Familie Laible bei der SG Weilimdorf Das Leben ist ein ständiges Ringen – zumindest bei den Laibles

Eine ganz normale Ringer-Familie, die alles im Griff hat: (Von links) Lisa, Lukas, Bianca, Markus und Paul Laible. Foto: Günter Bergmann

Eigentlich hat bei Markus Laible alles mit einem notgedrungenen Wechsel der Sportart angefangen. Inzwischen hat sich seine komplette Familie dem Ringen verschrieben – und ist eine feste Größe bei der SG Weilimdorf. Aus unserer Lokalsport-Serie „Familiensache“

Es gibt ja eine ganze Menge Weisheiten darüber, was das Leben so sein soll. Beispielsweise, dass das Leben ein Kampf ist. Diesen Spruch würden die Mitglieder der Familie Laible wohl unterschreiben – ergänzt um die Frage, ob es denn Freistil oder griechisch-römisch sein soll. Denn Vater Markus, Mutter Bianca, die beiden Söhne Lukas und Paul sowie Tochter Lisa haben sich allesamt dem Ringen verschrieben – auch wenn es einige Umwege brauchte, bis sich diese Sportart zur Familientradition gemausert hatte.

 

Dass die Laibles überhaupt bei einer der ursprünglichsten Sportarten gelandet sind, verdanken sie Thomas Laible, dem älteren Bruder von Markus – und einer Notsituation. Denn Thomas spielte eigentlich beim ASV Botnang Fußball, wechselte dann aber wegen Augenproblemen die Sportart und landete bei den ASV-Ringern. Sein jüngerer Bruder verzeichnete – wenn auch ohne Augenprobleme – eine ähnliche sportliche Karriere. Aus dem einstigen Mittelstürmer des ASV Botnang, der bei der Sportvg Feuerbach zum Abwehrspieler umgeschult wurde, entwickelte sich mit der Zeit ein Ringer, der nicht nur in beiden Stilarten zu Hause war, sondern der es auch bis in die 2. Bundesliga schaffte. „Um ehrlich zu sein – viele Kämpfe habe ich da nicht gewonnen“, räumt Markus Laible ein. „Da sind meine Kinder jetzt schon besser, als ich es jemals war.“

Die Laibles sammelten einige Titel

Immerhin hat der 49-Jährige wenigstens einen „kleinen“ Titel in der Vita stehen. 1987 holte sich Markus Laible die Deutsche Vizemeisterschaft in der B-Jugend. Er war in der Klasse bis 34 Kilogramm am Start – derselben Gewichtsklasse, in der auch seine Söhne Lukas und Paul ihre ersten nationalen Titelkämpfe bestritten haben. Der inzwischen 21 Jahre alte Lukas wurde damals übrigens ebenfalls Vizemeister, bei seinem zwei Jahre jüngeren Bruder Paul endete der erste Auftritt seinerzeit bei den deutschen Titelkämpfen mit Rang fünf – allerdings im Freistil, während Vater und Bruder im griechisch-römischen Stil auf die Matte gehen. Lukas Laible hat es seitdem zweimal auf die oberste Stufe des Siegerpodestes geschafft: 2017 wurde er Deutscher Meister bei der A-Jugend, 2022 bei den Junioren. Zudem haben beide Brüder ihre erste Regionalligasaison mit der Mannschaft der SG Weilimdorf ebenfalls mit dem Titelgewinn gekrönt. Und auch die 17-jährige Schwester Lisa hat schon eine goldene Trophäe im Schrank stehen. Mit dem Team Württemberg holte sie 2019 die Deutsche Mannschaftsmeisterschaft der Frauen.

Dabei haben weder Lukas noch Paul oder Lisa als erstes mit dem Ringen begonnen. Die beiden Jungs spielten zunächst beim TSV Weilimdorf Fußball, Lisa war beim Gardetanz aktiv. Doch im Gegensatz zum Vater, der geraume Zeit Fußball und Ringen betrieben hatte und sich erst im Alter von 18 Jahren für den Kampfsport entschied, stellten seine Söhne schon früher die Weichen. Als Siebenjähriger stieg Lukas bei den Ringern ein, Bruder Paul, obwohl erst fünf, ebenfalls. Da wollte irgendwann auch die Schwester nicht hintenan stehen. „Meine Brüder waren beim Ringen, meine beste Freundin auch. Da habe ich halt auch angefangen“, sagt Lisa Laible. Eine Entscheidung, die vor allem ihre Mutter freute: „Da konnte ich dann alle drei auf einmal an derselben Stelle zum Training abliefern“, sagt Bianca Laible augenzwinkernd. „Damit wusste ich, dass ich jetzt zwei Stunden Zeit für mich habe.“ Sie ist auch das einzige Familienmitglied, das mit dem aktiven Ringen nichts am Hut hat: „Ich bleibe beim Laufen und beim Fitness.“ Sie ist es aber, die den Ringerhaushalt als Logistikexpertin und Ernährungsberaterin am Laufen hält. Zudem unterstützt Bianca Laible die SG Weilimdorf – und damit indirekt auch ihre Familie – als Schriftführerin des Ringer-Fördervereins.

Markus rechnet aus, wie die Kämpfe laufen müssten

Apropos Schrift: Es liegen sehr, sehr viele Zettel im Hause Laible herum. Markus Laible geht zwar nur noch bei ganz großen personellen Engpässen auf die Matte, aber er ist erstens Sportlicher Leiter der Weilimdorfer Ringer, zweitens der Herr der Zahlen. Er weiß sehr viel über fast jeden Ringer, der diesen Sport ausübt und ausgeübt hat: Stärken, Schwächen, Erfolge, Formkurve, bevorzugte Taktik, bevorzugte Griffe und vermutlich noch eine ganze Menge an anderen Daten mehr. „Wenn ich wissen will, wie meine Kämpfe ausgehen werden, schaue ich einfach in den Unterlagen von meinem Vater nach“, witzelt Lukas Laible. „So intensiv wie Markus beschäftigt sich meiner Meinung nach keiner mit Statistiken“, sagt ein langjähriger Weggefährte, der es wissen muss – Stefan Vogt, Ex-Teamkollege, ebenfalls Sportlicher Leiter und Abteilungsleiter der SG Weilimdorf. „Vor jedem Kampf rechnet er aus, wie es laufen müsste. Seine Prognosen bewahrheiten sich ziemlich oft.“ Wobei sich das Lob des Abteilungsleiters nicht nur auf Markus Laible bezieht: „Das ist unersetzbar, was diese Familie für den Verein im Hintergrund leistet. Und dann stellt sie ja auch noch ein Fünftel der aktiven Mannschaft in der Regionalliga.“

Da wundert es nicht, dass das Ringen eines der vorrangigen Gesprächsthemen im Hause ist. Aber zu handgreiflichen Auseinandersetzungen im Fall von Meinungsverschiedenheiten kommt es laut Bianca Laible nicht: „Die haben sich alle im Training ausgetobt, da ist es zu Hause ganz entspannt.“ Auch die Kinder räumen ein, dass in den eigenen vier Wänden „fast nicht“ gerungen werde. „Und wenn doch, dann war es eher Spaß“, sagt Lukas Laible.

Serie „Familiensache“

Worum handelt es sich?
Das wohl berühmteste Beispiel auf der großen Bühne des Sports sind die Neureuthers: Vater Christian, die inzwischen verstorbene Mutter Rosi Mittermaier und Sohn Felix – zwei Generationen, alle in derselben Sportart top, in diesem Fall auf Skiern. Oder die Ingebrigtsens – drei Brüder, dreimal läuferische Weltspitze. Es liegt also was in der Familie. Und darum geht es nun auch in unserer neuen Serie „Familiensache“. Wir haben uns nach Vergleichbarem auf lokaler Ebene umgeschaut. Beginnend mit dieser Ausgabe stellen wir in neun Teilen Familien aus Stuttgart und von den Fildern vor, in denen sich ein Großteil einer gemeinsamen sportlichen Leidenschaft verschrieben hat. In der dritten Auflage dieser Serie geht es um leidenschaftliche Ringer, die bei der SG Weilimdorf nicht mehr wegzudenken sind: die Laibles.

Vorherige Serienteile

Die Faustball-Familie Löwe beim NLV Vaihingen,

die Eisstockschützen-Familie Butterweck beim ESC Stuttgart-Vaihingen,

die Ringer-Familie Laible bei der SG Weilimdorf,

die Basketball-Familie Nufer aus Rohr,

die Baseball-Familie Weil bei den Stuttgart Reds,

die Tischtennis-Familie Xu beim Sportbund Stuttgart sowie

die Fußball-Familie Gashi beim KF Kosova Bernhausen.

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