Naturfreundehaus Strümpfelbach bei Kabel 1 Frank Rosin und die Suche nach dem Haar in der Suppe

TV-Koch Frank Rosin (links) beim Barbecue mit Wirtin Lubica Schulz und Küchenchef Antonio Amador Foto: Redseven Entertainment

So viel Harmonie wie im Naturfreundehaus Strümpfelbach ist selten bei den Einsätzen von Restaurantretter Frank Rosin – auch wenn sich die Wirtsleute nicht an alle Empfehlungen des TV-Kochs halten.

Rems-Murr: Sascha Schmierer (sas)

Ein Ausflugslokal in absoluter Toplage, eine sympathisch dargestellte Wirtsfamilie und respektvolles Lob für die Kunst des Küchenchefs: So viel Harmonie wie beim Besuch des Restaurant-Retters Frank Rosin im Naturfreundehaus in Strümpfelbach ist selten in der Fernsehreihe über in wirtschaftlichen Schwierigkeiten steckende Gastro-Adressen. Bei der am Donnerstagabend ausgestrahlten Sendung gibt es 4,5 von fünf möglichen Sternen für die bei den Dreharbeiten runderneuerte Gaststätte – obwohl die über schlechte Zahlen in der Wintersaison klagenden Gastronomen Andreas und Lubica Schulz die wichtigste Empfehlung des TV-Kochs überhaupt nicht umsetzen wollen.

 

Laut Frank Rosin ist es jedenfalls kein Problem, das Naturfreundehaus zu einem gastronomischen Juwel zu machen. „Die stehen vor einer Goldgrube, haben aber keine Schippe dabei“, sagt der Sohn einer Imbissbudenbetreiberin über das idyllisch zwischen Wald und Weinbergen gelegene Lokal. Dass es sich beim Ausflugslokal hoch über Strümpfelbach aus Sicht des Sternekochs um einen Sonderfall handelt, ist in der abendfüllenden Sendung nicht zu überhören. Frank Rosin hat sichtlich Mühe, nach dem Haar in der Suppe zu suchen.

An Herzblut und Handwerk hapert es nicht

Am Herzblut der Wirtsfamilie jedenfalls hapert es nicht, Betriebsblindheit lässt sich dem vom Einzelhandel in die Gastronomie gewechselten Ehepaar ebenso wenig vorwerfen wie laienhafte Fehler in der Kalkulation. Und weil Koch Antonio Amador (51) sein Handwerk nicht nur in diversen Sterneküchen gelernt hat, sondern dank drei Jahrzehnten Berufserfahrung auch über reichlich Routine verfügt, stellt das Essen im Naturfreundehaus auch geschmacklich keine kulinarische Katastrophe dar. „Alles scheint tipptopp, und trotzdem ist der Wurm drin. Ich suche ihn noch“, rätselt Rosin (57) beim ersten Rundgang.

Dass im Naturfreundehaus vieles ein bisschen anders läuft, zeigt sich schon beim Testessen. „Ich glaube nicht, dass da viel schiefgeht“, reagiert Antonio Amador auf die Ankündigung, dass in gerade mal drei Stunden exakt 40 unerwartete Gäste auf der Matte stehen werden. Testesser? Amador: „Dass da viel schiefgehen kann, glaub’ ich nicht.“ Normalerweise bricht bei den vom Restaurant-Retter mit einem Besuch beglückten Küchenchefs die nackte Panik aus, wenn der TV-Koch verdutzten Gastronomen mit der baldigen Ankunft eines ganzen Rudels hungriger Mäuler droht. Hektisch wird die Tiefkühltruhe nach zwei Dutzend übriger Schweineschnitzel durchsucht, nach einem Spurt in die Speisekammer werden dann regelmäßig Kartoffelbrei aus dem Päckchen, Pilze aus der Dose und Salatsoße aus dem Eimer angerührt.

Frank Rosin mit Toni Amador. Foto: Kabel 1/Willi Weber

Kein kulinarischer Offenbarungseid vor Frank Rosin

„Aha! Bei dem Qualitätsanspruch ist es ja kein Wunder, wenn die Gäste ausbleiben“, denkt sich der Fernsehzuschauer – und aalt sich in dem wohligen Gefühl, dass es auch in der Welt der guten Gastlichkeit jede Menge kulinarische Dilettanten gibt. Beim ersten Testessen, dem im Drehbuch festgelegten Auftakt der Sendungen mit dem Sternekoch aus Nordrhein-Westfalen, kommt es dann in schöner Regelmäßigkeit zum gastronomischen Offenbarungseid.

Rosins bewährte Strickmuster funktionieren nicht

Gnadenlos hält die Kamera die Pannen eines überforderten Küchenteams fest, der Schwenk aufs zunehmend fassungslose Gesicht des Fernsehkochs gehört ebenso zum Konzept wie über lange Wartezeit und fehlenden Geschmack mäkelnde Gäste und mit Graufiltern unterlegte Bilder unschön angerichteter Teller. Hilfe vom Top-Gastronom, das ist die klare Botschaft an die Fernsehzuschauer, ist bitter nötig, wenn dieses Lokal überhaupt noch eine Zukunft haben soll.

Rosin in Strümpfelbach. Foto: Kabel 1/Willi Weber

In der am Donnerstag ausgestrahlten Sendung übers Naturfreundehaus in Strümpfelbach ist vom sonst so bewährten Strickmuster wenig zu sehen. Klar, die Flädlessuppe hat einem Testesser zu wenig Pfiff und kommt auch noch halb kalt auf den Tisch, weil die Terrine nicht vorgewärmt war. Auch einen Absprachefehler des Servicepersonals mit einem nicht richtig zugeordneten Kassenbon fängt die Kamera ein. Und bei der Optik haben sowohl die Teller als auch der in Jogginghose und Schlabberlook kellnernde Wirt durchaus noch Luft nach oben.

Wirt Andreas Schulz spricht von einem monatelangen Blindflug

Das war’s aber auch schon mit der sonst oft so beißenden Kritik, bei der Bewertung der Problemlage kommt das Naturfreundehaus ausgesprochen glimpflich weg. Immerhin drei Sterne gibt’s für Geschmack, Service und Ambiente, das ist nicht gut, kann sich im Vergleich aber gerade noch sehen lassen. Das Potenzial, das im Naturfreundehaus schlummert, kommt bei den Gästen aber nicht an. Und Andreas Schulz bemerkt selbstkritisch: „Es wurde schonungslos aufgezeigt, dass wir im Blindflug unterwegs waren.“

Kritischer Blick von Frank Rosin. Foto: Kabel 1/Willi Weber

Beim Barbecue auf der Obstwiese gibt Frank Rosin den Wirtsleuten jedenfalls den Tipp, sich auch mal von einem Foodtruck aushelfen zu lassen, um im Biergarten an schönen Sommertagen den Ansturm der Gäste zu bewältigen. Dass sich die Besuchermassen höchst unterschiedlich verteilen, ist schließlich das Problem der Gastronomie im Naturfreundehaus – im Sommer ist volles Haus, im Winter verirrt sich kaum zahlende Kundschaft in das idyllische, aber eben auch abgelegene Ausflugslokal.

Ansonsten lässt sich der Sternekoch bei einem Probekochen gern zeigen, wie Antonio Amador seine Maultaschen macht, das Können des aus Weinstadt stammenden Kollegen flößt dem TV-Profi offenkundig Respekt ein. „Einen Koch so auf Augenhöhe – das hat es in bisher 14 Jahren so auch noch nicht gegeben“, gibt Frank Rosin in einer Einstellung zu.

Dem Rat des Sternekochs, den ursprünglich nur für ein paar Monate engagierten Bruder von Drei-Sterne-Koch Juan Amador dauerhaft an sich zu binden, greifen Lubica und Andreas Schulz denn auch gern auf. Mit der Empfehlung, den Betrieb im Winter schlichtweg dichtzumachen, können sich die Wirtsleute hingegen nicht anfreunden. Versucht wird in Strümpfelbach, sich mit einer um feine Kleinigkeiten erweiterten Speisekarte auch Stammpublikum zu erarbeiten. „Wir wollen das einfach noch mal ausprobieren“, sagt Andreas Schulz. Der durch die Sendung gestiegene Bekanntheitsgrad könnte bei diesem Versuch helfen.

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