Ein neuer Secondhand-Shop mitten in der Stuttgarter Innenstadt, mitten im belebten Ausgehviertel: „Wir freuen uns sehr, dass wir diesen Standort bekommen haben“, sagt Ulrike Holch vom Freiwilligenzentrum der Caritas, Caleidoskop, das jetzt gemeinsam mit dem kirchlichen Hilfsprojekt Aktion Hoffnung die Secondhand- und Vintage-Boutique „Secontique“ in der Eberhardstraße 12 eröffnet hat. Hier sei man nah an der Stadtgesellschaft und erhofft sich viel Laufpublikum, das zum einen shoppt und/oder Kleidung abgibt, zum anderen in Kontakt mit dem Hilfsprojekt und den Freiwilligen kommt, die im Laden arbeiten. Je nach Lust und Eignung kommen bei der Sortierung der Kleidung, ihrer Aufbereitung, bei der Kundenberatung oder an der Kasse Ehrenämtler und Freiwillige aus dem Freiwilligenzentrum Caleidoskop zum Einsatz. Das kann zum Beispiel bei der Wiedereingliederung oder beim Neuanfang in Deutschland ohne sprachliche Vorkenntnisse helfen. Der Erlös aus dem Verkauf der Secondhand-Artikel geht dann wiederum an das Projekt Hoffnung, das weltweit nachhaltige Sozialprojekte organisiert. Zwei Fliegen mit einer Klappe sozusagen.
Gleichzeitig steht der Secondhand- und Vintage-Shop natürlich an sich schon für eine gute Sache: nachhaltige Mode. Auf den 220 Quadratmetern Ladenfläche, die sich auf zwei Stockwerke verteilen, werden sowohl Damen- als auch Herrenkleidung, Accessoires, Schuhe, Jacken und Mäntel verkauft, von XXS bis XXL. „Nur Unterwäsche und Pelze gibt es keine“, berichtet Regina Hagmann-Kuttruf von der Aktion Hoffnung. Preislich geht es bereits ab fünf Euro los. „Jede und jeder, egal wie groß der Geldbeutel ist, soll sich hier wohlfühlen und etwas Schönes leisten können“, findet sie. Dabei werden die Teile, die in den Verkauf der Secontique gehen, nach mehreren Kriterien ausgesucht: „Zum einen muss die Kleidung gut erhalten sein“, sagt Hagmann-Kuttruf, „zum anderen sollte sie auch modisch sein.“ Der Name des Ladens, der sich aus Secondhand und Boutique zusammensetzt, verrät es schon: Hier geht’s nicht nur um Kleidung aus zweiter Hand, was hier landet, sollte auch ein ästhetisches modisches Bedürfnis befriedigen.
Was den Ansprüchen der Secondhand-Boutique nicht genügt, kommt aber nicht in die Tonne, sondern wird Hilfseinrichtungen und Kleiderkammern oder – falls nicht mehr tragbar – dem Wiederverwertungskreislauf zugeführt. „Uns ist wichtig, dass nur Kleidung noch aus- und weitergegeben wird, die gut erhalten ist. Denn Kleidung hat auch etwas mit der Würde des Menschen zu tun“, erklärt Anton Vaas vom Projekt Hoffnung. Kleidung kann helfen, die eigene Mittellosigkeit zu verdecken und nicht offen vortragen zu müssen; sie kann helfen, sich in die Gesellschaft zu integrieren. Wer genötigt wird, mit schlechter Kleidung auszukommen, dem wird auch ein Stück Würde genommen. Deswegen wird abgetragene oder beschädigte Kleidung aussortiert und kommt weder in die Secondhand-Boutique noch zu anderen Hilfsprojekten oder Kleiderkammern. „Aus Nachhaltigkeitsgründen wird die Kleidung aber nicht weggeschmissen oder verbrannt, sondern einem Wiederverwertungskreislauf zugeführt“, erklärt Vaas.
Im Obergeschoss wird ein Teil des Raumes von einer offenen Sortier- und Bügelstation eingenommen, sodass auch die Freiwilligen, die die Kleidung sortieren und zum Verkauf aufbereiten, in Kontakt mit der Kundschaft kommen und andersrum. „Man darf ruhig sehen, welche Arbeit dahinter steckt“, sagt Ulrike Holch. Sie ist immer noch begeistert, wie viele Renovierungsarbeiten das Team innerhalb eines Monats bis zur Eröffnung geschafft hat. „Wir haben die Böden neu gemacht, die Wände neu verputzt, teilweise die Fenster wieder frei gelegt“, erinnert sie sich an den arbeitsreichen Februar. Das helle, schlicht-elegante Ambiente in lichtdurchfluteten Räumen, das die Boutique ausmacht, war also ein Haufen Arbeit. Umso schöner, dass man nun in der Secontique von Montag bis Samstag von 11 bis 19 Uhr durchstarten kann. Kleidungsspenden werden im Übrigen gerne zu den Öffnungszeiten angenommen.
Secontique, Eberhardstr. 12, Stuttgart-Mitte, Mo-Sa 11-19 Uhr