Schulstart in Baden-Württemberg 580 000 Kinder kehren an Schulen zurück

Ab der fünften Klasse bitte mit Maske: Viele Schüler und Schülerinnen sehen am Montag nach drei Monaten Pause ihre Klassenräume wieder. Foto: dpa/Matthias Balk

Ab Montag werden in Baden-Württemberg Grundschüler und Fünft- und Sechstklässler wieder voll in Präsenz unterrichtet. Was Eltern und Schüler jetzt darüber wissen müssen.

Stuttgart - Die Schulen in Baden-Württemberg haben sich auf die Rückkehr zum vollen Präsenzunterricht für Grundschüler und Fünft- und Sechstklässler vorbereitet. Von 1,52 Millionen Schülern kehren fast 40 Prozent nach dreimonatiger Pause zurück: 380 000 Grundschüler, 200 000 Fünft- und Sechstklässler. Was müssen Eltern wissen?

 

Wie ist die Lage an Grundschulen?

Grundschulen hatten seit den Faschingsferien schon Wechselunterricht, Montag kehren sie voll in den Präsenzunterricht zurück, genauer gesagt, in den Regelunterricht unter Pandemiebedingungen – damit fällt auch die Notbetreuung weg. Unterrichtet werden soll in konstanten Kleingruppen (Kohorten). Sie dürfen auch Spaziergänge und Ausflüge an die frische Luft machen. Der Sportunterricht entfällt, eine Maskenpflicht besteht für Grundschüler nicht. Die Präsenzpflicht ist – wie bei allen Schularten – noch außer Kraft. Das heißt, besorgte Eltern können auf Fernunterricht für ihre Kinder bestehen.

Was gilt für Fünft- und Sechstklässler?

Sie sollen Masken im Unterricht und Schulhaus tragen und sollen „in einem sonst großenteils leeren Schulgebäude“, so das Kultusministerium, Abstände einhalten und Hygienekonzepte beachten. Eine förmliche Pflicht zum Mindestabstand von 1,50 Meter – wie es Ministerpräsident Kretschmann wollte – gibt es nicht. Aber laut Kultusministerin Susanne Eisenmann sollen Schulen darauf achten, dass er möglichst eingehalten wird. Schulen sollen – wenn möglich – größere Räume nutzen oder Klassen auf zwei Räume aufteilen. Sport wird nur unterrichtet, wo es Prüfungsfach ist. Notbetreuung gibt es nur für Klasse sieben.

 

Dürfen Schulen ausnahmsweise auch Wechselunterricht anbieten?

Nein. Zwei Schulen im Land – das Friedrich-Schiller-Gymnasium (FSG) in Marbach und das Gymnasium Schönau – hatten für Fünft- und Sechstklässler Wechselunterricht vorbereitet. Sie machten dafür den Infektionsschutz und räumliche und personelle Gründe geltend. Das Kultusministerium hatte die zuständigen Regierungspräsidien angewiesen, den Schulen erneut „Sachlage und Gründe“ für den Präsenzunterricht darzulegen. Das Regierungspräsidium Freiburg teilte Freitag mit, dass das Gymnasium Schönau nun doch keinen Wechselunterricht mache und einen neuen Plan aufstelle, „um die Vorgaben aus dem Ministerium trotz aller Schwierigkeiten“ umzusetzen. Das Regierungspräsidium Stuttgart teilte mit, es sei mit der FSG-Schulleitung beratend in intensiven Gesprächen, damit der Präsenzunterricht laut Vorgaben organisiert werde und „zugleich die besonderen Anforderungen“ des FSG berücksichtigt sind.

Was erwartet die höheren Klassen?

Für Schüler ab der Klasse sieben sowie für die beruflichen Schulen geht der Fernunterricht weiter, und dies soll „bis auf Weiteres“ so bleiben. Die Abschlussklassen an den weiterführenden Schulen werden – so weit wie möglich – schon seit den Faschingsferien in Präsenz unterrichtet.

Ab welcher Inzidenz sind die Schule wieder zu?

Dazu äußerst sich das Ministerium vage: Man habe die Coronalage im Blick und werde Maßnahmen auch anpassen. Über Quarantäne und Schulschließungen entscheiden die Gesundheitsämter.

Warum warnt der Philologenverband?

Der Philologenverband Baden-Württemberg sagt, bei einer Schulöffnung ohne verbindlichen Mindestabstand müsse es Wechselunterricht geben, so Landeschef Ralf Scholl. Laut seinen Recherchen gab es in dieser Woche drei schulische Quarantäne-maßnahmen wegen neun positiv getesteter Schüler. Scholl verweist auf die Rechtslage: „Wird ein Kind oder eine Lehrkraft positiv auf eine Infektion mit der neuen Virusmutation getestet, den VOC – Variants of Concern –, müssen die ganze Klasse, alle Lehrkräfte und deren Familien in den nicht verkürzbaren, 14-tägigen Lockdown.“ Am Freitag mussten wegen Corona-Ausbrüchen in sieben Schulen und Kitas im Alb-Donau-Kreis mehrere Hundert Menschen in Quarantäne.

Was ist mit Schnelltests?

Schüler im Präsenzunterricht und ihre Eltern sollen freiwillig Testangebote der Kommunen, Apotheken oder Schulen wahrnehmen. Viele Schulen bieten selbst Tests an. Der Stuttgarter Apotheker Konstantin Pitsioras, der für drei Schulen und vier Kitas testet, sagt, dass er Spucktests einsetze. „Die sind einfach in der Handhabung.“ Auch sehe er bei anderen Tests das Risiko des Nasenblutens, und es gebe Haftungsfragen.

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