Seelsorgerliche Begleiterin Helferin in schwierigen Lebenslagen

„Die Geschichten der Klienten sind kostbar. Mit diesem Vertrauen müssen wir sorgfältig umgehen“, sagt Susan Sauser. Foto: Roberto Bulgrin

Susan Sauser aus Hohengehren hilft Menschen, die Schlimmes erlebt haben. Dafür hat die bekennende Christin eine Ausbildung zur Seelsorgerlichen Begleiterin absolviert.

Böblingen: Julia Theermann (the)

Baltmannsweiler - Was bewegt einen Menschen dazu, die Probleme anderer Leute zum Beruf zu machen? Für die Seelsorgerliche Begleiterin Susan Sauser aus Hohengehren ist es ganz klar eine Berufung. Darüber muss sie nicht lange nachdenken. „Es war eigentlich schon immer so, dass mir viele Leute von ihren Problemen erzählen“, sagt die gebürtige Britin, die 1990 nach Deutschland gezogen ist – „der Liebe wegen“, wie sie sagt.

 

Zunächst habe Sauser als Krankenschwester gearbeitet, bis sie die Arbeitszeiten als alleinerziehende Mutter nicht mehr mit ihrem Privatleben vereinbaren konnte. Daraufhin habe sie begonnen, Englisch zu unterrichten. „Da habe ich kinderfreundlicher arbeiten können“, sagt sie. Auch an einer Universität habe sie unterrichtet. Weiterhin sei es stets so gewesen, dass sich ihr die Leute in ihrem Umfeld anvertraut hätten. Mit Problemen seien sie immer zu ihr gekommen. Schließlich habe Sauser aber festgestellt, dass sie nicht über das nötige Rüstzeug verfügte, um ihren Gesprächspartnern helfen zu können. „Ich konnte halt immer nur aus meiner eigenen Erfahrung erzählen und auf menschlicher Ebene Rat geben. Ich brauchte das Wissen und die Methoden, um mehr zu tun“, sagt sie.

Erst die eigenen Probleme aufarbeiten

So habe sich die gelernte Krankenschwester entschieden, bei dem christlichen Verein „Team.F – Neues Leben für Familien“ eine Ausbildung zur Seelsorgerlichen Begleiterin zu machen. Für sie eine positive Erfahrung, bei der sie auch wichtige und gute Anstöße bekommen habe. „Man geht mit der Vorstellung hin, anderen sofort helfen zu können“, sagt sie. So einfach sei es aber nicht gewesen: „Alle Teilnehmer mussten erst mal selbst einen ganz großen Prozess durchlaufen. Jeder Bereich, der unaufgeräumt ist, muss angeschaut werden.“ Sie meint damit, dass die angehenden Seelsorger sich ihren eigenen Problemen, alten Traumata oder Enttäuschungen stellen mussten. Daran sei dann gearbeitet worden. Nur, wer selbst stabil und ausgeheilt sei, könne genug Ruhe und Stabilität bei den Menschen erzeugen, denen er helfen wolle.

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Schon in der Ausbildung, erzählt Sauser, habe sie die ersten Leute mit Problemen betreuen dürfen – damals noch unter Anleitung. Doch auch die fertig ausgebildeten Begleiter werden weiterhin betreut. „Wir haben alle unsere eigene Geschichte und es gibt Sachen, die triggern bei mir selbst etwas an“, sagt Sauser. Ohne dieses Gerüst der Unterstützung sei es unverantwortlich, ihre Arbeit zu machen. Sie sei dankbar für ihren Beruf, sagt die 59-Jährige. „Uns wird mit den Geschichten der Klienten etwas sehr Kostbares übertragen. Mit diesem Vertrauen muss man sorgfältig umgehen.“

Die Menschen, die zu ihr kommen, haben oft Schlimmes erlebt, sagt Susan Sauser. Depressionen, Ängste, Burn-out, Grenzüberschreitungen. Oft habe sie so mit Frauen oder Männern zu tun, die in einer toxischen Beziehung stecken. „Die brauchen echt Hilfe dabei, aus diesem Netz von Lügen und Manipulation herauszukommen“, so Sauser. So ein Ausstieg sei mit einer normalen Trennung oder Scheidung nicht zu vergleichen. „Sie brauchen die richtige Hilfe, um stabil zu werden und aus dem Nebel herausgeführt zu werden.“ Auf die Frage, wie sie es schafft, die Probleme ihrer Klienten nicht zu nah an sich heranzulassen, sagt sie: „Ich bin Christin. Wenn mich etwas belastet, bringe ich es zu Jesus hin und gebe es ab.“

Sauser bietet unterschiedliche Arten von Begleitung an. Bei einigen Klienten reichten oft schon zwei oder drei Gespräche, andere bräuchten eine längere Begleitung. „Da reden wir von Jahren“, sagt sie. „Es ist schön zu sehen, wenn es langsam besser wird. Es ist wie ein Puzzle. Je öfter sie kommen, desto mehr Teile fügen sich zusammen.“ In der Hochphase der Coronapandemie hat Sauser hat sie auch Begleitungen über Video angeboten, „aber es ist viel schöner, die Leute hier zu haben“, sagt sie. In ihrem Praxisraum in Hohengehren entscheiden ihre Klienten darüber, wie die Sitzung ablaufen soll. Das sei wichtig, damit sie sich gehört fühlen. Bei Traumatisierten seien in der Regel persönliche Grenzen überschritten worden, darum müsse man in der Arbeit mit ihnen sehr sensibel sein. Von der Wahl des Stuhls und des warmen Getränks bis zur Dauer der Sitzung sei darum alles in der Hand der Klienten. Besonders wichtig: „Die Taschentücher dürfen nicht ausgehen. Seelsorge hat zwar viel mit Reden zu tun, aber ein Trauma muss man zum Teil auch rausweinen“, sagt Sauser.

„Die Taschentücher dürfen nicht ausgehen“

Für die Zukunft hat sie noch einiges vor. Noch diesen Monat will sie die Fortbildung beim Institut für Christlich orientierte Traumabegleitung (ICTB) abschließen. Für den Kreis Esslingen wünscht sich die Seelsorgerliche Begleiterin, dass mehr auf die Bedürfnisse von Frauen aus anderen Ländern eingegangen wird. „Es gibt viele Frauen, die nur wegen ihres Mannes nach Deutschland können, kaum Deutsch können und isoliert sind“, sagt sie. Für diese Frauen brauche es eine besondere Notfall-Seelsorge-Nummer. Diese könne mit einer Beschreibung auf Englisch an Orten ausgehängt werden, die die Frauen alleine besuchen – zum Beispiel in Arztpraxen oder in öffentlichen Toiletten. „Es wäre schön, wenn wir damit die eine oder andere erreichen könnten“, so Sauser.

Was bewegt einen Menschen dazu, die Probleme anderer Leute zum Beruf zu machen? Für die Seelsorgerliche Begleiterin Susan Sauser aus Hohengehren ist es ganz klar eine Berufung. Darüber muss sie nicht lange nachdenken. „Es war eigentlich schon immer so, dass mir viele Leute von ihren Problemen erzählen“, sagt die gebürtige Britin, die 1990 nach Deutschland gezogen ist – „der Liebe wegen“, wie sie sagt. Zunächst hat Sauser als Krankenschwester gearbeitet, bis sie die Arbeitszeiten als alleinerziehende Mutter nicht mehr mit ihrem Privatleben vereinbaren konnte. Daraufhin habe sie begonnen, Englisch zu unterrichten. „Da habe ich kinderfreundlicher arbeiten können“, sagt sie. Auch an einer Universität habe sie unterrichtet. Weiterhin sei es stets so gewesen, dass sich ihr die Leute in ihrem Umfeld anvertraut hätten. Mit Problemen seien sie immer zu ihr gekommen. Schließlich habe Sauser aber festgestellt, dass sie nicht über das nötige Rüstzeug verfügte, um ihren Gesprächspartnern helfen zu können. „Ich konnte halt immer nur aus meiner eigenen Erfahrung erzählen und auf menschlicher Ebene Rat geben. Ich brauchte das Wissen und die Methoden, um mehr zu tun“, sagt sie.

Erst die eigenen Probleme aufarbeiten

So habe sich die gelernte Krankenschwester entschieden, bei dem christlichen Verein „Team.F – Neues Leben für Familien“ eine Ausbildung zur Seelsorgerlichen Begleiterin zu machen. Für sie eine positive Erfahrung, bei der sie auch wichtige und gute Anstöße bekommen habe. „Man geht mit der Vorstellung hin, anderen sofort helfen zu können“, sagt sie. So einfach sei es aber nicht gewesen: „Alle Teilnehmer mussten erst mal selbst einen ganz großen Prozess durchlaufen. Jeder Bereich, der unaufgeräumt ist, muss angeschaut werden.“ Sie meint damit, dass die angehenden Seelsorger sich ihren eigenen Problemen, alten Traumata oder Enttäuschungen stellen mussten. Daran sei dann gearbeitet worden. Nur wer selbst stabil und ausgeheilt sei, könne genug Ruhe und Stabilität bei den Menschen erzeugen, denen er helfen wolle. Schon in der Ausbildung, erzählt Sauser, habe sie die ersten Leute mit Problemen betreuen dürfen – damals noch unter Anleitung. Doch auch die fertig ausgebildeten Begleiter werden weiterhin betreut. „Wir haben alle unsere eigene Geschichte und es gibt Sachen, die triggern bei mir selbst etwas an“, sagt Sauser. Ohne dieses Gerüst der Unterstützung sei es unverantwortlich, ihre Arbeit zu machen. Sie sei dankbar für ihren Beruf, sagt die 59-Jährige. „Uns wird mit den Geschichten der Klienten etwas sehr Kostbares übertragen. Mit diesem Vertrauen muss man sorgfältig umgehen.“

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Die Menschen, die zu ihr kommen, haben oft Schlimmes erlebt, sagt Susan Sauser. Depressionen, Ängste, Burn-out, Grenzüberschreitungen. Oft habe sie so mit Frauen oder Männern zu tun, die in einer toxischen Beziehung stecken. „Die brauchen echt Hilfe dabei, aus diesem Netz von Lügen und Manipulation herauszukommen“, so Sauser. So ein Ausstieg sei mit einer normalen Trennung oder Scheidung nicht zu vergleichen. „Sie brauchen die richtige Hilfe, um stabil zu werden und aus dem Nebel herausgeführt zu werden.“ Auf die Frage, wie sie es schafft, die Probleme ihrer Klienten nicht zu nah an sich heranzulassen, sagt sie: „Ich bin Christin. Wenn mich etwas belastet, bringe ich es zu Jesus hin und gebe es ab.“

Sauser bietet unterschiedliche Arten von Begleitung an. Bei einigen Klienten reichten oft schon zwei oder drei Gespräche, andere bräuchten eine längere Begleitung. „Da reden wir von Jahren“, sagt sie. „Es ist schön zu sehen, wenn es langsam besser wird. Es ist wie ein Puzzle. Je öfter sie kommen, desto mehr Teile fügen sich zusammen.“ In der Hochphase der Coronapandemie hat Sauser hat sie auch Begleitungen über Video angeboten, „aber es ist viel schöner, die Leute hier zu haben“, sagt sie. In ihrem Praxisraum in Hohengehren entscheiden ihre Klienten darüber, wie die Sitzung ablaufen soll. Das sei wichtig, damit sie sich gehört fühlen. Bei Traumatisierten seien in der Regel persönliche Grenzen überschritten worden, darum müsse man in der Arbeit mit ihnen sehr sensibel sein. Von der Wahl des Stuhls und des warmen Getränks bis zur Dauer der Sitzung sei darum alles in der Hand der Klienten. Besonders wichtig: „Die Taschentücher dürfen nicht ausgehen. Seelsorge hat zwar viel mit Reden zu tun, aber ein Trauma muss man zum Teil auch rausweinen“, sagt Sauser.

„Die Taschentücher dürfen nicht ausgehen“

Für die Zukunft hat sie noch einiges vor. Noch diesen Monat will sie die Fortbildung beim Institut für christlich orientierte Traumabegleitung (ICTB) abschließen. Für den Kreis Esslingen wünscht sich die Seelsorgerliche Begleiterin, dass mehr auf die Bedürfnisse von Frauen aus anderen Ländern eingegangen wird. „Es gibt viele Frauen, die nur wegen ihres Mannes nach Deutschland können, kaum Deutsch können und isoliert sind“, sagt sie. Für diese Frauen brauche es eine besondere Notfall-Seelsorge-Nummer. Diese könne mit einer Beschreibung auf Englisch an Orten ausgehängt werden, die die Frauen alleine besuchen – zum Beispiel in Arztpraxen oder in öffentlichen Toiletten.

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