Sielmingen Lärmaktionsplan stößt auf Skepsis

Von Götz Schultheiss 

Die Bürgerinitiative gegen Verkehrslärm hält punktuelle Tempo-30-Zonen für unzureichend und plädiert für Tempo 30 auf allen Hauptverkehrsstraßen in allen Stadtteilen.

Nicht auf aktuellen Messungen wie hier, sondern auf Berechnungen auf der Basis jahrealten Datenmaterials beruhen die Ergebnisse des Lärmaktionsplans. Foto: dpa-Zentralbild
Nicht auf aktuellen Messungen wie hier, sondern auf Berechnungen auf der Basis jahrealten Datenmaterials beruhen die Ergebnisse des Lärmaktionsplans. Foto: dpa-Zentralbild

Sielmingen - Die Konsequenzen aus dem Lärmaktionsplan für Filderstadt stoßen bei den Anwohnern lauter Straßen auf ein zwiespältiges Echo. „Natürlich sind wir für jeden Schritt, der Verkehrslärm verhindert“, sagt Angelika Müller, die Sprecherin der Bürgerinitiative Verkehrsentlastung Sielmingen. Die Initiative, die sich seit gut 17 Jahren für Lärmschutz, vor allem an der Bahnhofstraße, der Reutlinger Straße und der Sielminger Hauptstraße einsetzt, begrüßt ausdrücklich die Einführung von Tempo-30-Zonen wie etwa auf einem Teilstück der Bonländer Hauptstraße in Bonlanden.

Forderung nach generellem Temo 30

„Wir können aber nicht nachvollziehen, warum die Verwaltung nicht alles überdenkt und nicht aus allen Hauptverkehrsstraßen in den Stadtteilen 30er-Zonen macht“, sagt Müller. Sie wohnt an der Bahnhofstraße, einem der Lärmknotenpunkte in Sielmingen. Die Anwohner erbost, dass es jetzt zwar ein Durchfahrtsverbot für Lastwagen gibt, dies verkehrsrechtlich aber hinfällig wäre, wenn tags und nachts Tempo 30 gelten würde. „Die Straße ist für Lastwagen ab 3,5 Tonnen und für Anlieger frei. Besser wäre es, die Straße für Lastwagen zu sperren, aber Lieferverkehr zu erlauben“, ergänzt Eugen Franz, den die Bürgerinitiative wegen seiner Sachkenntnis in Verkehrsausschüssen im Kreis Esslingen schätzt.

Tempo 40 für Lärmreduzierung zu wenig

Tempo-40-Zonen, wie sie der Stadtrat Richard Briem (Freie Wähler) im Namen seiner Gemeinderats-Fraktion gefordert hatte, lehnt Franz als „Aktionismus ohne Wirkung“ ab. Auch die Lärmgutachter des Aktionsplans, den jede Kommune EU-weit erstellen muss, hatten sich dagegen ausgesprochen. Sie halten Tempo 40 ebenfalls für unwirksam, denn die geforderte „spürbare Lärmminderung“ wird nur bei einer Verringerung um drei Dezibel erreicht – und somit bei 30 statt 50 Kilometer in der Stunde. Die Geschwindigkeitsreduzierung ist aber nur erlaubt, wenn die gesundheitsgefährdende Lärmschwelle von 70 Dezibel am Tag und 60 Dezibel nachts überschritten wird. Die Bürgerinitiative hält den Gutachtern unpräzises Vorgehen vor: Die Arbeitsweise der Lärmgutachter, die ihrer Arbeit einige Jahre alte Verkehrszählungen zugrunde legen und diese mit Formeln auf den heutigen Zustand hochrechnen, hält die Initiative für ungenau. „Nur aktuelle Messungen können zeigen, wie schlimm es hier wirklich ist“, sagt Müller.

Angelika Müller und Eugen Franz Foto: Schultheiss

Die Bedenken der Stuttgarter Straßenbahnen (SSB), die für den Linienbusverkehr zuständig sind, sie könnten bei Tempo 30 die Fahrpläne nicht mehr einhalten und die Passagiere nicht mehr rechtzeitig zur S-Bahn bringen, hält die Initiative für unbegründet. „Tempo 30 erreichen die Busse, die hier im Stau stehen, jetzt nicht einmal, und sie halten dennoch ihren Fahrplan ein“, sagt Müller. An den großen Effekt neuer Fahrbahnbeläge, die erst mittelfristig im Bereich von fünf bis zehn Jahren bei Fahrbahnsanierungen geplant sind, glaubt Eugen Franz nicht so recht: „Asphalt, der wirklich gut Lärm reduziert, ist unerhört teuer, weil die Bestandteile aus dem Ausland importiert werden müssen. Das Einzige, was uns helfen würde, wäre eine Umgehungsstraße, aber die kommt wohl nie.“




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