Schwabenlandhalle in Fellbach Wenig Chancen für große Oper in Fellbach

Von Dirk Herrmann 

Kulturinteressierte Bürger schlagen die Schwabenlandhalle als Opernhaus vor. Verantwortliche räumen dem Vorschlag geringe Chancen ein.

Eine Operninszenierung in der Schwabenlandhalle: „Der Barbier von Sevilla“ im Februar 2011 Foto: Kulturamt
Eine Operninszenierung in der Schwabenlandhalle: „Der Barbier von Sevilla“ im Februar 2011 Foto: Kulturamt

Fellbach - Die Idee hat durchaus einen gewissen Charme: Seit Monaten diskutieren alle möglichen Kulturverantwortlichen in Stuttgart, wo denn das Interimsquartier sein könnte, das während der möglicherweise bis zu 300 Millionen Euro teuren Generalsanierung des Opernhauses benötigt wird. Während kürzlich Stuttgarts OB Fritz Kuhn drei Varianten aus dem Hut zauberte, gibt es nun einen weiteren Vorschlag: Warum nicht nach Fellbach ausweichen, ins Kultur- und Kongresszentrum Schwabenlandhalle?

Die Oper ist so wichtig wie Daimler

Das hätte schon was: Alle paar Wochen eine Premiere der Sonderklasse, die Musiktheaterfans aus dem ganzen Südwesten und Edelfedern der bundesdeutschen Feuilletons ins vordere Remstal lockt! Sensationelle Vokalkunst, zu erleben auf der Bühne des Hölderlinsaals! Sicher würde auch Politprominenz gen Fellbach pilgern, nachdem der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann kürzlich in einem Interview im Mantelteil unserer Zeitung erklärt hatte: „Die Oper ist so wichtig wie Daimler.“

Diese Alternative zumindest als Gedankenspiel in die Diskussion gebracht hat der frühere Fellbacher und mittlerweile in Stuttgart lebende Holger Hendel. Er ist bekannt unter anderem durch seinen Vorsitz im deutsch-irischen Freundeskreis in der Landeshauptstadt und hat als kulturell interessierter Mensch schon öfter Veranstaltungen in Fellbachs Vorzeigehalle besucht.

Preisgünstige und verkehrsgünstige Alternative

In einem kürzlich in der Stuttgarter Zeitung veröffentlichten Leserbrief fordert er bereits in der Rubrik: „Auf nach Fellbach!“ Und schiebt nach: „Weshalb kam eigentlich noch niemand auf die Idee, einfach bei den Betreibern der Schwabenlandhalle anzufragen?“ Auf Nachfrage erläutert er ergänzend am Telefon, dass die Fellbacher Halle „eine preisgünstige und verkehrsgünstige Alternative“ und außerdem per Stadtbahn auch aus Stuttgart bequem zu erreichen wäre. Zwar biete sie etwas weniger Zuschauern Platz, auch wisse er, dass die Bühne für Großproduktionen nicht geeignet sei. „Aber so klein ist sie auch wieder nicht“, und „in diesem Fall müsste die Staatsoper halt zwei, drei Jahre auf ein paar Stücke verzichten“. Weil Stuttgart trotz gewisser Eilbedürftigkeit „nicht zu Potte kommt“, käme Fellbach doch wie gerufen: „Da man ohnehin mehr Publikum auch aus der Region anziehen möchte, ließen sich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen.“

Er halte seinen Vorschlag jedenfalls „für nicht so völlig abwegig“. Das sehen auch von unserer Redaktion befragte Verantwortliche so. Denn die Schwabenlandhalle hat sich durchaus immer wieder als Aufführungsort für Opern bewährt, wie Fellbachs Kulturamtsleiterin Christa Linsenmaier-Wolf bestätigt. Und wenn Opern oder Ballette hier gastierten, dann würden diese „ausschließlich mit Orchester“ gebucht. Dauerhaft Musiktheater in Fellbach, „das wäre natürlich ein Gewinn für die Stadt“, sagt Linsenmaier-Wolf. Einerseits.

Letztendlich doch nur eine Illusion

Andererseits: In den Orchestergraben passen 40 bis 50 Musiker. Das wäre ebenso wenig ausreichend wie die Bühne. Eine Oper der Stuttgarter Kategorie agiere „mit Riesenbühnenbildern, mit allen Schikanen“, sagt Linsenmaier-Wolf. „Wir sind in dem Sinne kein Opernhaus.“ Bedingungen, wie sie in Fellbach vorzufinden seien, „würde Stuttgart nicht akzeptieren“. Mal abgesehen davon, dass dann ja alle kulturellen oder kommerziellen Termine oder Tagungen ausfallen würden. Ihr Fazit: „Das ist gut gemeint, aber letztlich illusorisch.“

Ähnlich sieht es der Direktor der Schwabenlandhalle, Jens Mohrmann. „Eine derartige Anfrage würde uns sehr ehren“, sagt er. Allerdings sei schon fraglich, ob die hiesige Bühnentechnik den Ansprüchen und dem Anforderungsprofil des Staatstheaters genüge. Zudem gebe es in der Halle ja bereits „ein umfangreiches Mieteangebot durch unser Kulturamt“ – was werde dann aus dem? Und aus jenen Kongressen, Kunsthandwerkermessen oder politischen Veranstaltungen wie kürzlich dem FDP-Landesparteitag? Mal abgesehen davon, dass die Tendenz in Stuttgart absehbar sei, einen Interimsstandort auf eigener Gemarkung zu finden. Letztlich sei klar: „Die Schwabenlandhalle hat viele Vorzüge, aber wir sind eben kein Opernhaus.“