Sexismus an Polizeihochschule Bizarre Teamnamen – Studierende arbeiten Fußballabsage auf
Studierende an der Polizeihochschule wollten lustig sein und gaben ihren Teams sexistische und frauenfeindliche Namen. Die Schulleitung schritt ein.
Studierende an der Polizeihochschule wollten lustig sein und gaben ihren Teams sexistische und frauenfeindliche Namen. Die Schulleitung schritt ein.
Gut gemeint heißt nicht immer gut gemacht. Das gilt leider auch oft für lustig gemeint. Gerade dann, wenn der vermeintliche Humor geeignet ist, eine Gruppe der Gesellschaft zu diskriminieren. Das haben nun Studierende an der Hochschule der Polizei in Villingen-Schwenningen als Lektion erfahren müssen. Ihr Fußballturnier wurde unterbunden, weil ein paar Teams auf die nicht gerade glorreiche Idee kamen, „lustige“ Namen auszusuchen. Die waren frauenfeindlich und enthielten dazu auch noch zum Teil Referenzen auf den Prozess gegen den Inspekteur der Polizei, Andreas Renner. Der muss sich aktuell wegen sexueller Nötigung am Landgericht Stuttgart verantworten.
Was war da los? Die Studierendenvertretung Asta lud zum Fußballturnier. 94 Mannschaften mit fünf oder sechs Spielerinnen und Spielern sollten antreten, also an die 500 Studierenden. Geplant war ein Neun-Meter-Schießen. Zunächst baten die Organisatorinnen und Organisatoren darum, die Veranstaltung über die entsprechenden Kanäle der Hochschule intern bekanntzumachen. Erst dann bekam die Hochschulleitung die Unterlagen. Beim Durchschauen seien die Teamnamen aufgefallen. Genannt werden soll hier nur der „1. FC Golden Shower“, weitere waren auch noch geschmackloser. „Golden Shower“ steht für eine Sexualpraktik, bei der Urinieren einbezogen wird. Das spielt als sexuelle Vorliebe auch im aktuellen Prozess gegen den Inspekteur Andreas Renner eine Rolle, der eine 14 Jahre jüngere Kollegin zu einer sexuellen Handlung genötigt haben soll. Auch dabei ging es um das Urinieren.
Die Hochschulleitung erhielt die Unterlagen am 5. Juli, teilt der Hochschulsprecher Nico Knobloch mit. Am 6. Juli kam es dann zu einem Gespräch mit dem Asta. Dabei habe man die Werte und die Haltung der Hochschule „unmissverständlich deutlich“ gemacht. Es folgte die Absage des Turniers, das am 11. Juli hätte ausgetragen werden sollen.“ Die Hochschule für Polizei Baden-Württemberg stellt sich gegen jede Art von taktloser, respektloser und sexistischer Sprache. Auch ein scheinbar lustiger Kontext rechtfertigt das nicht“, teilt die Hochschule mit. Aufgrund dessen wurde von Prorektorin Judith Hauer entschieden, das Turnier abzusagen Der Asta als Studierendenvertretung sei mit diesem Vorgehen einverstanden gewesen. Die Entscheidung zur Absage sei also vor einer Berichterstattung der Bild-Zeitung erfolgt, und nicht in Rektion auf Presseanfragen, betont Nico Knobloch.
Eine Umbenennung wäre zu wenig gewesen, sagt Knobloch auf Anfrage. Die Hochschule für Polizei Baden-Württemberg stehe für klare Werte. „Insofern hätte eine reine Umbenennung der Teamnamen nicht ausreichend deutlich gemacht, dass es sich bei der Namensgebung nicht nur um sprachliche Entgleisungen als Form verunglückter Witzigkeit, sondern vielmehr vereinzelt um Begrifflichkeiten handelte, die nicht akzeptiert werden können“, so der Sprecher der Hochschule weiter.
Die Studierenden, die das Event ganz ohne Beteiligung der Hochschule auf die Beine gestellt hatten, sollen noch Gelegenheit bekommen, den Weg der Entscheidung nachzuvollziehen: „Zum weiteren Austausch mit den Studierenden sowie aus Gründen der Transparenz der Entscheidung zur Absage des Turniers wird am 11.07.2023 eine nicht-öffentliche Plenumsveranstaltung durchgeführt“, so Nico Knobloch. Dabei werde man über die Ereignisse der vergangenen Woche diskutieren.