Schwimmkurse für Kinder in Stuttgart Hier steht ein Schwimmbad auf Rädern

In Vaihingen steht derzeit ein mobiles Schwimmbecken auf Rädern. Eine Schule in dem Stuttgarter Stadtbezirk hatte sich dafür beworben. Foto: Lichtgut/Zophia Ewska

Wenn nicht genügen Schwimmbäder und -zeiten für Kinder zur Verfügung stehen, dann kommt das Becken eben zu den Kindern – diese Vorstellung hat die Josef-Wund-Stiftung in die Tat umgesetzt. Derzeit steht ihr Schwimmbecken auf Rädern in Vaihingen.

Anna und Laura sind begeistert, als sie aus dem großen Hänger kommen, der derzeit auf dem Gelände der Freien element-i Grund- und Gemeinschaftsschule in Stuttgart-Vaihingen steht. Heute wurden Poolnudeln zerschnitten und das dabei entstandene bunte Konfetti an den Beckenrand geklebt. Alles schwimmend – und alles im Anhänger. Denn bei dem blauen Wagen handelt es sich um ein sogenanntes Schwimmmobil der Josef-Wund-Stiftung, in dem Kinder zwischen fünf und acht Jahren die „Grundkenntnisse des Schwimmens“ lernen sollen.

 

Im Container ist es mummelig warm. Es riecht nach Chlor, die Luftfeuchtigkeit ist hoch. 14 Meter lang, sechs Meter breit und 1,20 Meter tief ist das Becken. Die Innenwände sind mit Fischen, Ottern, Krebsen und anderen Wassertieren bemalt. Auf einer schmalen Ablage am Beckenrand liegen Bälle, Gießkannen und Schwimmhilfen. Eine Leiter hilft beim Ein- und Ausstieg. Auch eine Toilette und zwei Duschen gibt es in dem Anhänger. Weiter vorne in der Umkleide sorgen sechs Kleiderhaken für Ordnung, jedem Kind ist ein anderes Tier zugeordnet.

Bis Mitte Mai in Vaihingen

Das Schwimmmobil namens „Wundine on Wheels“ ist eine Antwort auf alarmierende Ergebnisse einer Forsa-Umfrage, die die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) in Auftrag gegeben hatte: 2022 verdoppelte sich die Zahl der Grundschulkinder in Deutschland, die nicht schwimmen konnten, im Vergleich zu 2017. Durch die Bank fehlten Schwimmkurse und -zeiten, sagt Günter Geyer, der Prokurist der Stiftung und bis vor Kurzem noch für das Projekt Schwimmmobil zuständig. Er bezieht sich damit auf ein weiteres Ergebnis der Forsa-Umfrage.

In Container gibt es für Kinder viel zu entdecken. Foto: Lichtgut/Zophia Ewska

Seit dem Herbst 2022 ist das Schwimmmobil deshalb jährlich an etwa sechs Standorten im Einsatz, bis 16. Mai steht es noch in Vaihingen. Die in dem Stuttgarter Stadtbezirk beheimatete Schüssler-Escher-Stiftung fördert speziell das dortige Projekt mit 20 000 Euro – weil „selbst in Großstadtnähe nicht überall die passende Infrastruktur vorhanden oder erreichbar ist“, sagt der Stiftungsvorstand Thomas Escher. Die Schule hatte sich als Standort für das Schwimmmobil beworben – wie viele andere auch. Von Beginn an sei die Nachfrage nach dem mobilen Schwimmbecken riesig gewesen, erinnert sich Geyer. „Werbung machen müssen wir nicht, im Gegenteil. Im Moment arbeiten wir unsere Warteliste noch ab“, sagt er.

Alle Kurse sind kostenlos

Ende April soll ein zweites Schwimmmobil hinzukommen, das im badischen Ötigheim in Betrieb gehen wird. Beide Anhänger seien aber bis Mitte 2025 ausgebucht, sagt Andreas Schaffer, der bei der Stiftung die Standorte koordiniert. Mobil Nummer drei sei deshalb schon beauftragt, der Auftrag für ein viertes werde noch in diesem Jahr gestellt werden, sagt Günter Geyer. Das Land Baden-Württemberg gebe hierfür Zuschüsse. Alle Kurse, die im Schwimmmobil angeboten werden, sind kostenlos. Das ist den Vertretern der Stiftung wichtig. „Wir wollen einen sozialen Beitrag leisten und alle erreichen“, sagt der frühere Projektleiter.

Und wie kommt man an einem Kurs? – „Immer über Schulen oder Kitas“, sagt Geyer. In Vaihingen lernen nicht nur die Kinder der Freien element-i Grund- und Gemeinschaftsschule schwimmen, auch das element-i Kinderhaus FrechDax in Stuttgart und weitere Schulen und Kitas aus der Landeshauptstadt haben sich für Schwimmstunden eingebucht. Sechs Kurse pro Tag à 1,5 Stunden finden in dem Anhänger in Vaihingen statt. Kein Wunder also, dass die nächsten Schwimmanfänger schon in den Startlöchern stehen, während Anna und Laura in Gedanken noch im Wasser sind.

Wasser als Leitelement der Stiftung

Josef Wund
Der Architekten und Unternehmer Josef Wund hat von Mitte der 1990er-Jahre an große Badeanlagen und Thermen gebaut. Dazu gehören unter anderem die Therme Erding, das Badeparadies Schwarzwald, die Thermen & Badewelt Sinsheim und die Therme Euskirchen. „Wasser steht deshalb als Leitmotiv über allen Projekten“, erläutert Günter Geyer.

Schwimmakademie
Die Wundine-Schwimmakademie gilt als Leuchtturmprojekt der Stiftung. Es besteht aus zwei Modulen – dem Schwimmmobil und der sogenannten „Wundine at School“. Die Stiftung stellt Schwimmlehrer bereit, die Sportlehrer an Schulen unterstützen sollen, um alle Schüler – unabhängig von ihrem Können – bestmöglich zu unterrichten. So können Nichtschwimmer von Schwimmern getrennt und in kleinen Gruppen gezielt gefördert werden.

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