Sebastian Bezzel im Interview Auf dem Land, da gibt’s Perverse

Sebastian Bezzel spielt am Donnerstag in der ARD-Krimikomödie  „Dampfnudelblues“ den Dorfpolizist Franz Eberhofer. Foto: ARD
Sebastian Bezzel spielt am Donnerstag in der ARD-Krimikomödie „Dampfnudelblues“ den Dorfpolizist Franz Eberhofer. Foto: ARD

Deftig, bayrisch, schwarzhumorig: Am Donnerstag spielt Sebastian Bezzel in der makabren ARD-Krimikomödie „Dampfnudelblues“ einen bayrischen Dorfsheriff. Im Interview spricht er über Regionalkrimis und den bayrischen Akzent.

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Stuttgart – - Die Zuschauer kennen ihn als Kommissar Kai Perlmann aus dem Konstanzer „Tatort“: Seit neun Jahren spielt Sebastian Bezzel den Assistenten der von Eva Mattes verkörperten Ermittlerin Klara Blum. Jetzt wird Bezzel selber Chefermittler. In den Verfilmungen der Regionalkrimis von Rita Falk spielt er den Dorfpolizisten Franz Eberhofer, der mit kiffendem Vater und schwerhöriger Oma in einer schrägen Familien-WG lebt und verzwickte Mordfälle lösen muss.
Herr Bezzel, Sie spielen jetzt einen Dorfpolizisten. Müssen Sie dafür Ihren Job als Kommissar im „Tatort“ aufgeben?
Nein, die beiden Ermittler sind so unterschiedliche Typen, dass sie sich nicht behindern. Das sieht auch die ARD so. Gott sei Dank, denn ich mache den „Tatort“ sehr gerne, was stark an Eva Mattes als Kommissarin liegt, die eine liebe Freundin und tolle Kollegin ist. Mit den letzten Drehbüchern war ich persönlich nicht so glücklich, aber das schaut in Zukunft wieder anders aus.
Was hat Sie an den Geschichten gestört?
Eine der Stärken unseres „Tatorts“ ist das Zusammenspiel von Eva Mattes und mir, aber da ist etwas auf der Strecke geblieben. Weil die Handlungsstränge so auseinander gingen, habe ich Eva kaum noch am Set gesehen, und ich freue mich, wenn wir wieder mehr gemeinsame Szenen haben.
Die Autorin Rita Falk sagte, dass sie beim Schreiben der Eberhofer-Krimis an Sie als Idealbesetzung dachte. Dabei ist dieser Dorfsheriff doch ein ganz anderer Typ als der schnöselige Konstanzer Kommissar . . .
Den Perlmann mag Rita Falk nicht sehr, glaube ich. Aber ich habe viele bayerische Filme gedreht, die ins Satirische, Schwärzere gehen. Das schaut Rita gerne, und wohl deshalb hat sie mich in der Figur des Dorfpolizisten Franz Eberhofer gesehen. Sie hat uns auch ab und zu am Set besucht, aber sie hat mir nie reingeredet und Druck aufgebaut von wegen: „Du bist meine Traumbesetzung, jetzt versau das nicht.“
Kannten Sie die Bestseller um den bayerischen Provinzermittler schon vorher?
Nein. Erst als ich mich auf die Rolle vorbereitet habe, wurde mir klar, dass die Bücher Kult sind. Dann habe ich aber erst recht keinen der Romane gelesen, damit ich meinen eigenen Eberhofer entwickeln kann. Am letzten Drehtag des „Dampfnudelblues“ wurde ich von einem Fahrer des SWR abgeholt und zum Dreh des nächsten „Tatorts“ gefahren, da hab ich mir im Auto ein Bier aufgemacht und angefangen, den ersten Eberhofer-Krimi zu lesen. Inzwischen habe ich alle gelesen und finde sie toll.
Es geht im Film deftig zur Sache. Rechnen Sie mit einem Proteststurm der Zuschauer?
Das wäre doch keine schlechte PR, oder? Der Film hat viel schwarzen Humor. Und er ist auch nicht nur lustig, sondern hat einige traurige Geschichten um ein paar vereinsamte Figuren wie das Mordopfer mit seinen heimlich ausgelebten sexuellen Perversionen – und das wird mit einer gewissen Schonungslosigkeit erzählt.
Kann man im bayerischen Dialekt derbe Sachen leichter sagen als auf Hochdeutsch?
Nicht nur im Bayerischen. Jeder Dialekt, auch der schwäbische, macht es leichter, die Wahrheit auszusprechen.
Sie stammen aus Garmisch-Partenkirchen Sprechen Sie selbst viel Dialekt?
Das kommt immer auf mein jeweiliges Umfeld an. Ich lebe in Hamburg, da rede ich natürlich nicht so viel Bayerisch wie in der alten Heimat. Aber meine Frau mahnt an, ich soll wieder mehr Bayerisch reden, damit unsere Kinder das mitkriegen und ein Gehör dafür entwickeln. Und sie hat Recht.
Wie bewerten Sie die oft gescholtene Flut der Regionalkrimis im Fernsehen?
Ich finde es falsch, sich bei Regionalkrimis an Genreklischees abzuarbeiten. Misthaufen, lustiger Biertrinker, fertig. Man braucht ein gutes Drehbuch mit einer stimmigen Geschichte und guten Figuren – nur dann wird es auch ein guter Film.
Kommt das Landleben im „Dampfnudelblues“ denn realistisch rüber?
Unbedingt. Wir verzichten ganz auf Oberbayern-Klischees, auf Gamsbart, Berge, resch gefüllte Dirndl, das gibt es in unserem Film nicht – er spielt ja aber auch in Niederbayern. Wobei ich sagen muss, dass natürlich nicht jedes Klischee unwahr ist, etwa das mit der Kneipe als einzigem Treffpunkt weit und breit. Aus meiner Zeit in Garmisch kenne ich schräge Typen, die würden bei „Dampfnudelblues“ gut in die Dorfwirtschaft passen . . .
Als Franz Eberhofer verputzen Sie im Büro täglich drei Leberkäswecken. Das ist aber nicht realistisch, oder?
Klar, das ist literarische Überhöhung. In meiner Schulzeit und beim Zivildienst hab ich ab und zu drei Stück geschafft. Heute sind zwei das Maximum.




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