Serie: Ablage P (4) Der Trump Tower - eine Luftnummer

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Geplant gewesen war zunächst ein runder Wolkenkratzer, der mehr als 220 Meter hoch werden und 55 Stockwerke beherbergen sollte, Investitionssumme: mehr als 250 Millionen Euro. Hinter dem Projekt standen die Trump Deutschland AG, an der der Hamburger Unternehmer Ulrich Marseille mit seiner Kliniken AG sowie eine Organisation des namensgebenden Immobilienmoguls aus New York beteiligt waren. Inwieweit Donald Trump persönlich in das Projekt verwickelt war, ist bis heute unklar. Sicher ist, dass die Investoren von Anfang an mehr versprachen, als sie halten konnten.

Schon die Präsentation des Projekts in der völlig verdunkelten Staatsgalerie vor mehr als 150 geladenen Politikern, Wirtschaftsleuten und Journalisten geriet zu einer Veranstaltung, wie sie Stuttgart noch nie gesehen hatte. Dabei sei es der Stadtspitze im Vorfeld gerade noch gelungen zu verhindern, dass Marseilles Ehefrau Estella-Maria die amerikanische und die deutsche Nationalhymne sang, hieß es. "Wir wollen von allem nur das Beste", sagte der damalige Vorstandsvorsitzende der Trump AG, und Stuttgart sei schon deshalb der richtige Standort für das "höchste Gebäude südlich der Mainlinie", weil in der "weltoffenen Stadt das Geldverdienen eine Tugend ist".

Im Februar 2002 sollte mit dem Bau begonnen werden


Von einer exklusiven Shoppingmall mit Wasserfall war die Rede, von einem Luxushotel, modernsten Büros, Wohnapartments über zwei Etagen, einem Kongresszentrum, Gourmetrestaurant und einer Pianobar. Im Frühjahr 2002 sollte mit dem Bau begonnen werden, im Herbst 2004 war die Eröffnung geplant. "Nach New York, Atlanta und Las Vegas bekommt auch Europa einen Trump-Tower", trompeteten die Investoren und Schuster, der von sich aus Kontakt mit der Trump AG aufgenommen hatte, die zunächst als Standorte Berlin oder Frankfurt im Visier hatte. Spätestens nach der Präsentation, laut StZ im "nobel verpackten Hurra-Stil", erinnerte manch einen Beobachter das Engagement Schusters an den Spruch: Wenn die Fahne flattert, ist der Verstand in der Trompete.

Die Stadt verkaufte die Grundstücke an die Trump AG, sie ließ Verkehrsgutachten und Studien für den Wolkenkratzer erstellen. Der Gemeinderat bereitete einen Bebauungsplan vor, der einen eckigen Hauptbau mit maximal 180 Metern und drei weitere kleinere Hochhäuser zwischen 70 und 110 Meter Höhe vorsah. Als die Investoren die Stadt immer wieder vertrösteten, zog der Gemeinderat die Notbremse: Bis Ende 2002 sollte die Trump AG nachweisen, dass sie 60 Prozent der 70.000 Quadratmeter Geschossfläche vermietet hat. Doch aus Berlin kam keine Nachricht, stattdessen veräußerte die Marseille-Kliniken AG ihren Anteil an eine in Miami (USA) ansässige Finanzfirma. Das Ende kam am 21. Januar 2003, der Gemeinderat stoppte das Planverfahren für den Wolkenkratzer. Schuster erklärte lediglich, dass der Gemeinderat Herr des Verfahrens sei.

Damit war die Geschichte um den Turmbau zu Stuttgart aber noch nicht zu Ende. Die Investoren forderten von der Stadt mehrere Millionen Euro Schadenersatz, was in zwei Instanzen abgelehnt wurde. Die Trump AG war insolvent und wurde im Frühjahr 2005 aufgelöst. Schon ein Jahr zuvor hatten die gigantischen Pläne auf dem Pragsattel ein weiteres Opfer gefordert: Ein Teppichhändler, der dort ein Grundstück an die Investoren für 20 Millionen Euro veräußern wollte, ging insolvent, weil es nicht zum Verkauf kam. Nicht nur für ihn wäre es besser gewesen, wenn manche auf dem Teppich geblieben wären.

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