Serie: Straßen verbinden Gärten weg, dafür aber neue Nachbarn

Von Kathrin Thimme 

Als die Guthards 1999 an die Geißeichstraße zogen, ist es dort fast nur grün gewesen. Das hat sich geändert. Wo einstmals die Gärten angelegt waren, stehen heute Wohnhäuser oder es werden gerade welche errichtet.

Roswitha und Claus-Henning Guthard freuen sich darauf, dass auf der Straße vor ihrem Haus künftig wohl mehr Kinder spielen werden als bisher. Foto:  
Roswitha und Claus-Henning Guthard freuen sich darauf, dass auf der Straße vor ihrem Haus künftig wohl mehr Kinder spielen werden als bisher. Foto:  

S-West - Der Ausblick, den Roswitha und Claus-Henning Guthard von ihrem Balkon aus genießen, ist atemberaubend. Sie schauen auf das Häusermeer des Stuttgarter Westens und noch weit darüber hinaus. Der Hang ist unbebaut und sollte es auch bleiben, denn von der dortigen Halbhöhe strömt die frische und kühlende Luft hinab in den Kessel.

Eine Insel der Seligen

Die Guthards wissen die schöne Lage zu schätzen. „Wir leben auf einer Insel der Seligen“, sagt Claus-Henning Guthard. Ihr Haus liegt an der Geißeichstraße. Jedoch nicht direkt an der viel befahrenen Straße, sondern etwas entfernt in einem kleinen Gebiet – ruhig und dennoch zentral. „Die Bushaltestelle ist drei Minuten entfernt, der Wald liegt direkt gegenüber und auch in der Stadt oder auf der Autobahn ist man schnell“, sagt Claus-Henning Guthard.

„Wir waren die ersten Interessenten“

In der direkten Nachbarschaft liegt das Eduard-Pfeiffer-Haus. In dem ehemaligen Kinderheim befinden sich heute Eigentumswohnungen. Auf der anderen Seite ihres Zuhauses liegt die Haug-Villa, in der die Unternehmertochter Eva Haug-Taxis bis zu ihrem Tod gelebt hat. Heute ist die Villa aus den 1930er Jahren mit dem Grundstück in Besitz der Haug-Taxis-Stiftung. Auch das Haus, in dem die Guthards wohnen, sowie das Nebenhaus gehören der Stiftung. Sie hat beide Gebäude Ende der 1990er Jahren bauen lassen.

Schiefe Laterne als Symbol

„Wir waren die ersten Interessenten“, erzählt Claus-Henning Guthard. Bei einem Spaziergang waren sie auf das Gebiet aufmerksam geworden. „Überall waren Schrebergärten“, erzählt Guthard. 1999 zog das Ehepaar an die Geißeichstraße. „Es war eine Idylle, der Ausblick ist traumhaft“, sagt er. „Es ist immer noch schön.“ Aber das Gebiet hat sich verändert.

Ein Tieflader passt kaum durch das Gebiet

Wo einstmals die Gärten angelegt waren, stehen heute Wohnhäuser oder es werden gerade welche errichtet. Sechs neue Häuser sind es insgesamt. Dafür wurde sogar eine neue Straße gebaut, die ins Gebiet hineinführt. Die meisten Häuser sind Privateigentum, entlang der Straße indes hat die Stadt zwei Mietshäuser bauen lassen. „Seit gut drei Jahren wird hier gebaut und es wird wohl noch etwas dauern, bis alles fertig ist“, sagt Claus-Henning Guthard. Teilweise sei es chaotisch zugegangen, berichtet das Ehepaar. Denn das Gebiet ist klein und ein Tieflader passt dort kaum durch. Symbolisch steht für diese Zeit die schiefe Straßenlaterne. „Da ist regelmäßig einer hängen geblieben“, erzählt Guthard. „Anfangs hat man sie immer wieder aufgestellt, jetzt bleibt sie schief.“

Doch trotz aller Unannehmlichkeiten nehmen es die Guthards gelassen. „Auch mit der neuen Bebauung muss man sagen, dass man anderswo deutlich beengter wohnt“, sagt Roswitha Guthard. Ein bisschen Charme ist mit den Schrebergärten vielleicht verloren gegangen. „Die Aussicht und die gute Luft bleiben“, sagt sie. Zudem kommt etwas neues – nämlich Nachbarn. „Bisher haben hier sehr wenig Kinder gewohnt“, sagt Roswitha Guthard. Einige sind schon dort eingezogen. Das Ehepaar würde sich freuen, wenn es noch mehr werden. „Wenn erstmal die Bauarbeiten beendet sind und hier Kinder spielen, wird das schön“, sagt sie. „Ich freue mich darauf.“

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