Vier Fraktionen fordern in einem gemeinsamen Antrag, das Postareal unter der Regie der Stadt zu entwickeln.

Sindelfingen - Auf keinen Fall will Tobias Bacherle eine weitere Shoppingmall à la Milaneo, Gerber oder Böblinger Mercaden in der Sindelfinger Innenstadt. Und da ist sich der junge Stadtrat der Sindelfinger Grünen völlig einig mit seinen Gemeinderatskolleginnen Dorothee Kadauke von den Freien Wählern und Birgit Wohland-Braun von der SPD.

 

Doch alle drei eint die Angst, dass genau so etwas auf dem Filetstück in der Innenstadt entstehen könnte: auf dem Gelände, wo die alte Volksbank an das Postareal grenzt. Was auf diesem Grundstück, dem Eingangstor zur Altstadt, entstehen soll, das wird eine der großen Fragen der kommenden Jahre sein. Und eines machen Bacherle, Wohland-Braun und Kadauke klar: „Nicht ein Investor soll das entscheiden und planen, sondern wir Stadträte wollen das gemeinsam mit den Bürgern und der Stadtverwaltung entwickeln.“

Die CDU hat sich angeschlossen

Diesen Antrag an die Verwaltung, hinter dem jeweils die Fraktionen von Freien Wählern, SPD und Grünen stehen und dem sich auch die CDU-Fraktion angeschlossen hat, brachten Wohland-Braun, Kadauke und Bacherle am Dienstag in den Gemeinderat ein. Er umfasst drei Punkte: Die städtebauliche Entwicklung des Areals solle in städtischer Hand durchgeführt werden und nicht durch einen Investor. Zudem müsste der Gemeinderat früh in die Planung einbezogen werden, „um eine starke Bürgerbeteiligung zu entwickeln und innovative Ideen zu diskutieren“. Und drittens fordern die Antragsteller einen Planungs- und Architektenwettbewerb, um ein Gebäude zu schaffen, das die Altstadt mit der Moderne verbindet.

„Das Post- und Volksbank-Areal ist das Herz der Stadt, das Schlüsselgrundstück“, sagt Dorothee Kadauke. „Es könnte zum Anker der Innenstadt werden, der Wettbachplatz, Marktplatz und den Bahnhof miteinander verbindet.“

Entwickelt haben die drei Stadträte diese interfraktionelle Idee bereits im vergangenen September, als sie mit dem Oberbürgermeister Bernd Vöhringer auf die griechische Insel Samos reisten. Mit dieser will die Stadt eine langfristige Kooperationspartnerschaft knüpfen. „Auf einer solchen Reise hat man auch mal Zeit, sich über viele Themen auf einer anderen Ebene auszutauschen“, berichtet Wohland-Braun. Und den drei Räten brennt vor allem die Innenstadtentwicklung unter den Nägeln. „Was uns fehlt, ist ein Konzept. Es gibt viele Einzelmaßnahmen und Ideen. Aber die laufen ins Leere, wenn man sie nicht zusammen entwickelt“, sagt Tobias Bacherle.

Urban Gardening auf dem Dach

Im Postareal sehen die drei Räte die Möglichkeit zur Belebung der City. „Wenn aber der Eingang zur Innenstadt abends leer ist, dann ist das ein schwarzes Loch“, so Bacherle. Deshalb plädiert er für etwas anderes als ein weiteres Einkaufszentrum.

Ideen haben die drei Räte genug. Unter anderem könnte man ein Ärztehaus dort einrichten. „Das ist ein Frequenzbringer für die Stadt“, sagt Wohland-Braun. Kaudauke würde gerne die Geschichte des Areals aufgreifen. „Da war früher eine Gärtnerei. Wir könnten auf dem Dach ein Urban-Gardening-Projekt starten.“ Auch ein internationales Café kann sie sich vorstellen. „Das passt zu unserer internationalen Stadt.“ Und Bacherle regt an, Handwerksbetriebe und kleine Unternehmen dort anzusiedeln.

Doch es gehe nicht darum, diese Ideen auch durchzusetzen. „Wir wollen, dass vor allem die Bürger ihre Vorstellungen einbringen.“ Das müsse bereits am Anfang aller Planungen geschehen. „Wir befürchten, dass die Stadt einen Investor beauftragt, der einen Plan macht, und wir als Stadträte sollen dann darüber abstimmen“, so Bacherle. Das wollen er und die Kollegen mit dem Antrag verhindern. Die Mehrheit des Gemeinderats wissen sie hinter sich.