Sinfonieorchester am Albert-Einstein-Gymnasium Böblingen Ehemalige Schüler rühren ihren Lehrer tief

Stephan Bergdolt leitet das Orchester seit 1996. Foto: /Stefanie Schlecht

Das Sinfonieorchester am Albert-Einstein-Gymnasium hat 50 spannende Jahre auf dem Buckel. Für das Jubiläumskonzert am Samstag zieht Leiter Stephan Bergdolt circa 100 ehemalige Mitglieder an Land. Einige nehmen dafür weite Reisen auf sich.

1974 fing alles an. Da hat Walter Pfohl das Sinfonieorchester des Albert-Einstein-Gymnasiums (AEG) in Böblingen gegründet. Ein Musikprofil und Chorarbeit hatte die Schule damals bereits. 1983 hat Walter Pfohl mit dem Ensemble einen Orchesterwettbewerb gewonnen, ebenfalls in den Achtzigern spielte das Orchester einmal mit der Berliner Philharmonie. „Er hat das Orchester groß herausgebracht“, sagt Stephan Bergdolt. „Es hat inzwischen eine sehr große Tradition.“

 

Bergdolt leitet das Orchester heute – bereits seit 1996. Und seitdem hat der 58-Jährige dem Ensemble selbst auch einiges an Tradition beschert. Reisen in die USA zum Beispiel, wo die Schüler in und um den Bundesstaat Michigan Konzerte spielten.

Live-Auftritt in einem griechischen Klassiksender

Oder Reisen nach Griechenland, wo das Ensemble vor den berühmten Säulen zu Korinth oder am Hafen von Ägyon Auftritte hatte. Da es in Griechenland keine klassischen Konzertsäle gebe, haben die Konzerte an besonderen Orten stattgefunden, erzählt Stephan Bergdolt: Auf Dorfplätzen, in antiken Theatern, am Strand – oder im Radio. Denn auf einem griechischen Klassiksender waren die Böblinger Musiker auch schon live zu hören.

Es war also wirklich viel los in den vergangenen 50 Jahren. Zeitweise spielten bis zu 160 Musiker mit. Bei einer solchen Tradition muss das 50-jährige Jubiläum natürlich gebührend gefeiert werden.

Das ist auch der Plan: Zum Jubiläumskonzert an diesem Samstag hat Stephan Bergdolt ehemalige Mitglieder eingeladen, mitzuspielen. „Ich habe überlegt, wie man zum Jubiläum etwas Besonderes machen könnte“, sagt er. Die Alumni-Idee gab es schon am AEG: Bei einem Chorkonzert im Mai 2023 seien etwa fünfzig ehemalige Mitglieder gekommen. Also hat er per Mail die ehemaligen Mitglieder des Orchesters angeschrieben. „Ich dachte, es kommen vielleicht 30 und spielen mit – jetzt kommen mehr als 100“, sagt er. Er ist sichtlich berührt von den vielen positiven Rückmeldungen. Zumal einige recht weite Reisen auf sich nehmen, um mitzuspielen. Das Weiteste ist Berlin. Deshalb gebe es auch nur ein Konzert: Die Leute müssen danach wieder nach Hause kommen. „Wir könnten die Halle eigentlich zweimal füllen“, sagt er.

Das Problem sind nicht die Proben – sondern der Platz auf der Bühne

Wie da die Proben ablaufen? „Im Dezember haben wir mit gut sechzig Leuten schon mal geprobt“, sagt Stephan Bergdolt. Viele seien um Weihnachten herum in der Gegend gewesen. Bei den Proben wurde deutlich: Das Hauptproblem ist der Platz auf der Bühne. Denn auf der wird es bei mehr als 100 Musikern plus Instrumenten ziemlich eng. „Wir haben 30 Geigen und 25 Cellisten – allein die brauchen schon unglaublich viel Platz“, sagt Bergdolt. Deshalb wurde die Bühne durch einen kleinen Anbau erweitert.

Weit weniger problematisch ist es, die Stücke als Orchester einzuüben. „Ich muss eigentlich gar nichts sagen“, sagt der Dirigent. Er habe Stücke ausgesucht, die im Orchester schon einmal gespielt wurden. Für viele sind sie also schon bekannt. „Der Rest ist Heimarbeit“, sagt Bergdolt. Alle proben einzeln zuhause. „Und dann setzen wir es zusammen.“ Für manche sei es zwar schon eine Herausforderung, aber man merke, dass alle viele Jahre im Orchester gespielt haben. „Sie kommen rein und wissen, wo sie sitzen und was sie spielen“, sagt Bergdolt. Er müsse dann nur noch den Taktstock heben. „Ich war unsicher, ob das so funktioniert“, sagt er. „Aber dann haben wir einfach gespielt.“

Und wer spielt mit? Das älteste ehemalige Mitglied hat 1990 Abi gemacht und ist in den Fünfzigern. Die meisten jedoch hätten die Schule in den vergangenen 15 Jahren verlassen. Einige studieren die Instrumente inzwischen, wie Luisa Schwegler, die mit Geige und Klavier schon viele Preise gewonnen hat. „Eine Schülerin hat sich bei mir gemeldet und gesagt, sie könne aus gesundheitlichen Gründen kein Instrument mehr spielen“, sagt Bergdolt. „Sie hat dann gefragt, ob sie die Moderation machen darf.“ Bei all diesen Erfahrungen fühlen sich offensichtlich viele nach wie vor zum Orchester hingezogen. „Es ist für viele auch toll, wieder mit Freunden zu spielen“, sagt er. Obwohl viele ja gar nicht zusammen gespielt hätten.

Bei aller Freude – es gibt auch Sorgen

So rührend das alles klingt, es sieht nicht alles rosig aus. Seit der Corona-Pandemie sieht Bergdolt einen deutlichen Rückgang im Musikzug des AEGs. Noch vor fünf Jahren sei das Orchester doppelt so groß gewesen wie jetzt. Das liege einerseits an den Stundenplänen: „Viele Schüler haben viermal pro Woche Mittagsunterricht“, sagt er. „Wer dann noch im Orchester mitmacht, hat keinen freien Nachmittag mehr.“

Ein anderer Grund sei auch die Politik. Während zurzeit viel in die Digitalisierung gesteckt werde, bekomme die Musik nicht die Aufmerksamkeit, die sie verdient. Dabei habe man hier durchaus etwas zu bieten. Überall auf der Welt werde europäische Musik gespielt – diese Tradition gehe aber leider etwas unter. Umso höher hält Bergdolt sie. Und die mehr als 100 Musiker, die am Samstag am AEG spielen werden.

Das Jubiläumskonzert des AEG-Sinfonieorchesters

Das Konzert
 Das findet am Samstag, 13. Januar, um 19 Uhr in der Aula des AEG statt. Zunächst spielt das Juniororchester (Klassen 5 bis 9). Danach ist das Sinfonieorchester (Klassen 9 bis 12) dran, und auch Solisten aus dem Abiturjahrgang sind zu hören. Nach der Pause spielt dann das Orchester der ehemaligen Mitglieder, unter anderem mit dem Sinfonieorchester – dann stehen bis zu 130 Musiker auf der Bühne.

Die Tickets
 Wer zum Konzert kommen möchte, muss sich beim Sekretariat der Schule melden unter: 07031/6694443. Die Karten kosten 6 beziehungsweise 3 Euro. Sie sind nur im Vorverkauf erhältlich.

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