Schwäbischer Wald Wie das Holz zum König kam

Förster Kilian Knötzele  (Zweiter von links) veranschaulicht mit Schaubildern, wie das Holz einst auf dem Flüsschen Wieslauf abtransportiert wurde. Foto: Gottfried Stoppe/l
Förster Kilian Knötzele (Zweiter von links) veranschaulicht mit Schaubildern, wie das Holz einst auf dem Flüsschen Wieslauf abtransportiert wurde. Foto: Gottfried Stoppe/l

Der Brennholzbedarf der Schlösser in Stuttgart und Ludwigsburg war enorm – und wurde aus dem schwäbischen Wald gedeckt. Wie hart die Bauern dafür schuften mussten, zeigt ein Rundgang beim Tag des schwäbischen Waldes.

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Welzheim - Selbstbewusst und stolz steht der Mann auf dem Stamm, den er mit einem langen Stab über den Fluss steuert. Doch Hansjörg Palms Flößerdenkmal an der Laufenmühle, sagt Förster Kilian Knötzele, weckt ein falsches Bild vom Dasein der Flößer im Schwäbischen Wald. Der Alltag habe hier anders ausgesehen – wenn auch nicht weniger gefährlich.

Im Schwäbischen Wald wurde anders geflößt als im Schwarzwald

Gut 20 Wanderer sind an diesem Morgen zum Parkplatz am Viadukt gekommen, um an der Wieslauf entlang zu wandern und dabei in die Heimatgeschichte einzutauchen. Knötzele hat seine Bachelorarbeit über die Geschichte des Flößens im Schwäbischen Wald geschrieben.

Während man im Schwarzwald auf sogenannte Langflöße setzte, schlug man an Rems und Wieslauf das Holz in kleinere Stücke, warf sie ins Wasser und fischte sie später am Ziel mit Hilfe von großen Rechen wieder heraus. Diese sogenannte Trift war die einfachste Form des Flößens. Die Waldbauern brachten das Holz den Winter über zu einem Sammelplatz, wo sie im Auftrag des Herzogs auch gleich bezahlt wurden. Fortan war es Sache der herzoglichen Verwaltung, den Holzdiebstahl zu verhindern. Im Frühjahr, wenn das Schmelzwasser die Flüsse steigen ließ, wurde das Holz abtransportiert. Sogenannte Stiefelknechte sorgten entlang der Flüsse dafür, dass das Holz nicht stecken blieb. Ausgestattet mit Lederstiefeln, die bis über die Oberschenkel reichten, lenkten sie das treibende Holz um Hindernisse herum. „Mensch und Tier wurde damals viel abverlangt“, sagt Knötzele, „Verletzungen, teils mit Todesfolge, waren während Holzernte und Trift an der Tagesordnung.“

Der Herzog forderte Nachschub an

Zwar sei schon im Jahr 1627 auf der Rems Holz transportiert worden. Zumindest fand Knötzele Beschwerden von Müllern, deren Mühlräder beschädigt worden waren. Doch so richtig in Gang kam die Flößerei hier in der Region erst nach einem Befehl von ganz oben. Es war Herzog Eberhard Ludwig, der im Jahr 1715 den Forstmeister von Gaisberg in Schorndorf höchstpersönlich aufforderte, die Rems und die Wieslauf auszubauen und alle Hindernisse zu beseitigen, damit man künftig das Holz aus den Wäldern um Urbach und Plüderhausen nutzen könne. Im Jahr 1734, sagt Knötzele, sei dann das erste Mal von der Laufenmühle an flussabwärts Holz getriftet worden. Schnell zeigte sich allerdings, dass die natürliche Wassermenge auf Dauer für den Transport nicht ausreichen würde.

So begann man von 1740 an den Ebnisee aufzustauen und die Wieslauf zu begradigen. Mit Schubkarren und Schaufeln habe man den Damm aufgebaut, sagt Knötzele. Es dauerte fünf Jahre, mehrfach soll der Damm gebrochen sein. Das Wasser aus dem See wurde über den Winter gestaut, und dann im Frühjahr zur Trift abgelassen. Die Flutwelle trug dann das unterhalb des Damms gelagerte Holz über die Wieslauf, Rems bis zum Neckar – von dort wurde es ja nach Bedarf entweder nach Ludwigsburg oder Stuttgart gebracht.

Der Holzbedarf der Schlösser in Stuttgart und Ludwigsburg war enorm

Das Wachstum der beiden Städte trieb den Bedarf an Feuerholz aus dem Schwäbischen Wald stetig in die Höhe. Zwischen 1726 und 1774 habe sich die Einwohnerzahl etwa in Ludwigsburg verfünffacht, sagt Knötzele. Auch Stuttgarts Bevölkerung wuchs bis zum Ende des Jahrhunderts enorm. Im Jahr 1798 verbrauchte Stuttgart mit seinen 18 467 Einwohnern mehr als 44 000 Festmeter Holz. Das meiste Holz verbrauchten dabei die herrschaftlichen Bauten und die Garnisonsgebäude.

Etwa 13 000 Festmeter wurden Knötzele zufolge jedes Frühjahr aus dem Schwäbischen Wald abtransportiert. Das sind mehr als 500 Lastwagen voll Holz – viel Material angesichts der schlechten Wege damals. Doch bald reichte der Nachschub aus dem Schwäbischen Wald nicht mehr aus. Zeitweise habe man deshalb sogar aus dem Limburger Land Holz über eine 26 Kilometer lange Schlittenstrecke vom Nestelberg herbei geschafft. Es ist die Remstaleisenbahn, die der Flößerei im Jahr 1861 ein Ende setzt. Ein Jahr später wird das letzte Holz auf Rems und Wieslauf transportiert. Den Blick zurück auf diese Zeit findet Knötzele spannend: „Es ist immer wieder lohnenswert, sich zu vergegenwärtigen, wie gut wir es heute haben.“

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