Sexuelle Belästigung Verprügelt, weil sie einen Rock trug?

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Frankreich empört sich über einen mutmaßlich sexistischen Angriff auf eine Studentin in Straßburg. Die mutmaßlichen Täter sollen sich an ihrem Rock gestört haben.

Die junge Studentin erzählt dem Sender „France Bleu“ den Hergang des Angriffs der drei Männer. Foto: Screenshot/Twitter
Die junge Studentin erzählt dem Sender „France Bleu“ den Hergang des Angriffs der drei Männer. Foto: Screenshot/Twitter

Straßburg - Die junge Frau zeigt ihre blauen Flecke an den Armen in die Kamera. Das Auge und die rechte Gesichtshälfte der Studentin sind blutunterlaufen und angeschwollen. Ein mutmaßlich sexistisch motivierter Angriff in Straßburg auf eine Studentin sorgt in ganz Frankreich für Empörung. Die mutmaßlichen Täter sollen sich daran gestört haben, dass die Frau einen Rock getragen habe. In verschiedenen Online-Netzwerken reagierten viele Nutzer empört. Die junge Frau hatte dort Fotos von ihrem geschwollenen Gesicht veröffentlicht. Die Polizei hat vorläufige Ermittlungen eingeleitet.

Von drei Männern beschimpft und geschlagen

Auch die Politik meldet sich umgehend zu Wort. „In Frankreich muss man so auf die Straße gehen können, wie es einem gefällt“, betonte Regierungssprecher Gabriel Attal. Es sei völlig inakzeptabel, wenn sich „eine Frau in Gefahr fühlt, beleidigt, bedroht oder geschlagen wird wegen ihrer Kleidung“. Die Regierung in Paris hat erst vor wenigen Wochen den Kampf für mehr Sicherheit im Land zu einem ihrer Schwerpunktthemen gemacht.

Die 22 Jahre alte Studentin wurde nach eigenen Angaben vergangenen Freitag am helllichten Tag nahe der Straßburger Innenstadt von drei Männern erst beschimpft und dann geschlagen, weil sie einen Rock trug. Die Männer hätten sie „Schlampe in einem Rock“ genannt, sagte die Frau dem regionalen Radiosender „France Bleu Alsace“. Anschließend hätten sie zwei der Männer festgehalten und der dritte ihr ins Gesicht geschlagen bevor sie flohen, so die Studentin. Sie erhob zudem Vorwürfe gegen Zeugen des Angriffs. Rund 15 Menschen hätten diesen gesehen, aber nichts unternommen, sagte die 22-Jährige.

Ministerin reist nach Straßburg

Die beigeordnete Ministerin im Innenministerium und Ex-Staatssekretärin für Gleichstellung, Marlène Schiappa, reiste am Mittwoch sogar nach Straßburg, um sich dort mit Vertretern der Polizei und Präfektur zu treffen und über einen besseren Schutz für Frauen zu sprechen. „Der Rock ist nicht für den Angriff verantwortlich und die Frau noch weniger“, sagte Schiappa dem Sender „France Bleu“. Sichtlich bestürzt zeigte sich die Ministerin angesichts der Tatsache, dass niemand der Frau zu Hilfe kam und sich offensichtlich noch kein Zeuge des Vorfalls bei der Polizei gemeldet hat. „Sobald man sieht, dass eine Frau in ihrer Bewegungsfreiheit behindert wird, dass ein Mann oder eine Gruppe von Männern eine Frau belästigt oder ihr folgt, sollte niemand zögern, die Polizei zu benachrichtigen“, forderte Schiappa mögliche Zeugen auf, Zivilcourage zu zeigen und sich zu melden.

Übergriffe werden kaum angezeigt

Die Belästigung von Frauen auf offener Straße sei kein Problem, das in Straßburg überdurchschnittlich häufig vorkomme, erklärte die neue Straßburger Bürgermeisterin Jeanne Barseghian. In den vergangenen zwei Jahren wurden in ganz Frankreich rund 1800 Verwarnungen ausgesprochen, davon nur 27 im Département Bas-Rhin. Marlène Schiappa betonte aber, dass die Dunkelziffer an Übergriffen wesentlich höher sei. Auch Frauenaktivistinnen erklären, dass nur ein Bruchteil der Vergehen überhaupt angezeigt werde. „Viele Frauen schweigen, weil sie glauben, dass die Polizei nichts unternehmen wird, dass die Angreifer schwer zu finden sind oder dass ihre Beschwerde im Müll landen wird“, sagt Anne-Cécile Mailfert, Präsidentin der Fondation des Femmes (Frauenstiftung).

Um dieses Missverhältnis zu ändern, wird in Straßburg in den kommenden Monaten eine Sozialarbeiterin der Polizei zur Seite gestellt, erklärte Marlène Schiappa beim Besuch der Präfektur. Auch in anderen Städten sollen ähnliche Stellen geschaffen werden, insgesamt 80 in ganz Frankreich. Damit solle der Dialog zwischen Opfern geschlechtsspezifischer und sexueller Gewalt und der Polizei verbessert werden.




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