Schurwald Windkraftgegner vereinigen sich

Von Klaus Nonnenmacher 

Fünf Bürgerinitiativen im Schurwald haben den neuen Verein Mensch Natur gegründet. Die zentrale Forderung lautet: „Energieerzeugung muss menschen- und naturverträglich sein.“

Die Idylle trüge, meint der neue Verein Mensch Natur Foto: Rudel/Archiv
Die Idylle trüge, meint der neue Verein Mensch Natur Foto: Rudel/Archiv

Birenbach - Gerti Stiefel aus Birenbach ist eine Aktivistin der ersten Stunde. Kurz nachdem die Energiewende ausgerufen worden war und die Region begann, Vorranggebiete für Windkraftanlagen auszuweisen, gründete sie mit ein paar Mitstreitern die Bürgerinitiative Stauferland, die unter anderem bereits 1700 Unterschriften für eine Petition gegen die Windkraftnutzung gesammelt hat. Andere Bürgerinitiativen folgten. Bisher blieben diese meistens unter sich. Das soll sich ändern. Die Initiativen Stauferland, Adelberg und Ebersbach sowie Berken und Pro Schurwald (Rems-Murr-Kreis und Kreis Esslingen) wollen gemeinsame Sache machen und haben sich zu einem neuen Verein zusammengeschlossen, der mehr will, als nur Windkraftanlagen verhindern.

„Mensch Natur“ nennt sich der Verein, dessen Sitz in Göppingen ist. Als Vorsitzende fungieren Gerti Stiefel und Michael Haueis aus Lichtenwald (Initiative Pro Schurwald). Ziel sind generell der Schutz, die Pflege und Entwicklung von Landschaften und Naturräumen. Immerhin 16 Vorranggebiete für Windkraftwerke seien im Bereich der fünf Bürgerinitiativen geplant.

Nicht gegen Windkraft, aber gegen Windkraft im Ländle

Ein paar Dinge will Gerti Stiefel aber klarstellen. Vor allem seien sie keine Windkraftgegner und erst recht keine Atomkraftbefürworter. „Wir wehren uns nur dagegen, dass man ausgerechnet im windarmen Land Baden-Württemberg jetzt denkt, dass man Kulturlandschaft und lebensnotwendigen Freiraum für die Menschen in unserer dicht besiedelten Region für eine Technologie opfert, die nicht einmal die Grundlast trägt“, sagt sie. Die Politik der Landesregierung, möglichst schnell möglichst viele Windkraftanlagen zu bauen, bezeichnet der Verein als konzeptlos.

Die Menschen seien aber auch viel zu schlecht und einseitig informiert. Viele wüssten nicht, dass zumindest nach ihren Recherchen Windkraftanlagen hierzulande nicht wirtschaftlich seien. „Es gibt zu wenig Informationen über dieses Standortproblem. Wir sehen unsere Aufgabe auch darin, die Hintergrundinformationen zu geben“, sagt Gerti Stiefel. Das Problem sei, dass die Leute nicht mehr richtig zuhören wollten. Mit Veranstaltungen, Öffentlichkeits- und Lobbyarbeit will man das ändern. Aber: „Windkraft ist nicht das Einzige, wo wir große Gefahren sehen“, erläutert die Vorsitzende von Mensch Natur.

„Energieerzeugung muss menschenverträglich sein“

So wie der Verein Mensch Natur die Windrotoren als Industrieanlagen bezeichnet und ein Schreckensszenario des verspargelten Schurwalds mittels Fotomontagen auf seiner Internetseite skizziert, sieht er den Naturraum auch von anderen industriellen Nutzungen bedroht. Ob Biogasanlagen oder Biosprit, ob Solarfelder oder Stromtransport und Speicheranlagen – die Energiewende sollte nicht auf Kosten von Natur und Mensch gehen, finden die Vereinsmitglieder. „Energieerzeugung muss ökologisch und ökonomisch sinnvoll sein. Sie muss vor allem aber auch natur- und menschenverträglich sein“, lautet daher die zentrale Forderung.




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