Der österreichische Mega-Pleitier meldet für sich Insolvenz an. Es ist gut möglich, dass er relativ billig davon kommt, weil sein Geld in Stiftungen im Familienumfeld gebunkert ist.

Das sei Trick 17, sagt Gerrit Heinemann trocken. „Ich gehe davon aus, dass René Benko so luxuriös weiterleben kann wie bisher“, meint der Wirtschaftsprofessor von der Hochschule Niederrhein. Denn bei den verschiedenen Stiftungen, auf denen die Hand des ehemaligen Immobiliengiganten liegt, könne man nicht zugreifen, so die Einschätzung Heinemanns.

 

Die Nachricht hatte am Donnerstag für Aufsehen gesorgt: René Benko, dessen riesiges Firmenkonstrukt im November vergangenen Jahres wegen Überschuldung vollkommen zusammengebrochen ist, hat als Unternehmer Insolvenz angemeldet. Damit geht es, wie bei einer Privatinsolvenz, um sein persönliches Vermögen, auf das der Insolvenzverwalter Zugriff hat.

So weit, so klar – allerdings nur auf der formalen Ebene. Danach wird es kompliziert. „Die große Frage lautet doch: Was ist denn sein Vermögen?“, rätselte Cornelia Wesenauer vom Alpenländischen Kreditorenverband (AKV). Der AKV ist eine Gläubigerschutzorganisation. Und über diese Frage diskutiert gerade halb Österreich und alle, die mit den Benko-Firmen zu tun hatten.

Gewinne auf die Seite geschafft?

Dieser hat mit dem Signa-Firmengeflecht hohe Gewinne gemacht und diese vermutlich zu großen Teilen auf die Seite geschafft. Doch die vielen Gläubiger – also Unternehmen, Banken, Versicherungen oder auch Einzelpersonen, die ihm Geld gegeben haben – sitzen auf riesigen Verlusten. Verschiedene Konkursverwalter in Deutschland und Österreich versuchen, einzelne Teilfirmen zu Geld zu machen, so gut das eben geht.

Zentral sind die verschiedenen Privatstiftungen, die Benko gegründet hat. Dazu zählen die Familie-Benko-, die Laura- (benannt nach seiner Tochter) und die Ingbe-Stiftung, deren Namensträgerin Benkos Mutter Ingeborg ist und die ihren Sitz in der Steueroase Liechtenstein hat. In die Stiftungen flossen Gewinne der Unternehmen. Die Begünstigten der Stiftungen sind geheim, sie dürften aber nicht René Benko heißen, sondern in seinem Familienumfeld zu finden sein. Auch gehört Benko keines der über 1000 Unternehmen des Signa-Imperiums direkt.

Benko war einst ein junger, steil aufsteigender Musterunternehmer, bestens in der Politik vernetzt, dem scheinbar alles gelang. Den Investoren blinkten die Dollarzeichen in den Augen. Er stemmte große, edle Immobilienprojekte in Österreich, Deutschland und Italien, überall in den besten Lagen. Doch dann stiegen die Kreditzinsen, die Kosten am Bau verteuerten sich rasant, die Nachfrage brach ein. Die bekanntesten Benko-Hinterlassenschaften sind die Kaufhauskette Galeria-Karstadt-Kaufhof (jetzt in Insolvenz), der zu einem Drittel fertiggestellte Elbtower in der Hamburger Hafencity (Zukunft ungewiss) sowie die KaDeWe-Gruppe (insolvent, kann man kaufen).

Benkos Luxus-Lebenswandel

Im für Benko besten und für die Gläubiger schlimmsten Fall wird er kein persönliches Vermögen vorweisen, das man holen könnte. Hoffnung auf Aufklärung wird dennoch verbreitet. „Der Insolvenzverwalter hat einen großen Werkzeugkoffer“, sagt Karl-Heinz Götze vom Wiener „Kreditschutzverband von 1870“.

Konkreter wird aber nun der Luxus-Lebenswandel von Benko unter die Lupe genommen. Ein Parlaments-Untersuchungsausschuss prüft gerade Benkos steuerliches Verhalten. So kam am Donnerstag heraus, dass er für seinen Jet Ausgaben geltend machen konnte, ein Beamter sagte, dass der Steuerzahler den Flieger „bisher mit neun Millionen Euro mitfinanziert“ habe. Den Salzburger Wirtschafts-Professor Leonhard Dobusch, ein Kenner der Causa Benko, wundert auch das nicht. Der Jet sei eben als eine Art Dienstfahrzeug angesehen worden, sagt er. „Zwar gibt es das Dienstwagenprivileg“, so Dobusch, „aber die Kosten für einen Ferrari kann man ja auch nicht voll absetzen.“ Ebenso sollte geschaut werden, meint Dobusch, was aus den Millionen Euro an Beraterhonoraren für Benko geworden ist. Diese habe er für die Beratung seiner eigenen, formal unabhängigen Signa eingestrichen. Dobusch geht davon aus, dass Benko dennoch nicht als armer Mann endet: „Es würde mich wundern, wenn er später in einer Genossenschaftswohnung in Innsbruck lebt.“

Das vermögen hat sich halbiert

In die Tiroler Landeshauptstadt und an seinen Geburtsort hat es Benko, dessen Vermögen sich laut „Forbes“ von Sommer 2023 bis November 2023 mehr als halbiert hat auf 2,5 Milliarden Euro, in den letzten Jahren wieder mehr und mehr gezogen. So wurde etwa der Sitz der Signa Holding als Dachgesellschaft von Wien nach Innsbruck verlagert. Grund dafür könnte sein, so wird im Untersuchungsausschuss gemutmaßt, dass Benko mit den Wiener Finanzbehörden Ärger bekam. Und dass die Steuerbeamten in seiner Heimat ihm gewogener entscheiden.