Senta Berger moderiert „Terra X“ Napoleon und der Friseur von Lady Gaga

Umringt von idealen Körpern: Senta Berger. Foto: ZDF
Umringt von idealen Körpern: Senta Berger. Foto: ZDF

In der ZDF-Reihe „Terra X“ führt Senta Berger am Sonntag durch die Geschichte der Schönheit. Die Schauspielerin moderiert mit einem Augenzwinkern, denn es gibt Schönheitsideale, die auch ihr merkwürdig vorkommen.

Kultur und Gesellschaft: Ulrike Frenkel
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Stuttgart - Was Senta Berger nicht schön findet: „Erwachsene Männer tragen Baseballkappen und kurze Hosen, als kämen sie gerade aus dem Kindergarten. Mütter eifern ihren Töchtern nach, die ihrerseits ihre Selbstdarstellung auf die Spitze treiben müssen, zum Beispiel durch Tätowierungen, um sich abgrenzen zu können“. Aber was ist denn das überhaupt: Schönheit? Seit mehr als dreißig Jahren beschäftigt sich die ZDF-Sendung „Terra X“ mit der Erkundung der „Terra incognita“, vermittelt mit oft nicht geringem Aufwand und prominenten Moderatoren wie Maximilian Schell und Hape Kerkeling Erkenntnisse aus unterschiedlichsten, oft testosteronlastigen Wissensgebieten. An den beiden kommenden Sonntagen nun widmet sie sich der Macht der Schönheit. Und zum ersten Mal wird eine Frau die Rolle des Gastgebers übernehmen.

Als sich die Macher mit dem Sujet beschäftigten, so der Redakteur Georg Greffe, sei ihnen klar gewesen: „Eigentlich kommt nur Senta Berger in Frage“ – unter anderem deshalb, weil die Schauspielerin bis heute als Schönheit gilt und sich das Publikum mit ihrem das gelebte Leben nicht verleugnendem Gesicht leichter identifizieren können als mit einer makellosen Dreißigjährigen. Die 72-jährige Senta Berger schlägt sich jedenfalls glänzend in ihrer Rolle, die so neu gar nicht ist für sie: „Ich habe schon öfter themengebundene Moderationen gemacht. Und wer beschäftigt sich nicht gerne mit dem Thema Schönheit? Ich war neugierig darauf.“

Verkrüppelte Mädchenfüße in China

So führt sie nun in zwei Folgen durch mehrere Jahrtausende Historie, in denen der Mensch für den äußeren Schein weder Kosten noch Mühen noch Qualen scheute. Weibliche Tellerlippen in Äthiopien, verkrüppelte Mädchenfüße in China – das Streben nach Schönheit hat zu merkwürdigen Entwicklungen geführt. „Wir wollten und konnten das nicht chronologisch erzählen“, sagt der Autor und Regisseur Günther Klein: „Die Frage war, wie binde ich Napoleons Locke zusammen mit Lady Gagas Friseur.“ Durch Raum und Zeit verfolgt seine Show, wie unterschiedliche Ideale entstanden sind, was die Schönheitsformel, die Wissenschaftler berechnet haben, in der Wirklichkeit bedeutet, und was die Evolution dabei für eine Rolle spielt.

Senta Berger, die den vorgeführten Glamour augenzwinkernd begleitet, sagt über ihre eigenen wechselnden Ideale: „Als ich vierzehn, fünfzehn war, kamen die ersten Filme mit Sophia Loren raus, und ich wollte auch so sein. Also habe ich mit einer Schere meinen allerbesten schwarzen Rolli oben ausgeschnitten und mir mit meiner Freundin eine Tube Polycolor Mahagoni geteilt.“ Gefragt, ob sie ihre Karriere ihrem Äußeren verdanke, antwortet sie: „Sie sprechen da ein Vorurteil an, das ich immer wieder entkräften musste. Ich hatte lange das Gefühl, dass ich nur wegen meines Äußeren eingesetzt werde. Aber ich wusste, das ist ein Geschenk, das viele andere junge Mädchen auch besaßen. Um sich zu entwickeln, musste man eine gute Schauspielerin sein, Ausstrahlung, Temperament und ein lebendiges Gesicht mitbringen.“

Schön ist, was man mit Liebe betrachtet

Ob die Eingriffe in die Natur mittels kosmetischer Chirurgie inzwischen nicht ein Übermaß angenommen hätten? „Für mich ist Schönheit, was man mit Liebe betrachtet“, so Senta Berger, „aber wir tun anscheinend alles dafür, um begehrenswert zu sein. Das hat es immer schon als Traum gegeben, man muss nur an die Römerinnen in der Antike denken, die sich mit giftigem Bleistaub puderten, um weiß auszuschauen. Ob die Frauen das immer für die Männer machen, weiß ich nicht, ich glaube, sie machen das eher für die anderen Frauen.“

Und die Männer? Was es zu bedeuten hat, dass sich Jungs inzwischen teilweise stärker aufbrezeln als Mädels, dass sie sich das Brusthaar rasieren und Facials auflegen, lässt „Die Geschichte der Schönheit“ außer Acht. Um Verschiebungen im Geschlechterverhältnis aufzugreifen, hätte man die bei „Terra X“ verhandelten steilen Thesen wohl stärker hinterfragen müssen.




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