. Gründe für die Verzögerung gebe es einige: Der Bereich Holzbau sei aktuell sehr ausgelastet, es sei schwer gewesen, überhaupt eine geeignete Firma zu finden. Einige Zeit gekostet hätten diverse konstruktive Details, in manchen Punkten sei es teils zu „kontroversen Abstimmungsvorgängen“ gekommen. Zudem habe man zwar gewusst, dass der östliche Pausenhof im Krieg bombardiert worden war. Trotz vorheriger Sondierung seien dann aber schlechte Untergrundverhältnisse und Schutt vorgefunden worden, die unter Begleitung eines Geologen und des Kampfmittelräumdienstes klassifiziert werden mussten. Weitere Verzögerungen seien durch das Winterwetter eingetreten. „Viele Kleinigkeiten haben Zeit gekostet“, fasste Herrmann zusammen.

Denkmalschutz blockiert Neubau

Noch schlechter ist die Situation beim vierten Bauabschnitt: Dass der Hübner-Bau und sein unmittelbares Umfeld im Sommer 2020 unter Denkmalschutz gestellt wurde, konfrontiert die Planer mit einer schier unlösbaren Aufgabe. Der Pavillon müsste nämlich weichen, um Platz für einen Neubau zu machen. „Das ist kein kleines Problem“, sagte Herrmann und fügte hinzu: „Ich habe heute keine Lösung dabei.“

Bis Ende Mai werde es weitere Abstimmungen geben, dann solle das Regierungspräsidium nochmals alle Fakten prüfen und Stellung nehmen. Diese Entscheidung werde frühestens im Herbst 2021 fallen. Von ihr hänge ab, welche Interessen überwiegen – Denkmalschutz oder Schulneubau. Grundsätzlich rechnet Herrmann damit, dass es noch sechs bis acht Jahre dauert, bis der komplette Schulstandort fertig wird. Auf Nachfrage räumte er ein, dass ein weiterer Interimsbau technisch nicht machbar sei und dass der Hübner-Bau nicht an einen anderen Standort verlegt werden könne. Ebenso wenig wäre es möglich, das beim Wettbewerb zweitplatzierte Architektenbüro mit dem Projekt zu betreuen. Einen kleinen Lichtblick scheint es aber zu geben: Der Interims-Pausenhof kann wohl bald freigegeben werden. Hier gab es Verzögerungen wegen des Rollrasens, der noch nicht richtig angewachsen ist.

„Das Dilemma ist klar, ich verstehe den Unmut“, sagte Bezirksvorsteherin Susanne Korge am Ende der Diskussion. Man müsse aber anerkennen, dass die Mitarbeiter der Verwaltung ihr Bestes gäben.

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