Silent Disco nennt sich diese Art von Veranstaltung, die nun schon zum zweiten Mal in Sindelfingen stattfindet. „Das Konzept ist eigentlich ganz einfach“, erklärt Isabel Köstel von der Jugendbürgerstiftung, die die Silent Disco gemeinsam mit ihren Kolleginnen Isabell und Melissa Vogler, Nathalia Ahmadi-Nia, Ines Brunenberg, ihrem Kollegen Patrick Schmid sowie dem Team der IG Kultur organisiert hat. „Jeder Besucher bekommt einen Kopfhörer und kann darüber die Musik hören, die er mag.“
Elektro, Pop und Schlager stehen zur Auswahl
Zur Auswahl stehen drei verschiedene Musikrichtungen: Elektro, Pop und Schlager. Die Playlists wurden von den Veranstaltern zusammengestellt. „Hauptsächlich aktuelle Lieder, die wir selbst gern hören“, sagt Isabel Köstel. Durch den wilden Stilmix entsteht in der Silent Disco automatisch eine lustige Stimmung. „Wenn alle anfangen, zu völlig unterschiedlichen Songs zu tanzen oder laut mitzusingen, ist das ziemlich witzig“, grinst Isabell Vogler. Wer welche Musikrichtung hört, bleibt den anderen Feiernden nicht gänzlich verborgen. Je nach Stil ändern die Kopfhörer nämlich ihre Farbe. Blau steht für Elektro, rot für Schlager, grün für Pop. Auch die Lautstärke kann man anpassen. „Jeder hat ja ein unterschiedliches Empfinden, was laut ist und was nicht“, sagt Isabel Köstel.
Die Kopfhörerfarbe verrät den Musikstil
Die Silent Disco bietet durch ihr einzigartiges Konzept zahlreiche Möglichkeiten. So kommt man durch den wilden Tanzmix zum Beispiel auch schnell ins Gespräch. Immer wieder kann man Gäste beobachten, die auf die Kopfhörer des jeweils anderen deuten und wissen wollen, was für Musik gerade auf den anderen Sendern läuft. Manchmal entwickelt der Raum sogar eine gewisse Eigendynamik, wenn plötzlich eine Kopfhörerfarbe dominiert. „Die Veranstaltung ist total witzig“, findet Sandra Göller, deren Kopfhörer da gerade auf blau stehen. „In einer normalen Disco hört man ja immer nur eine Musikrichtung.“ Aber hier könne man immer wieder wechseln und Musik ausprobieren, die man sonst nie hören würde. Für die 28-Jährige ist die Silent Disco ein kleines Highlight in Sindelfingen. „Toll, dass so was hier angeboten wird, das kennt man sonst nur von größeren Städten.“ Auch Robin Zürn hat viel Spaß beim Feiern in der Stille. „Die Atmosphäre ist sehr cool“, findet der 22-Jährige. „Mir gefällt auch, dass man sehen kann, was die anderen hören.“
Durch das vielseitige Angebot ist die Silent Disco etwas für sämtliche Altersgenerationen. „Wir sprengen ein bisschen den Altersschnitt“, sagt zum Beispiel die 58-Jährige Ilona, die ihren Nachnamen nicht preisgeben möchte. Die Hildrizhausenerin und ihre Freunde hatten keine Ahnung, was sie heute Abend erwarten würde. „Aber wir finden es total gut.“ Nicht nur wegen der verschiedenen Musikrichtungen. „Sondern auch, weil man sich unterhalten kann.“ Bei normalen Veranstaltungen müsse man meistens schreien, um sich zu verstehen. In der Silent Disco nimmt man einfach die Kopfhörer ab.
Für die Anwohner ist das Konzept ein Segen
Die Lautstärke beziehungsweise die Abwesenheit von Lärm ist übrigens auch der Grund, warum Silent Discos in größeren Städten seit einiger Zeit im Kommen sind. Da die Musik nur über Kopfhörer läuft, entsteht für Anwohner aus angrenzenden Wohngebieten keine Lärmbelästigung. „Deshalb können wir uns auch vorstellen, eine Silent Disco künftig regelmäßig zu veranstalten“, sagt Thilo Münz von der IG Kultur. „Wir stören damit ja niemanden.“ Für die IG Kultur sei die Veranstaltung wiederum eine gute Gelegenheit, um neues, junges Publikum anzulocken und unser Repertoire zu erweitern.
Viele Besucher kommen spontan
Im Vergleich zur ersten Auflage waren die Voranmeldungen diesmal allerdings etwas verhalten. Erst über die Abendkasse füllt sich der Pavillon immer mehr. „Man merkt, dass Flexibilität den Leuten immer noch wichtig ist“, sagt Thilo Münz. „Und natürlich können sich auch immer noch nicht alle Leute etwas unter einer Silent Disco vorstellen.“