Serie Mensch! Strohgäu: Luciano Moral Vom Vagabunden zum Maler

Von Franziska Meißner 

Den
spanischstämmigen Künstler Luciano Moral hat es schon an viele Orte verschlagen, zuhause fühlt er sich mittlerweile in Ditzingen. Hier engagiert er sich auch für benachteiligte Kinder – indem er mit ihnen gemeinsam malt.

Seit kurzem lebt der gebürtige Spanier Luciano Moral wieder in Ditzingen, zuvor hat er vier Jahre in Stuttgart gewohnt. Im Strohgäu fühlt er sich heute zuhause, auch wenn er oft nach Spanien fährt. Foto: factum/Granville
Seit kurzem lebt der gebürtige Spanier Luciano Moral wieder in Ditzingen, zuvor hat er vier Jahre in Stuttgart gewohnt. Im Strohgäu fühlt er sich heute zuhause, auch wenn er oft nach Spanien fährt. Foto: factum/Granville

Ditzingen - Luciano Moral hätte auch Gastronom werden können, so wie seine Eltern im heimischen Avila. Er hätte auch Zirkuskünstler werden können, schließlich riss er mit 14 für ein ungarisches Zirkusmädchen von Zuhause aus und lebte mit ihrer Familie ein halbes Jahr als Vagabund. Gekommen aber ist es anders. Es war schon früh im Leben des heute 68-Jährigen gebürtigen Spaniers die Malerei, für die sein Herz schlug – spätestens, als er als Jugendlicher Picasso traf. Heute hat Moral es geschafft, er stellt seine Bilder international aus, kann von der Kunst leben.

Dabei sah es anfangs nicht wirklich danach aus, jedenfalls war sein Lehrer, der spanische Maler Benjamín Palencia, zunächst nicht von Morals Talent überzeugt. „Er hat meine Bilder zerrissen“, sagt Moral. Heute amüsiert ihn das. Damals war er wütend – und malte den Lehrer so, wie er ihn sah: als Fratze mit Hörnern. „Dann hat er das Bild gefunden und es sich ins Wohnzimmer gehängt“, sagt Moral. Der Lehrer sei wider Erwarten begeistert gewesen: „So musst du malen, aus dem Bauch heraus!“

Demonstration gegen Franco

Noch heute sind es die Gefühle, die Moral inspirieren. Bilder malt er meist in einem Rutsch, aus Angst, dass ihn die Emotion wieder verlässt, die ihn hat zum Pinsel greifen lassen. Oft, sagt er, wisse er anfangs selbst nicht, was er eigentlich male. Gut 3700 Bilder sind so im Laufe der Zeit entstanden. Immer aber sind es Menschen, Köpfe, Körper, die Moral mit kräftigen Rot- oder Brauntönen malt. Und mit Asche: „Deshalb kann ich nicht aufhören zu Rauchen“, sagt er schmunzelnd.

Moral malt Menschen, aber seine Arbeiten sind auch politisch. Er malt den spanischen Dichter Federico García Lorca, der im spanischen Bürgerkrieg ermordet wurde, und den chilenischen Dichter und Kämpfer gegen den Faschismus, Pablo Neruda. 1968, noch in Spanien, demonstrierte Moral gegen den Diktator Franco, wurde verhaftet, geschlagen und von der Uni geworfen. Damals ging er nach Paris, die Liebe verschlug ihn später, Anfang der 70er Jahre, nach Deutschland.




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