Familie Nufer im Basketball-Fieber Vom Hinterhof in die Bundesliga – mal zwei

Die Eltern Petra und Stefan Nufer sind mit dem Regio-Team Stuttgart in Berlin, da darf kostbare Zeit mit dem jüngsten Sohn Anton nicht fehlen. Foto: /privat

Einst spielten die Nufers in Rohr Basketball, inzwischen sind zwei ihrer drei Kinder in der höchsten Spielklasse aktiv. Aber da gibt es noch ein „Träumchen“ – das emotional intensiver werden könnte. Aus unserer Lokalsport-Serie „Familiensache“

Lokalsport: Patrick Steinle (pst)

Über die gesamte Bundesrepublik sind die Mitglieder der Familie Nufer verteilt. Die Eltern Stefan und Petra wohnen zwar noch im Stuttgarter Stadtteil Rohr, die Sprösslinge hat es allerdings weggezogen. Der älteste Sohn Paul wohnt in München, Tochter Luisa in Freiburg und der Jüngste im Bunde, Anton, in der Hauptstadt Berlin. Dass alle fünf sich einmal gemeinsam treffen, das kommt selten vor, obwohl regelmäßige Besuche die Regel sind. Das Quintett ist derweil meist nur an den Weihnachtsfeiertagen komplett vereint. So auch an denen im vergangenen Jahr. Und prompt gab es für sie wieder nur eine Sache: Sie gingen ihrer allergrößten Leidenschaft nach, dem Basketball spielen. Die Nufers gingen in eine Sporthalle, um ein paar Körbe zu werfen – was jeder von ihnen eben am liebsten macht. Müssten sie eine Familienfarbe wählen, dann wäre dies mit Sicherheit Orange.

 

Angefangen hat alles im hauseigenen Hinterhof, wo ein Basketballkorb natürlich nicht fehlen durfte. „Damals wurde alles möglich gemacht, auch die Ellenbogen ausgefahren, damit sie sich gegeneinander durchsetzen konnten“, erzählt Stefan über seine drei Kinder, die sich nicht nur beim Sport im Wettkampf sehen. „Beim Würfeln oder Kartenspielen geht es bis zum Bescheißen.“ Das Gewinner-Gen tragen wohl alle Nufers in sich, weshalb es vor allem für die jüngste Generation der Familie momentan hoch hinaus geht. Die 21 Jahre alte Tochter Luisa spielt beim USC Freiburg in der Bundesliga und agierte bereits für die deutsche 3x3-Nationalmannschaft.

Anton Nufer spielt bei Alba Berlin

Ihr kleiner Bruder Anton durfte zuletzt ebenfalls erstmals Erstliga-Luft schnuppern. 2022 wagte er den Schritt in die Bundeshauptstadt, wo der 17-Jährige für gewöhnlich bei der U19 von Alba Berlin aufläuft. Im vergangenen November dribbelte er dann aber in Tübingen bei einem BBL-Auswärtsspiel auf dem Parkett, wobei er die eineinhalb Minuten voll und ganz genoss. „Ich war reizüberflutet, das ging viel zu schnell vorbei“, sagt Anton Nufer. Nun habe er Blut geleckt und möchte seine Chance nutzen. „Ich will soweit es geht kommen, solange es Spaß macht.“

Das dritte Kind im Bunde, der Älteste, Paul, agiert momentan beim TSV München-Ost in der Bayernliga. Er widmet sich mehr seinem Studium. München, Freiburg, Berlin und Stuttgart. Wie gesagt, die Nufers sind weit verteilt. Kontakt halten sie dennoch miteinander, moderne Kommunikationsmittel wie Videoanrufe machen es möglich. „Vor allem die Kinder untereinander und mit ihrer Mutter sind stark verbunden, das geht nicht nur in eine Richtung“, erzählt Stefan. Seine Frau Petra ergänzt: „Sie haben immer einen Ansprechpartner.“

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Beide Eltern sagen derweil: „Wir sind furchtbar stolz auf unsere Kinder und unterstützen sie, wo wir nur können. Wichtig und ein Grundsatz war aber schon immer, dass der Einklang zwischen Sport und Schule funktionieren muss.“ Der älteste im Sprösslings-Trio, Paul, macht es vor, Anton möchte nach seinem bestandenen Abitur nun ein Naturwissenschaft-Studium beginnen – per Fernuniversität, während er bei den Profis von Alba Berlin weiter anklopft – das Familienhobby soll zu seinem Hauptberuf werden.

Eltern trainierten die Kinder in Möhringen

Der Ursprung der Basketball-Leidenschaft ist eine Generation früher zu finden: Der 54 Jahre alte Stefan verpflichtete sich seinerzeit dem Sport als Schiedsrichter, pfiff Partien in der Frauen-Bundesliga und der zweithöchsten Männer-Spielklasse. Petra spielte früher für die Frauen des SV Möhringen in der zweiten Liga, ehe ein Auslandssemester in Paris dazwischen kam und sie später die Kinder auf die Welt brachte. Durch eben diese kam sie dann auch wieder zum Basketball. Der eigene Nachwuchs, angefangen mit Paul und gefolgt von seinen kleinen Geschwistern, wollten auf Korbjagd gehen – und allesamt machten sie ihre ersten Schritte beim SV Möhringen. Ihre Eltern übernahmen dann als Trainer und Betreuer Verantwortung im Verein. Während Petra zwischendurch auch Mädchenbeauftragte im Verband war, ist die 52-Jährige mittlerweile im Vorstand des Regio-Teams Stuttgart, Stefan coacht dort die U-16-Mädchen.

So bleiben alle Nufers weiterhin dem Basketball treu, und fieberten natürlich mit der deutschen Männer-Nationalmannschaft mit, als sie im vergangenen Jahr auf den Philippinen sensationell den Weltmeistertitel gewann. Die Familiengruppe auf Whatsapp sei „eskaliert“, beschreiben sie es. Toppen könnte diese Emotionen wohl nur die Teilnahme an einem 3x3-Wettbewerb, bei dem Paul, Luisa und Anton gemeinsam auflaufen, also eine reine Nufer-Mannschaft stellen. „Das ist schon ein kleines Träumchen“, sagt der Jüngste. Anton wird zunächst aber wohl am „Träumchen“ Bundesliga arbeiten – und seine Eltern und Geschwister stets auf dem Laufenden halten.

Serie „Familiensache“

Worum handelt es sich?
Das wohl berühmteste Beispiel auf der großen Bühne des Sports sind die Neureuthers: Vater Christian, die inzwischen verstorbene Mutter Rosi Mittermaier und Sohn Felix – zwei Generationen, alle in derselben Sportart top, in diesem Fall auf Skiern. Oder die Ingebrigtsens – drei Brüder, dreimal läuferische Weltspitze. Es liegt also was in der Familie. Und darum geht es nun auch in unserer neuen Serie „Familiensache“. Wir haben uns nach Vergleichbarem auf lokaler Ebene umgeschaut. Beginnend mit dieser Ausgabe stellen wir in neun Teilen Familien aus Stuttgart und von den Fildern vor, in denen sich ein Großteil einer gemeinsamen sportlichen Leidenschaft verschrieben hat. Die Basketball-Fanatiker aus dem Hause Nufer erzählen im vierten Teil dieser Serie, wie sie kilometerweit entfernt über ihre Leidenschaft sprechen.

Vorherige Serienteile

Die Faustball-Familie Löwe beim NLV Vaihingen,

die Eisstockschützen-Familie Butterweck beim ESC Stuttgart-Vaihingen,

die Ringer-Familie Laible bei der SG Weilimdorf,

die Basketball-Familie Nufer aus Rohr,

die Baseball-Familie Weil bei den Stuttgart Reds,

die Tischtennis-Familie Xu beim Sportbund Stuttgart sowie

die Fußball-Familie Gashi beim KF Kosova Bernhausen.

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