Schwaben in Israel Näher bei Gott

Von Agnes Fazekas 

In der israelischen Gemeinde Beth El spricht man in der dritten Generation Schwäbisch. Ein Besuch in dem christlichen Kibbuz.

Carl aus Kanada ist dem Ruf von Beth El  gefolgt. Er singt mit den alten Damen das Gotteslob – auf Deutsch. Foto:  
Carl aus Kanada ist dem Ruf von Beth El gefolgt. Er singt mit den alten Damen das Gotteslob – auf Deutsch. Foto:  

Korntal-Münchingen/Jerusalem - Dass nun sogar Hollywood-Stars in Beth El einkaufen, ist ihm peinlich. „Wir wollen mit diesen Leuten nicht in Verbindung gebracht werden“, sagt Jehuda Fehlauer. Dass man ihnen trotzdem den letzten Schrei in Sachen Sicherheit verkauft, ist ein Kompromiss im Namen einer höheren Mission. Mit dem hellen Teint, dem blonden Scheitel, der zarten Statur wirkt der 38-Jährige etwas kontrastarm in der Mittelmeersonne Israels, scheint fast über dem Boden zu schweben: der perfekte PR-Mann für einen Betrieb, der den Erfolg in Gottes Hand legt.

Die Fabrik steht am Rand des Städtchens Zichron Yaakov, dort leuchtet auf grauem Putz ein Regenbogen, durch den eine Arche fährt, das Logo von Beth El Industries – und somit von 900 bibeltreuen Deutschen. Man kann sie für Spinner halten oder für Sektierer. Aber sie sind auch ein schwäbisches Erfolgsmodell: Weltmarktführer mit Exporten in 71 Länder bis nach Korea.

Der Verkaufsschlager ist auf den ersten Blick ein Wandschrank, wie er in jedem Einrichtungshaus zu finden ist. Seine Besonderheit: er lässt sich zu einem transparenten Zelt ausziehen. Zum Schutzraum für eine Großfamilie zwischen Plastikfolie und Eiche rustikal oder Kiefer weiß. Ein ausgeklügeltes Filtersystem gewährleistet, dass man darin atmen kann, während draußen die Welt untergeht. Es hält Giftgase auch aus Bunkern oder Panzern fern, spendet gleichzeitig saubere Luft. Das israelische Verteidigungsministerium und die Nato kaufen bei Beth El ein, die Schwaben wappnen Krankenhäuser, Schulen und Privathaushalte für den Ernstfall.

Steine auf die Eindringlinge

Es war keine Geschäftsidee, es war ein Rettungsplan, der die Christen nach Israel führte. Emma Berger aus Korntal, Röntgenschwester im Zweiten Weltkrieg, saß der Tod schon im Genick, als sie Gott versprach, bibeltreu zu leben – wenn er sie denn ließe. Die Strahlen hatten ihr die Leber zerfressen. Im Buch Moses las sie: „Wer Israel segnet, sei gesegnet.“ Dem Propheten Sacharja entnahm sie, dass auch eine kleine Gruppe von „Gojim“, Nichtjuden, bewahrt werde, die friedlich unter dem auserwählten Volk lebt.

Sie sammelte Spenden und wanderte Ende der 50er Jahre mit ihrem Bibelkreis nach Israel aus. Dort lebten sie zunächst von der Landwirtschaft, buken Brot. Sie hielten sich an ihre Prämisse, nicht mit ansässigen Firmen zu konkurrieren, nichts herzustellen, was es im Land schon gab – es sei denn zum Eigengebrauch. Trotzdem warf man Steine auf die Eindringlinge, hielt sie für Missionare, Nazis oder beides zugleich. Die Schwaben schotteten sich ab.

Bei Jeremia las Emma Berger: „Denn der Tod ist durch unsere Fenster gestiegen.“ Das passte gut zu ihrer Vision: Sie hatte von einem Kästchen geträumt, von dem sie glaubte, dass es Gase eines ABC-Angriffs neutralisieren könne. Ein Apparat, aus dem Luft strömt, die nicht nach Tod schmeckt. In Bunkern war man damals zwar sicher, aber nach Stunden erstickte man qualvoll.




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