Schwimmunterricht in den Kommunen Die Frage des Hallenbads

Schwimmunterricht: Die DLRG sieht eine kritische Situation. Foto: dpa/Rolf Vennenbernd

In einigen Kommunen in Leonberg und Umgebung gibt es große Probleme – in anderen wiederum ist alles wunderbar. Das Angebot steht und fällt oft mit den Wasserflächen.

Leonberg: Marius Venturini (mv)

Die Zahlen sind besser als noch vor fünf Jahren, allerdings noch immer alarmierend. In Baden-Württemberg kann im aktuellen Schuljahr jede fünfte Schule keinen Schwimmunterricht anbieten. So heißt es in der Antwort des Kultusministeriums auf eine Anfrage der Grünenfraktion im Landtag. Das heißt: An etwa 500 von insgesamt knapp 2400 Grundschulen und Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren findet in diesem Jahr kein Schwimmunterricht statt. „In den Schulen würde man alle Kinder erreichen, deswegen wäre es wichtig, dass da der Schwimmunterricht stattfindet“, kommentiert eine Sprecherin des DLRG-Landesverbands die Lage. Im Schuljahr 2018/19 hatte im Land noch jede vierte Grundschule angegeben, keinen Schwimmunterricht anbieten zu können.

 

Wie sieht die Situation in Leonberg und Umgebung aus? Es folgt ein Überblick ohne Anspruch auf Vollständigkeit, vertreten sind Kommunen mit und ohne eigene Hallenbäder – und mit ganz eigenen Problemen.

Leonberg

In der Kernstadt Leonberg und den Teilorten gibt es acht Grundschulen mit insgesamt etwa 1800 Kindern, von denen die Dritt- und Viertklässler Schwimmunterricht haben. „Der Stadt Leonberg ist es wichtig, dass alle Kinder im Grundschulalter die Fertigkeit des Schwimmens erlernen“, sagt Pressesprecher Sebastian Küster. Um das sicherzustellen, werde Schwimmen im Rahmen des Sportunterrichts im Hallenbad angeboten. „Für die Kinder aus den Teilorten Warmbronn, Höfingen und Gebersheim bietet die Stadt Leonberg einen Shuttleservice an.“ Die Kinder würden von der Schule abgeholt und zum Hallenbad und dann auch wieder zurück gefahren. „Neben dem Angebot im Rahmen des Sportunterrichts ermöglicht die Stadt Leonberg den Grundschulkindern der Klassen drei und vier aus sozial benachteiligten Familien kostenfreie Schwimmkurse“, fügt Sebastian Küster hinzu. Dieses Angebot finde in Zusammenarbeit mit den Wasserfreunden Leonberg statt. Rund 50 Kinder hätten es bislang durchlaufen.

Weil der Stadt

Auch in Weil der Stadt gibt es ein Hallenbad am Schulzentrum, das die Stadt betreibt. „Neben dem öffentlichen Badebetrieb und der Nutzung durch Vereine steht das Hallenbad allen örtlichen Schulen für Schwimmunterricht zur Verfügung“, antwortet Tanja Kübler, Leiterin des Amtes für Jugend und Soziales, auf die Anfrage unserer Zeitung. Alle Grundschulen nutzen das Bad. „Die fünf Grundschulen bieten den Schwimmunterricht in den Klassenstufen drei oder vier oder in beiden an“, so Kübler. „Insgesamt nehmen in diesem Schuljahr etwa 350 Grundschüler am Schulschwimmen teil.

Heimsheim

Ganz anders klingt da die Rückmeldung aus Heimsheim, wo es eine Grundschule mit pro Jahrgang 40 bis 70 Schülerinnen und Schülern gibt. „Das Lehrschwimmbad ist seit einigen Jahren geschlossen. Grund dafür waren Mängel in der Hygiene und im Brandschutz“, schreibt Stephanie Medynski, die in der Verwaltung der Schleglerstadt für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Darüber hinaus habe es Sanierungsbedarf gegeben. Mit dem Resultat: „Der Schwimmunterricht findet in einem kleinen Zeitfenster in Niefern-Öschelbronn statt, das aber bei weitem nicht ausreicht.“ Es gebe aber keine Alternativen. Das Lehrschwimmbad könne nicht mehr saniert werden, das hätten Untersuchungen ergeben. „Insofern hat die Stadt dieses Vorhaben aufgegeben. Für einen Neubau fehlen die finanziellen Mittel, zumal das Land Baden-Württemberg solche Vorhaben finanziell nicht unterstützt.“

Renningen

Seit vielen Jahren setzen sich viele Bürgerinnen und Bürger der Rankbachstadt für den Bau eines Lehrschwimmbads ein. Renningen verfügt bislang ausschließlich über ein Freibad. Eine Umfrage aus dem Jahr 2022, die nun ausgewertet ist, hat ergeben: Der Bedarf für ein Lehrschwimmbad ist offenbar so groß, man müsste es zum Teil sogar doppelt belegen, um der Nachfrage Herr zu werden. Konsequenz des fehlenden Bads: In Renningen wird Schwimmunterricht für die rund 700 Schülerinnen und Schüler der beiden Grundschulen (eine in der Kernstadt, eine in Malmsheim) während den Öffnungszeiten im städtischen Freibad angeboten. „Je nach Bedarf und Kapazität wird auf die umliegenden Hallenbäder ausgewichen“, gibt Alicia Paulus von der städtischen Pressestelle zu Protokoll. Auch Bürgermeister Wolfgang Faißt äußerte sich jüngst. „Das Land Baden-Württemberg hat Schwimmunterricht im Lehrplan für den Sportunterricht verankert, allerdings ohne hierfür Mittel für den Bau, für den Unterhalt und für erforderliche Sanierungen zur Verfügung zu stellen.“ Auch er verweist auf die Option Freibad und die Nutzung umliegender Hallenbäder für den Schulunterricht. Er bringt aber auch den Erziehungsauftrag der Eltern ins Spiel. „Wenn das bestehende Angebot durch deren private Initiative ergänzt wird, dann sollte es möglich sein, dass Kinder schwimmen lernen.“

Gerlingen

„In Gerlingen gestaltet sich die Situation rund um den Schwimmunterricht gut“, entgegnet Sofie Neumann vom Hauptamt der Stadt auf Anfrage unserer Zeitung. 687 Kinder besuchen in der Stadt aktuell die Grundschule – und ein Teil davon den Schwimmunterricht. Man stelle den Schulen und Vereinen viele Schwimmzeiten im Hallenbad zur Verfügung. Der Unterricht sei somit für beide Grundschulen möglich, Probleme gebe es aktuell keine. Und mehr noch: „Kürzlich ist unser Bad über den Landesverband der DLRG mit dem Prädikat ‚ausbildungsfreundliches Bad’ ausgezeichnet worden“, berichtet Sofie Neumann nicht ohne Stolz. In Gerlingen gibt es ergänzend zum Schulschwimmunterricht Schwimmkurse der Vereine.

Weitere Themen