Sensorspezialist in Owen Trotz Kurzarbeit: Leuze will Umsatz weiter verdoppeln

Die Arbeit im Werk in Owen an Laserscannern, Lichtschranken und Co. ist filigran. Foto: Ines Rudel

Der Sensorhersteller Leuze will den Wachstumskurs fortsetzen. Seit dieser Woche gibt es Kurzarbeit in Logistik und Produktion rund um Owen (Kreis Esslingen), wenn auch nur für einen Teil der Mitarbeiter. Die neue Geschäftsführung signalisiert dennoch Stabilität.

Reporterin: Greta Gramberg (gg)

Die Montage der Laserscanner der Firma Leuze ist eine filigrane Angelegenheit. So filigran, dass sie derzeit laut Fertigungsleiter Sebastian Kopp kein Roboter erledigen kann. Und so filigran, dass die Mehrzahl der Mitarbeitenden in der Montagehalle Frauen sind, wie er beim Rundgang erläutert. Mehr als 300 Personen arbeiten nach Angaben von Helge Held, der in der Geschäftsführung unter anderem für das Personal zuständig ist, in der Produktion und der Logistik des Sensorherstellers in Owen und Unterlenningen. Sie stellen die Geräte her, die das Unternehmen laut Index der Universität St. Gallen zum Weltmarktführer im Bereich Optosensorik machen. Und die Sensor People, wie Leuze seine Mitarbeitenden nennt, seien stolz auf den Erfolg, stellte der neue Vorsitzende der Geschäftsleitung, Xavier Hamers, bei einem Pressetermin in dieser Woche fest.

 

Anlass ist das 60-jährige Bestehen des Sensorspezialisten, der bis heute zu 100 Prozent in Familienbesitz ist. 1963 hatten drei Nachfahren der Textildynastie Leuze die Firma zur Herstellung elektronischer Geräte für die Automatisierung gegründet. Damals firmierte sie noch als Leuze electronic. 59 Jahre später, im Jahr 2022, hatte Leuze einen Rekordumsatz in der Firmengeschichte zu verbuchen, 322 Millionen Euro und damit 25 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Doch: „Im Leben verläuft nicht immer alles so geradlinig, wie es im Rückblick aussieht“, heißt es in der neuen Firmenchronik. Sie verweist darauf, dass der Gründung des Sensorspezialisten Leuze electronic die Schließung der Leuze Baumwollweberei vorausgegangen war. Und auch wenn Leuze sich weiter auf Wachstumskurs sieht und laut Held kein Personal abbauen will: Es gibt auch in der Gegenwart Wegbiegungen. In diesen Tagen hat das Unternehmen Kurzarbeit für die direkten Bereiche der Produktion und Logistik in Owen und Unterlenningen beantragt, da diese nicht voll ausgelastet seien.

Weiter Drei-Schicht-Betrieb

Wie viele Personen in welchem Umfang betroffen seien, dazu macht das Unternehmen keine genauen Angaben, es variiere von Woche zu Woche und je nach Produktionslinie. Es gebe Linien, die seien mehr als ausgelastet – hier würden Überstunden gefahren. „Und es gibt andere Linien, die aufgrund verschobener Projekte eben gerade nicht ausgelastet sind. Sobald diese Projekte abgerufen werden, sind auch die betroffenen Linien wieder unter Volllast“, so Hamers. Ein Umschichten von einer zur anderen Linie sei nicht zu hundert Prozent möglich wegen unterschiedlicher Qualifikationsansprüche. Man halte am Drei-Schicht-Betrieb und an Samstagsarbeit fest. Betroffen sei ein Bruchteil der Mitarbeiter in den angesprochenen Bereichen.

Nach zwei Jahren mit steigenden Auftragseingängen sieht sich Leuze in diesem Jahr mit einem Rückgang konfrontiert. Der Bestand baue sich von einem extrem hohen Niveau gleichmäßig ab und normalisiere sich auf ähnlichem Niveau wie vor 2022, teilt das Unternehmen mit. „Die Auftragseingänge sind stabil, aber auf niedrigerem Niveau als im Vorjahr“, heißt es weiter. Wachstumschancen sieht man unter anderem in Amerika. Dagegen sorgten steigende Zinsen und ein gebremstes Konsumverhalten für Unsicherheiten bei Investitionen. Das habe unter anderem zur Folge, dass sich etwa in der Intralogistik neue Projekte verzögerten. Stabilität sehe man in der Verpackungsbranche, dort seien die Auftragsbücher gut gefüllt.

Umsatz soll bis 2025 verdoppelt werden

Wie lange die Kurzarbeit andauert, steht nicht fest. Ziel sei, nur so lange in Kurzarbeit zu bleiben, wie unbedingt notwendig. Zur Jahresmitte 2024 erwartet Leuze wieder eine Trendumkehr bei den Auftragseingängen. Das Unternehmen sei in den vergangenen Jahren stark gewachsen und plane, dieses Wachstum im kommenden Jahr fortzusetzen. Zur aktuellen Gewinn- und Umsatzentwicklung will die Geschäftsführung traditionell erst später im Jahr Auskunft geben. Aber: Am 2020 ausgerufenen Ziel, den Umsatz bis 2025 zu verdoppeln, halte man fest.

Das Familienunternehmen stehe auf einer soliden Basis. Investitionen in strategische Projekte würden fortgeführt. So gibt es Erweiterungspläne für das erst im vergangenen Jahr in Betrieb genommene Werk in Malaysia. Und auch das Logistikzentrum in Unterlenningen soll in einem zweiten Bauabschnitt erweitert werden. Die neue Leuze-Spitze will Werte wie Stabilität und nachhaltige Entwicklung des Unternehmens fortführen, wie die Geschäftsführer beim Pressetermin deutlich machten. Nachdem 2022 Henning Grönzin (50) als technischer und Helge Held (42) als kaufmännischer Geschäftsführer ins Amt gesetzt worden waren, kam im April 2023 Xavier Hamers (45) als Vorsitzender der Führungsriege hinzu. Er löste Ulrich Balbach ab, der das Unternehmen mehr als zehn Jahre lang gelenkt hatte. Komplettiert wird die Leuze-Spitze durch Jochen Wimmer (55), der für die Produktion und das Tochterunternehmen Leuze Electronic Assembly in Unterstadion verantwortlich zeichnet.

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