Schulstart in Esslingen Unterricht unter Coronabedingungen

Am Montag kommt wieder Leben in die Klassenzimmer. Foto: dpa/Philipp von Ditfurth

Corona wird weiterhin den Schulalltag bestimmen. Wurde über die Sommerferien für mehr Sicherheit gesorgt? Auf das müssen sich Eltern, Schüler und Lehrkräfte einstellen.

Reporter: Petra Pauli (pep)

Kreis Esslingen - Maske tragen im Unterricht und auf den Gängen, Fenster auf Durchzug, zudem mehrfach in der Woche testen: Auch im neuen Schuljahr, das am Montag beginnt, gelten wieder Coronavorschriften. Auf den ersten Blick kommt einem das alles bekannt vor. Doch es hat sich Grundlegendes für die Schulen geändert. So sind die Regeln nicht mehr an die Inzidenz gebunden. Dass die Zahlen auch im Kreis Esslingen laufend steigen, spielt praktisch keine Rolle mehr. Auch Wechsel- oder Distanzunterricht, der vor den Ferien ab einem bestimmten Wert verpflichtend war, sind nicht mehr vorgesehen. „Im kommenden Schuljahr soll der Präsenzunterricht die Regelform sein“, so hat es die Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne) formuliert. Jörg Leihenseder, der geschäftsführende Schulleiter der Esslinger Gymnasien, begrüßt das: „Ich hoffe sehr, dass wir die Schulen offen halten können. Präsenzunterricht ist wichtig.“ Auch Sportunterricht und Nachmittagsbetreuung sind erlaubt. Zudem dürfen die Schulmensen öffnen.

 

Quarantäne Mehr Präsenzunterricht könnte auch durch die gelockerten Quarantäneregeln ermöglicht werden. Denn bei einem positiven Fall muss nicht mehr automatisch die ganze Klasse daheim bleiben. Bei dynamischen Infektionsgeschehen kann das Gesundheitsamt aber auch anders entscheiden. An weiterführenden Schulen müssen sich die Mitschüler statt Quarantäne fünf Tage lang in Folge testen, in Grundschulen reicht ein Test. Nach der Coronaverordnung des Landes vom 28. August – die nächste wird pünktlich zum Schulstart am Montag veröffentlicht –, müssen sich auch die Nebensitzer von Infizierten nicht absondern, sondern nur testen. Bei den Quarantäneregeln, auf die sich die alle Bundesländer jetzt geeinigt haben, ist das aber anders. Jörg Leihenseder schließt deshalb nicht aus, dass das Land noch nachzieht. Die praktische Umsetzung könnte sich schwierig gestalten. „Wir müssten dann von jedem Schüler über den Tag verteilt den Sitznachbarn ermitteln“, gibt er zu bedenken. Die Quarantäne-Lockerungen haben im Vorfeld viel Kritik hervorgerufen. Der Philologenverband etwa findet die Regeln „unverantwortlich“. Sie würden das Infektionsgeschehen antreiben.

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Lüften Um Schulen sicherer zu machen, hat das Land ein Förderprogramm aufgelegt, das die Träger bei der Anschaffung von Luftfiltern unterstützt. Doch davon werde noch immer zu wenig Gebrauch gemacht, kritisiert die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Esslingen-Nürtingen. „Es ist wichtig, dass die Kommunen schnell reagieren, um die Geräte noch zu bekommen“, sagt der GEW-Kreisvorsitzende David Warneck. Spätestens im Winter sei Lüften allein keine Lösung mehr. Unterricht in Daunenjacke und bei offenem Fenster – das dürfe sich nicht wiederholen. „So kann man nicht unterrichten“, sagt Warneck. Corina Schimitzek, Leiterin des Staatlichen Schulamts in Nürtingen, meint dagegen, dass viele Schulträger aktiv geworden seien: „Durch die Gelder hat es einen Schub gegeben.“ Alle 20 Minuten müsse aber ohnehin gelüftet werden. „Es wird wieder kühl werden in den Klassenzimmern“, kündigt sie an. Die Stadt Esslingen hat – Stand Ende August – für ihre Schulen und Kindertageseinrichtungen den Bedarf an fünf Luftfiltern angemeldet.

Impfen Ein Thema dürfte an weiterführenden Schulen das Impfen sein, denn in den Ferien hat die Ständige Impfkommission ihre Haltung geändert und eine Empfehlung auch für die Zwölf- bis 17-Jährigen ausgesprochen. Laut dem Sozialministerium können Schulen für ganze Klassen Zeitfenster in den Impfzentren reservieren oder auch mobile Impfteams anfordern. Viele Schulen wollen aber offenbar abwarten, wie groß das Interesse ist. „Klar ist, dass eine solche Aktion ein erheblicher Aufwand ist“, sagt Rektor Jörg Leihenseder. Am Schelztor-Gymnasium wolle man sich in Absprache mit den Elternbeiräten in der ersten Schulwoche einen Überblick verschaffen. „Vonseiten der Schulen gibt es bisher nur einzelne wenige Anfragen für Impfaktionen, die sich derzeit in der Abstimmung befinden“, teilt Sarah Panten vom Landratsamt mit. Organisiert werden die Impfangebote vom Malteser Hilfsdienst in Absprache mit dem Landkreis.

Testen Neuerdings gibt es eine Testpflicht für Beschäftigte in Kitas und Schulen, sofern sie nicht genesen oder geimpft sind. Die Regelung gilt vorerst bis zu den Herbstferien. Das hat das Kultusministerium am Mittwoch mitgeteilt. Damit wolle man vor allem jüngere Kinder schützen, die sich noch nicht impfen lassen können. An Schulen, an denen die Kinder und Jugendlichen per Antigentest getestet werden, soll es vom 27. September bis 29. Oktober drei statt der bislang zwei Tests pro Woche geben. An Schulen, die die genaueren PCR-Pooltests machen, bleibt es bei zwei Tests. Einen kreisweiten Überblick, welche Tests die Schulen nutzen, hat die Schulamtsleiterin nicht. Denn die Tests zu besorgen, ist Aufgabe der Träger. Corina Schimitzek geht davon aus, dass die meisten mit den Schnelltests anfangen. Eventuell müssten die Bestände von vor den Ferien noch aufgebraucht werden. Dominik Steiner, Realschullehrer und stellvertretender Vorsitzender der GEW Nürtingen-Esslingen, kritisiert, dass es bei den Tests noch immer keine Unterstützung gibt. „Organisation und Durchführung werden nach wie vor auf Schulleitungen und Lehrkräfte abgewälzt.“

Impfung für Schüler ab zwölf Jahren im Impfzentrum

Impfen
An den beiden Kreisimpfzentren in der Zeppelinstraße in Esslingen und an der Messe auf den Fildern werden noch bis 30. September Impfungen ohne vorherige Terminvereinbarung angeboten, täglich von 7 bis 21 Uhr. Auch Kinder ab zwölf Jahren können sich hier in Begleitung eines Erziehungsberechtigten mit dem Vakzin von Biontech impfen lassen. Jugendliche ab 16 Jahren können selbst einwilligen. „Wir appellieren an die Eltern, nicht länger zu warten, sondern zügig für eine Impfung ihrer Kinder zu sorgen“, sagt Sarah Panten vom Landratsamt. Auch Haus- und Kinderärzte können impfen. Das Sozialministerium veranstaltet einen digitalen Informationsabend zur Impfung von Jugendlichen am 14. September um 18.30 Uhr (Informationen im Internet unter www.dranbleiben-bw.de).

Luftfilter
Die baden-württembergische Landesregierung fördert sowohl die öffentlichen als auch die freien Träger der Schulen und Kindertageseinrichtungen bei der Anschaffung mobiler Raumluftfilter und CO2 -Sensoren mit insgesamt 70 Millionen Euro. Das Land trägt dabei 50 Prozent der Anschaffungskosten, wobei die Förderung je mobilem Gerät bei 2500 Euro gedeckelt ist.

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