Silvester im Rems- Murr-Kreis So wurde das neue Jahr begrüßt

Sportlich ins neue Jahr ging es beim Silvesterlauf in Backnang. Foto: Gottfried Stoppel

Das neue Jahr kann auf ganz unterschiedliche Art gefeiert werden – wir haben uns im Rems-Murr-Kreis umgeschaut, wie sich die Menschen auf 2024 eingestimmt haben.

Rems-Murr: Eva Schäfer (esc)

Böller und Raketen gehören für viele zum Jahreswechsel dazu, doch einige lassen das Jahr auch sportlich wie beim Silvesterlauf in Backnang oder besinnlich mit einer Wanderung beispielsweise auf den Fellbacher Kappelberg beginnen. In den Zentren der historischen Fachwerkstädte waren Raketen und Co. tabu – zu hoch ist die Brandgefahr. Auch in Schorndorf war eine Sperrzone ausgewiesen. Das große Aufräumen nach der Party stand auch wieder an – mit säckeweise Müll.

 

Ruhiger Start am Naturfreundehaus

Wer es ruhiger und naturverbunden angehen wollte zum Jahreswechsel, konnte sich zum Fellbacher Naturfreundehaus aufmachen. Nicht nur mit seiner Lage auf dem Kappelberg ist das Haus einen Ausflug wert. Ehrenamtliche bewirteten mit Kartoffelsuppe und Co. zum Jahreswechsel – die ungezwungene Atmosphäre zieht Besucher aller Generationen an. So auch ein junges Paar, das am späten Vormittag eine kurze Rast machte. „Wir sind bei Verwandten zu Besuch in Fellbach und kommen aus Frankfurt“, erzählten die beiden. Über das Internet hätten sie sich eine Tour ausgesucht, mit dem Ziel, hier einzukehren. „Am Silvesterabend gehen wir noch mal mit einem Sekt auf den Kappelberg und stoßen an“, sagte die 26-Jährige gut gelaunt. Gute Stimmung hatten auch Monika Duschek und Maria Dussling. Die ehemaligen Fellbacher Schulfreundinnen waren vom Waldschlössle her spaziert. „Es ist ein schöner Silvesterausflug hierher“, sagten sie unisono. Auch wenn der Silvestermorgen wolkenverhangen startete, boten sich wunderbare Ausblicke auf dem Weg durch die Weinberge und den Wald. Wer den Weg nicht kannte, konnte sich auf die Beschilderung verlassen. Neue Wegweiser wurden angebracht, sodass das Naturfreundehaus aus verschiedenen Richtungen gut angesteuert werden kann. Im Jahr 2024 feiern die Naturfreunde Fellbach übrigens ihr 100-Jahr-Jubiläum. Dabei wird ein geballtes Programm geboten. (Informationen im Internet unter der Adresse www.naturfreunde-fellbach.de).

Spaß beim Silvesterlauf in Backnang

Der Silvesterlauf in Backnang ist Kult und der sportliche Höhepunkt zum Jahresende. Die Zuschauer feuerten die mehr als 700 Läuferinnen und Läufer an, die Regen und Wind trotzten. Vom Rathaus ging es bergauf, bergab auf den 2,5 Kilometer langen Rundkurs durch die Innenstadt, der viermal bewältigt werden musste. Lokalmatador und Vorjahressieger Jens Mergenthaler legte einen souveränen Start-Ziel-Sieg hin. Er benötigte nur wenig mehr als eine halbe Stunde. Die letzte Läuferin, Nicole Fühl von den Roadrunners Wilhelmsheim, die im Reifrock und mit Schirmchen unterwegs war, kam nach rund einer Stunde und 25 Minuten ins Ziel, durchnässt und glücklich. Der Mehrheit der Teilnehmenden ging es mehr um die Gaudi als um sportliche Höchstleistungen. Viele hatten sich verkleidet, Ronja Müller vom TC Backnang lief als Schneemann mit Feuerwehrleuten und American Footballern der Backnang Wolverines. Applaus gab es für die Spitzensportler, die Rekorden hinterherjagten, sowie für die Breitensportler, und alle wurden von der Guggenmusik des Backnanger Karnevals-Clubs angetrieben.

Böller sind in der Altstadt tabu

„Feuerwerkskörper-Verbotszone“ – in Schorndorf hingen wie etwa auch in Waiblingen Schilder an den Eingängen zur historischen Altstadt, um auf die Sperrzone für Böller und Co. hinzuweisen. Für manche Einwohner war jedoch schon von vornherein klar, dass sie sich gar nicht erst in die Innenstadt um Mitternacht aufmachten. „Wir feiern lieber auf dem Balkon“, sagte ein Schorndorfer schon am Silvestermorgen. Hanna Gammel steuerte in der Silvesternacht zielstrebig ihre Wohnung in einem der historischen Fachwerkhäuser an. Sie wollte noch rechtzeitig vor der Knallerei zu Hause sein. „Ich bin froh, dass das Böllern in der Altstadt verboten ist“, sagte sie, „aber einige halten sich nicht dran.“ Die Polizei kontrolliere, aber könne ja auch nicht überall sein, meinte die Schorndorferin. „Die Häuser sind hier sehr eng aneinander gebaut“, sagte sie, umso wichtiger sei es, dass keine Brände entstehen. Sie selbst erinnere sich noch an einen Brand im ehemaligen Ochsen vor vielen Jahren, der an ihrem Wohnhaus angrenzte. „Der Feuerwehrmann stand mit einem Fuß auf dem Dach des Ochsen und mit dem anderen auf unserem Dach“, berichtete sie. „Ich war so froh, als es hieß, dass es unter Kontrolle ist.“ Das Feuer damals sei jedoch nicht an Silvester ausgebrochen. Kurz vor Mitternacht pilgerten Grüppchen mit Sekt über den Marktplatz – Richtung Schorndorfer Bahnhof, wo dann mit Raketen und Co. gefeiert und aufs neue Jahr angestoßen wurde. Immer wieder rollte auch eine Polizeistreife durch die Gassen.

Säckeweise Müll nach der Knallerei

Mehr als hundert Mitglieder der Ahmadiyya Muslim Gemeinde machten sich am Neujahrsmorgen wieder auf zur Putzaktion in Kooperation mit der Stadt – in Backnang, Waiblingen, Winnenden und Schorndorf. Neu in diesem Jahr war, dass Backnang als vierte Stadt bei der Putzete hinzugekommen ist. Die Aktion startete gegen 8.30 Uhr und dauerte bis 11 Uhr. Die zu säubernden Straßen wurden von der jeweiligen Stadtverwaltungen vorgegeben. Die Bilanz lautet: 93 Müllsäcke mit den Resten der Silvesterparty – darunter 35 Säcke in Waiblingen, 13 in Winnenden, 23 in Schorndorf und 22 in Backnang. Mit dieser Putzaktion möchte die muslimische Gemeinde ein Zeichen setzen für bürgerschaftliches Engagement, teilte ein Sprecher mit. Die Putzaktionen finden bundesweit statt.

Gaudi beim Besenhockey am Neujahrstag

Die Duelle zwischen den Glatzen und Locken haben in Fellbach Kultstatus. Zum 21. Mal trafen sich am Neujahrstag die Freunde – bis in die Haarspitzen motiviert – zum legendären Benefiz-Besenhockeyspiel. Nachdem die 20. Begegnung im Vorjahr mangels Eisbahn auf Teppich gespielt worden war, kehrten die Helden in Straßenschuhen und mit Besen mit gestutzten Borsten wieder aufs Glatteis zurück. Und die Locken fuhren mit 4:2 gegen die Glatzen ihren nunmehr 14. Sieg ein. Das Spiel ist aber nicht nur eine große Gaudi, sondern auch die beste Gelegenheit, um viele gute Wünsche an die Frau und an den Mann zu bringen – sowie mit einer guten Tat ins neue Jahr zu starten. Denn die Freunde mit und ohne Haare rufen immer zu Spenden für einen guten Zweck auf, und die vielen Besucher sind stets spendabel. Diesmal geht das Geld an die Aktion 6666 der Zeitung.

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