Sindelfinger Indie-Festival Nach zehn Jahren ist Schluss für „dit is schade“

Lokale und internationale Newcomer und das Publikum ganz nah dran – das war das Erfolgsrezept des „dit is schade!“-Festivals. Foto: Archiv/Thomas Bischof

Am Wochenende findet das zweitägige Konzertformat im Sindelfinger Jugendhaus „Süd“ zum letzten Mal statt. Der Kraftakt ist für das Orga-Team nicht mehr leistbar.

Böblingen: Edmund Langner (edi)

Nie passte der Name besser als in diesem Jahr: Mit dem Sindelfinger Bandfestival „dit is schade!“ ist es aus. Nach zehn Jahren ziehen die Organisatoren den Stecker – und wollen es zum Abschluss am Freitag und Samstag im Jugendhaus „Süd“ noch einmal richtig krachen lassen. Dabei war es nach nach drei Pandemiejahren mit von Anwohnerbeschwerden begleiteten Open-Airs und Streaming-Events lange gar nicht sicher, ob das Konzertformat für aufstrebende Indiebands und lokale Newcomer überhaupt noch mal stattfinden würde.

 

Was 2014 aus einer spontanen Idee entstanden war, entwickelte sich zu einem weithin beachteten und recht professionell organisierten Festival. Die Idee dahinter war es, der Subkultur eine Plattform zu bieten, also für Musik, die nicht unbedingt kommerziell oder radiotauglich klingt. Damit war das nach einer Songzeile benannte „dit is schade“-Festival eine Art Gegenentwurf zu „Sindelfingen rockt“ mit seinen Coverbands. „Ich habe daran nichts auszusetzen, aber mit Subkultur und Jugendszene hat das nichts zu tun“, findet der Festival-Mitbegründer und Grünen-Bundestagsabgeordnete Tobias B. Bacherle.

Das Besondere an „dit is schade“ war, dass hier immer wieder mal für ein sehr schmales Eintrittsgeld Bands zu sehen waren, die schon auf dem Sprung zum Erfolg waren – darunter zum Beispiel die Leonodien, die kurz nach ihrem Auftritt in Sindelfingen im Jahr 2017 an die Chartspitze stürmten. Hilfreich war dabei sicher, dass das Orga-Team mit den Brüdern Tim und Daniel Vogrin, Tony Hild, Fabian Glück und Tobias B. Bacherle durch ihre eigene Aktivitäten in der Musikszene gut vernetzt sind. Zudem hatte Bacherle für einige Zeit in einem selbst produzierten Youtube-Format Indie-Musiker zum Interview in einen roten VW-Bus gebeten und knüpfte so ebenfalls Kontakte.

Die Gründe für das Festival-Aus sind vielfältig. „Im Kern hat das sehr viel mit der Pandemie zu tun“, sagt Bacherle. „In den letzten Jahren haben wir wirklich alle Rücklagen aufgebraucht“, sagt der 28-Jährige, der bei dem Festival-Verein für die Finanzen und Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. „Wir haben zuletzt gemerkt, dass die Konzertkultur sich krass verändert hat“, stellt der Grünen-Politiker fest. Bekannte und große Namen würden zwar immer noch viel Publikum anlocken, kleine Formate wie „dit is schade“ täten sich dagegen ziemlich schwer. Eine aus Bacherles Sicht durchaus positive Entwicklung ist, dass nach der Pandemie die Künstlergagen gestiegen seien – wodurch es allerdings für den Verein zunehmend schwerer geworden sei, die Festivalkosten von rund 13 000 Euro (bei Open-Airs sogar bis zu 20 000 Euro) zu tragen. Hinzu kommt, dass die ehemals Jugendlichen mittlerweile im Berufs- oder Studienleben stehen und ihren Wohnsitz meist nicht mehr in Sindelfingen haben. Das Ende von „dit is schade“ ist deshalb die logische Konsequenz.

Höhere Künstlergagen sind gut – machen es Ehrenamtlichen aber schwer

Was bleibt, sind Erinnerungen: zum Beispiel an die beiden Male, als die Band Ash Is A Robot extra aus ihrer portugiesischen Heimat nach Sindelfingen angereist war und einmal sogar ein Zugaben-Konzert auf der kleinen Foyer-Bühne im „Süd“ gab. „Der Anblick, wie Sänger Claudio auf den Balken stand und sich an der hohen Süddecke abstütze, war unvergesslich“, schaut der Vereinsvorsitzende Tim Vogrin zurück. Sein Bruder Daniel hat dagegen den Zwangsumzug vom „Grünen Platz“ in der Innenstadt in den Sommerhofenpark nach Lärmbeschwerden und Anzeigen von Anwohnern noch in lebhafter Erinnerung. „Wir mussten innerhalb von vier Tagen eine neue Bühne, Anlage, Toiletten und im Prinzip das ganze Gelände im Amphitheater am Herrenwäldlesberg organisieren. Der Support von Stadt, anderen Vereinen und Unternehmen war dabei echt besonders“, sagt er.

Mit dem letzten „dit is schade“ wollen die Macher mit den Worten von Tobias B. Bacherle„noch einmal richtig Tschüss sagen“– und mit dem Auftritt der deutsch-iranischen Sängerin Maryam noch einmal zeigen, dass junge Musik auch für Haltung steht. Ganz zurückziehen werde man sich vielleicht doch nicht aus der Sindelfinger Szene. „Ich kann mir gut vorstellen, dass wir uns bei der Ufersession im Rahmen der Wassermusik am Klostersee beteiligen“, lässt Bacherle noch einen Funken Hoffnung für die Subkultur.

Zwei Tage Livemusik im „Süd“

Programm
Am Freitag, 15. September, startet das Festival um 17 Uhr im Jugendhaus Süd (Schwertstraße 11/1) unter anderem mit Sperling (Rock mit Cello), Nikra (Punk-Rock), Iedereen (Punk-Rock) und Julian Wirth (Saxofon). Am Samstag, 16. September, geht es um 16 Uhr los. Am Start sind Pano (Indie), Blush-Always (Indie), Thary (Hip-Hop), Future Franz (deutschsprachiger Synthie-Pop-Rap) und die deutsch-iranische Künstlerin Maryam.

Vorverkauf
 Tickets (gültig für beide Tage) für 12,50, ermäßigt 10 Euro, sind unter: www.ditisschade-festival.de erhältlich.

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