Wer in die Natur abtauchen und den Schwäbischen Wald in seiner Vielfalt erleben will, dem bieten sich die Feenspuren an. Sieben solcher als Premiumwege mit dem Deutschen Wandersiegel ausgezeichneten Rundtouren gibt es, von Spazierweglänge bis hin zur 13-Kilometer-Wanderung. Wer könnte das Angebot besser vorstellen als die Schwäbische Waldfee.
Wo sie auftaucht, zieht sie die Menschen an, wie an diesem Morgen auf dem Wanderparkplatz Sohl bei Rudersberg. In ihrem grünen Kleid wird Michelle Fuchs sofort als die amtierende Botschafterin des Schwäbischen Waldes von einer Wandergruppe erkannt und umringt. Vor allem auf Kinder und ältere Herren wirke die Anziehungskraft, verrät sie. Seit 2013 kürt die Tourismusgemeinschaft, der 19 Kommunen und der Rems-Murr-Kreis angeschlossen sind, jährlich eine neue Waldfee. Zu den Auswahlkriterien gehören Verbundenheit zur Natur und im Besonderen zum Schwäbischen Wald.
Feenspuren zweigen auf schmale Pfade ab
Dass Michelle Fuchs ein Kind des Schwäbischen Waldes ist, zeigt sich schnell, wenn man sich mit ihr auf Feenspuren begibt. Geeignete Wanderkleidung ist das grüne Kleid nicht, privat würde die junge Frau aus Kaisersbach sicher Zweckmäßigeres tragen. Dennoch überwindet sie galant Wurzeln, Bachläufe und Waldesdickicht. „Das ist halt Schwäbischer Wald“, kommentiert sie mit einem Lächeln, wenn sich ihre grüne Robe doch einmal in Brombeerranken verfängt.
Natürlichkeit ist nicht nur ein Auswahlkriterium für Waldfeen, sondern auch für die Feenspuren, die als Premiumwege möglichst naturbelassen sein müssen, wie Michelle Fuchs erklärt. Trittsicher sollte man sein. Als Einstiegstour empfiehlt sich der „Waldzauber“. Die gut vier Kilometer Länge mit knapp 80 Höhenmetern rauf und runter, die gemeistert werden müssen, schaffen auch Kinder. Zumal man aus dem Suchen des nächsten Wegschildes mit lila Feensymbol „ein cooles Spiel“ machen könne, so der Motivationstipp. Eine Wanderkarte ist nicht nötig, offene Augen schon. Denn wer im Waldesidyll zu sehr ins Träumen gerät, kann schnell verpassen, wenn die Feenspuren von breiten Wirtschaftswegen immer mal wieder auf schmale Pfade abzweigen.
Rasch nimmt einen der „Waldzauber“ gefangen. Der Verkehrslärm der Landesstraße zwischen Rudersberg und Rettichkreisel ist bald nicht mehr zu hören. Stattdessen umgibt einen akustisch nur das Rauschen des Blätterdachs. Neben Nacktschnecken, die wie orangefarbene Leuchtpunkte auf den schattigen Pfaden wirken, wird man von metallisch-blau-schimmernden Prachtlibellen umflogen, kann Blindschleichen auf den Wegen durch Streuobstwiesen entdecken und mit viel Glück am Buchenbach-Ursprung auch Feuersalamander.
Wer die vom Schwäbischen Wald Tourismus empfohlene Laufrichtung wählt, folgt der Beschilderung gleich am Anfang des Wanderparkplatzes Sohl und wird nach einer kurzen ersten Waldpassage über weite Streuobstwiesen geleitet. „Rudersberg ist eine der Gemeinden mit den größten zusammenhängenden Streuobstwiesen in ganz Deutschland“, sagt die Waldfee. Dabei hat Michelle Fuchs, die BWL Food Management studiert, noch einen Tipp parat: „Bei Direktvermarktern gibt es Produkte davon zu kaufen.“ Wer die erste sanfte Steigung geschafft hat, wird unterhalb des Königsbronnhofs mit einem weiten Ausblick auf die Kaiserberge der Schwäbischen Alb belohnt. Vom Hohenstaufenblick aus sind sie allerdings zwischen hochgewachsenen Bäumen nur noch schwer auszumachen. Weitaus besser ist die Sicht einige Meter weiter.
Von den sonnigen Wiesen taucht man wenig später für die übrigen Kilometer wieder in den Wald ein, wo einen weitere Attraktionen erwarten, allen voran der Zauberweiher. Wahrlich verwunschen wirkt der kleine, mattgrün im lichten Halbschatten schimmernde Tümpel, auf dessen glatter Wasseroberfläche gelbblühende Seerosen schwimmen und sich Bäume spiegeln.
Gut verweilen, um sich mit einem Rucksackvesper zu stärken, lässt sich auch am Buchenbach-Ursprung kurz darauf. Auf einer für Groß und Klein leicht verständlichen Infotafel erfährt man Wissenswertes über das kleine Gewässer, etwa, dass es einst auf seinem 25 Kilometern langen Lauf über Berglen und Winnenden bis zur Mündung in die Murr acht Mühlen angetrieben hat. Weitere Infos über Landschaft und Historie gibt es an der Feenbank am Pionierweg, unter anderem, wie der Weg zu seinem Namen kam. Nämlich durch eine Fallschirm-Pionierkompanie, die ihn zu Übungszwecken 1968 während des Kalten Krieges im unwegsamen von Klingen und Tobeln durchzogenen Gelände des Schwäbischen Waldes angelegt hat.
Ein „Aushängeschild“ des Schwäbischen Waldes
Doch auch abseits solcher Highlights wird der Weg nie langweilig. „Dafür sorgt der Mischwald, mit einem schönen Landschaftswechsel von dunklen zu hellen Abschnitten“, sagt Michelle Fuchs und streift mal durch lichte von hohen Buchen und Eichen geprägte und mal durch dicht mit jungen Tannen, Farnen und Brombeersträuchern bewachsene Waldesteile. „Die Feenspuren sind das Aushängeschild des Schwäbischen Waldes, auf ihnen ist das Beste des Schwäbischen Waldes zu finden.“ Damit verspricht die Waldfee nicht zu viel.
Der Weg zu den Feenspuren
Anfahrt
Der Parkplatz Sohl liegt an der Landesstraße zwischen Rettichkreisel und Rudersberg. Seine genaue Lage ist für die Anreise mit dem Auto auf der Feenspuren-Homepage verlinkt. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist er direkt nicht zu erreichen. Alternativ kann man vom Parkplatz Gabrain an der Landesstraße zwischen Berglen-Öschelbronn und Rettich Kreisel zur Feenspur „Waldzauber“ starten.
Gastronomie
Auf der Strecke gibt es keine Einkehrmöglichkeiten. Wer unterwegs eine Stärkung braucht, sollte sich ein Rucksackvesper einpacken. Infos zu Gastronomen in Rudersberg für eine Einkehr gibt es per QR-Code auf einer Tafel am Parkplatz Sohl.