Schwäbisch-alemannische Fasnet Die Narren im Kreis Esslingen laufen sich warm

Die Belzabuaba in Sielmingen sind bei der Narrentaufe nicht zimperlich. Foto: SDMG//Krytzner

Mit wilden Taufen und Häsabstauben melden sich die Narren im Kreis zurück. Wo wird diese Woche eigentlich schon gefeiert?

Region: Corinna Meinke (com)

Die Altbacher Narren können es einfach nicht erwarten. Schon einen Tag vor dem traditionellen Beginn wollen sie es am Donnerstag, 5. Januar, in der Gemeindehalle endlich mal wieder so richtig krachen lassen. Um 18.30 Uhr steigt dort die „Mega Hallenfasnet“, bei der bis 2.30 Uhr getanzt, gefeiert und gesungen wird. Und weil die Altbacher „Neck’r Hexa ond Deifl“ die alte Regel brechen, wonach die schwäbisch-alamannische Fasnet erst am Dreikönigstag beginnt, dürfen sie nur ohne Häs in die Halle.

 

Das wird der Partystimmung der bis zu 450 Gäste bestimmt nichts anhaben können, ist sich der erste Vorsitzende Kevin Mayer sicher. Bei freiem Eintritt und ohne Eintrittsband sei mit einem ständigem Kommen und Gehen zu rechnen. Und damit es beim Fasnetsauftakt im Kreis Esslingen nicht zu voll wird, sorgen Sicherheitsleute für einen geregelten Ablauf. Erst um Mitternacht, wenn der Nachwuchs zur Narrentaufe antritt, werden sich die beiden Vorstandsmitglieder Häs und Maske überstreifen.

Auch die Tälesnarren machen was los

Ähnlich eilig haben es auch die Burghexa und die Wengertdeifel aus Neuffen. Die Tälesnarren, die erst 2008 ihre 1. Neuffener Narrenzunft gründeten, laden ebenfalls am Donnerstag, 5. Januar, zum Bruch mit der Tradition ein. Um 18.01 Uhr läuten sie die fünfte Jahreszeit mit der öffentlichen Narrentaufe vor der Marktscheune ein, und gleichzeitig findet dort mit dem Häsabstauben auch gleich noch der Häs-TÜV statt, bei dem geprüft wird, ob das Gewand so gut in Schuss ist, dass es in der Öffentlichkeit getragen werden darf. Und dann geht es Schlag auf Schlag.

„Deiflische Höllenqualen“ drohen die Kirchheimer Kloster-Deifel ihrem Nachwuchs an, der pünktlich am Dreikönigstag, am 6. Januar, um 14.14 Uhr auf dem Marktplatz getauft werden soll. Ähnlich archaisch sind auch die Bräuche bei den Sielminger Narren. Wer ein echter Belzabuab oder eine Sichel-Hex werden will, sollte nicht zimperlich sein und sich beherzt von den altgedienten Narren in den Bottich tunken lassen. Gelegenheit bietet sich dazu am Freitag, 6. Januar, um 15 Uhr auf dem Rathausplatz in Filderstadt-Sielmingen. Und wenn die Sielminger Narren schon mal in Fahrt sind, reißen sie auch gleich noch im Handstreich die Herrschaft im Rathaus an sich, bevor am Samstag, 7. Januar, die Narrenparty mit DJ Nico D’Andrea steigt. Andernorts wartet man mit dem Rathaussturm meistens wenigstens bis zum Schmotzigen Donnerstag, der diesmal auf den 16. Februar fällt.

Auf dem Schurwald steigt die Party am Samstag

Ein sehr beliebter Brauch ist auch das Häsabstauben, weil sich dann alle Narren in ihren Zünften auf die hohe Zeit der Fasnet einschwören und ihre Gemeinschaft bekräftigen. Oft wird das hinter verschlossenen Türen gemacht – mit den besagten Ausnahmen. Abgestaubt wird das Häs beispielsweise auch bei den Waldhäusle Hexa in Esslingen-Sirnau und bei den Wernauer Narren, bei denen allerdings unter Ausschluss der Öffentlichkeit. So ist es auch bei den Kolbahexa in Baltmannsweiler Brauch, berichtet Sprecher Pascal Greco. Seine Zunft läutet die öffentliche Fasnet auf dem Schurwald am Samstag, 7. Januar mit dem Fasnetsopening ein. Und wen nicht gerade der DJ am Pult steht, werden die Sau-Glogg-Gugga aus Köngen den Gästen einheizen, während Greco den Abend mit dem Fasnetserwecken und all seinen Hexentänzen moderiert.

Die Party steigt diesmal im Kulturzentrum Baltmannsweiler um 19.31 Uhr. Weil dort mit 450 Gästen weniger närrisches Volk in der Sporthalle feiern kann als in den Vor-Corona-Jahren, haben die Kolbahexa eine Auswahl an Zünften direkt eingeladen. Für die Narren in Baltmannsweiler ist der frühe Termin im Januar eine Ausnahme, normalerweise wird die Fasnet dort erst am Freitag nach Dreikönig eröffnet.

Beim Narren- und Guggenspektakel werden sich wieder zahlreiche Gruppen aus dem Kreis tummeln. Eingeladen sind beispielsweise die Plochinger Waldhornhexa, die Staffelsteiger Weingeister, die Berkheimer Erlenwölfe, Höllahupfer und Rombelesweibla, alle aus Esslingen genauso wie die KG Esslingen Zwieblingen.

Neuhausen stellt am 14. Januar den Narrenbaum auf

Der Narrenbund Neuhausen mit seinen zahlreichen Figuren zählt auch zu den geladenen Gästen. All die Schindluder, Bierwecken, Wildsäu, Egelseegeister, Gräbler, Schellenpeter, Hexe, Rotenhäne, Wappenlöwen, Fleinsbachbiber, Mooscht-Mala, Sauhag-Eichele, Bossa-Schof – und wie sie alle heißen – können sich dort schon mal warm tanzen für das Narrenbaumaufstellen mit Guggenmusik am 14. Januar, um 15 Uhr auf dem Schlossplatz mit anschließender Fasnet in Vereinsheim und Wirtschaften.

Die schwäbisch-alemannische Fasnet

Tradition
Die schwäbisch-alemannische Fasnet beginnt üblicherweise am Dreikönigstag, dem 6. Januar. Dann dürfen die Maskengruppen beim sogenannten Häsabstauben ihre Masken und Kleidung aus dem Schrank nehmen. Das ist für die Narrengruppen ein großer Augenblick. Die Maskengruppen in der schwäbisch-alemannischen Fasnet tragen in den meisten Zünften Holzmasken, die spezialisierte Schnitzer herstellen.

Kulturerbe
Der Narrenbund aus der Fasnetshochburg Neuhausen zählt zu den Zünften der schwäbisch-alemannischen Fasnet, die seit 2014 in das Nationale Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes der Deutschen UNESCO-Kommission eingetragen wurde. Der NBN ist seit 2020 dabei, und musste dafür strenge Kriterien erfüllen. In der Fildergemeinde gibt es mehr als 1000 aktive Hästräger. Ein über drei Jahre angelegtes Forschungsprojekt, das vom Land Baden-Württemberg unterstützt wird, untersucht seit 2021 die Auswirkungen der Eintragung in der kulturellen Praxis für die Narrenzünfte im Land.

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