Sechs Madonna-Momente für die Ewigkeit Madonna und wir

Von unserer Redaktion 

Madonna hat uns beim Erwachsenwerden begleitet, hat uns das Tanzen beigebracht, uns verraten, wie man richtig guten Sex hat und wie man in Schönheit altert. Ach ja, und dann war da noch dieser Kuss. Zum 60. Geburtstag der Pop-Ikone am 16. August kürt die Redaktion ihre sechs schönsten Madonna-Momente.

Sechs Episoden aus dem wilden Popleben von Madonna Louise Veronica Ciccone. Weitere Eindrücke aus der ereignisreichen Karriere Madonnas finden Sie in unserer Bildergalerie. Foto: Warner Music, AP 23 Bilder
Sechs Episoden aus dem wilden Popleben von Madonna Louise Veronica Ciccone. Weitere Eindrücke aus der ereignisreichen Karriere Madonnas finden Sie in unserer Bildergalerie. Foto: Warner Music, AP

Stuttgart - Madonna Louise Veronica Ciccone hat wie keine andere Frau die Popkultur geprägt. Die Redaktion kürt ihre wichtigsten Madonna-Momente.

Die Erfindung des Sex

1984 Natürlich werden Musikhistoriker widersprechen. Im Rock 'n' Roll und in der Popmusik ging es schließlich immer schon um Sex – bei Elvis und den Rolling Stones ebenso wie bei ­Jimi Hendrix. Trotzdem: Für alle, die in den 80ern in die Pubertät kamen, war Madonna die­jenige, die dem Pop mit „Like a Virgin“ beibrachte, wie man richtig guten Sex hat. Dieser Song und diese Frau, die sich auf der dazugehörenden Platte von 1984 mal als Boy Toy, mal als Mauerblümchen, mal als Material Girl inszenierte, waren eine erotische Offenbarung. Und dabei erwischt zu werden, wie man im Plattenladen seines Vertrauens heimlich dieses Album kaufte, fühlte sich etwa so an, wie beim Besuch eines Pornokinos ertappt zu werden. (gun)

Erwachsenwerden

1986 Es ist Sommer („La Isla Bonita“), die Augustsonne brennt auf die Autoroute du Soleil („White Heat“) und alle Fenster des alten Polos sind runtergekurbelt. Der erste Urlaub als Erwachsene! („Where’s the Party“) Man weiß nicht, was mehr glüht: die Kippen im übervollen Aschenbecher oder das eingebaute Kassettendeck darüber. Nonstop läuft Madonnas Album „True Blue“. Ja, es ist weichster Pop („Love makes the World go round“), ja es ist ein kommerzieller Supererfolg („True Blue“) – vor allem aber ist es: 90 Minuten Gefühl („Papa don’t preach“). Madonna, kurze Haare, auf einmal eine Frau und kein Mädchen mehr, schmilzt auf dem Cover dahin vor Liebe zu Sean Penn, ihrem Ehemann, dem sie das Album widmet, und wir schmelzen mit („Open your Heart“). (tja)

Come on, Vogue!

1990 Wenn man in den neunziger Jahren daheim ein paar Gäste hatte und diese um Mitternacht zum kollektiven Tanzen bringen wollte, musste man einfach nur „Vogue“ anspielen und auf laut stellen. Es fängt so harmlos an; hohe Streicher, ein Fingerschnipsen, dann die Bässe. Aber spätestens, wenn Madonnas supercoole Ansage kommt „Strike a pose!“ (das Kommando der Fotografen beim Shooting) und der volle Rhythmus einsetzt, stehen alle auf und wackeln möglichst sexy mit dem Hintern. Herrlich! „Vogue“ ist übrigens einer von Madonnas programmatischen Titeln: „It makes no difference if you’re black or white / If you’re a boy or girl / If the music’s pumping it will give you new life / You’re a superstar, yes, that’s what you are, you know it / Come on, VOGUE! (schl)

Sich etwas trauen

1993 Es waren stets die entscheidenden Takte des Abends. Zwei Zeilen, auf die wir alle warteten. Sie waren Erlösung und Erleichterung. „Life is a mystery, everyone must stand alone …“ Tanzen oder nicht? Trauen wir uns? Fragen, die die ersten Stunden des Discoabends in der Dorfturnhalle bestimmten. Bis kurz nach 21 Uhr stand ich wie Dutzende anderer Teeniemädels am Rand der Tanzfläche. Viel Zeit blieb nicht mehr. Dieses Lied musste noch kommen. Der Abend war nur ein guter, wenn Madonnas „Like a Prayer“ gespielt wurde. Mit den Anfangstakten war alles andere nebensächlich. Wir trauten uns. Wir tanzten. Wir sangen. Wir verstanden die Worte, die Bedeutung noch nicht, zumindest nicht gänzlich. Aber es war unser Gebet in der Dorfdisco. Und es kam so sicher wie das „Vater unser“ und der Kombi der Eltern kurz nach 22 Uhr, um drei Mädels leicht verschwitzt und rotwangig nach Hause zu kutschieren. (swd)

In Schönheit altern

2003 Den Hype um „Like a Virgin“ nie begriffen. Das langgezogene Viee-eee--giiiin“ nervte. Und dann das Zauselhaar und die Spitzenkla­motten­. Ihre Haare lagen bald deutlich besser. Auch klang sie irgendwann nicht mehr quietschig. „Deeper and Deeper“, „Frozen“, „Hung up“ schaffen es konstant auf jede Urlaubs­kompilation. Die besten Madonna-Momente aber sind mit Videos aus jüngerer Zeit verbunden. Je älter, desto schöner und cooler, weil selbst)ironiebegabt. Man sehe bitte „Beautiful Stranger“ (1998) mit Mike Myers. Oder „Hollywood“, wo sie mit Botoxspritzen hantierend sagt, Leute, auch bei mir zeigen sich Spuren der Zeit. Ein Song übrigens des „American Life“-Albums von 2003, als ihre Kritik am Irakkrieg sie einige Plattenverkäufe kostete. (golo)

Der Kuss des Jahrzehnts

2003 Das ist mehr als ein Bussi. Die Welt sieht die lasziv geöffneten Münder von Madonna und Britney Spears; und vor 15 Jahren reicht dieser Kuss bei den MTV-Awards für einen Skandal. Wäre Katy Perrys Welterfolg „I kissed a Girl“ 2008 ohne diesen Moment denkbar? Und würden sich heute so viele weibliche Popstars als bisexuell outen? „Like a Virgin“ – im scheinheiligsten aller Kleider, dem weißen Hochzeitskleid – war schon 1984 ein Aufreger, 2003 geht Madonna noch weiter: mit ihrer queeren Performance als Bräutigam, zu einer Zeit als noch kaum einer das Wort queer kennt. Niemand hat die süße Logik der Verbote so gut verstanden wie Madonna: Mutter, Herrin, Hure und Heilige. Sie weiß, die besten Geschichten erzählen einfach die Katholiken. (ema)