Sinfonieorchester Leonberg Ein akustisch heftiger Regenschauer

Von Alexander Walther 

Beim Sommerkonzert begeistert das Sinfonieorchester unter der Leitung von Alexander G. Adiarte.

Es war ein tolles Konzert, das das Sinfonierorchester gezeigt hat. Foto: factum/Bach
Es war ein tolles Konzert, das das Sinfonierorchester gezeigt hat. Foto: factum/Bach

Leonberg - Wieder hat das Sinfonieorchester Leonberg unter der wie im­­­mer einfühlsamen Leitung von ­Alexander G. Adiarte wie aus einem Guss musiziert. Man brachte die Romantik in ansprechender Weise mit der Spätromantik ­zusammen. Gleich zu Beginn erklang die recht aufwühlend musizierte Ouvertüre aus „Die erste Walpurgisnacht“ op. 60 von Felix Mendelssohn Bartholdy. Innigkeit des Musizierens und Ebenmäßigkeit der Form wechselten sich mit charakteristischen Klangfarben ab. Auch lyrisch-durchsichtige Sequenzen waren neben den ­gespenstischen Arabesken und Kaskaden eines entfernten Hexensabbats herauszuhören. Fallende Streicherstimmen symbolisierten hier einen akustisch heftigen Regenschauer. Auch ein energisches Marschthema setzte sich dabei konsequent durch.

Bundespreise beim renommierten Wettbewerb „Jugend musiziert“ erhielt Constantin Gerstein-Ichimescu (Fagott), der die reizvollen chromatischen Girlanden des harmonisch interessanten Konzerts für Fagott und Orchester von Gioacchino Rossini voll auskostete. Die Melodienseligkeit des „Schwans von Pesaro“ kam kostbar-leichtbeschwingt daher, wobei Constantin Gerstein-Ichimescu vom Sinfonieorchester Leonberg facettenreich begleitet wurde. Leichtsinn, Grazie und Schwung arbeitete der Solist immer wieder bravourös heraus. Die vorwärtsdrängenden Themen erreichten eine geradezu elektrisierende Wirkungskraft. Spannungsreiche Ostinati mit Crescendo­Wirkung ließen nicht lange auf sich warten.

„Heldensinfonie“ ist der Höhepunkt

Der Höhepunkt dieses künstlerisch hochwertigen Abends war die prachtvolle Wiedergabe der zweiten Sinfonie in h-Moll, der so genannten „Heldensinfonie“, von Alexander Borodin. Weingartner meinte über dieses Werk, dass man das russische Leben gar nicht kennen müsse, man erhalte bei dieser Sinfonie ein vollkommen klares Bild davon. Und so interpretierte der Dirigent Alexander G. Adiarte dieses Werk auch. Rimskij-Korssakoff und Glasunow retuschierten diese Partitur detailliert, so dass der leidenschaftliche „Hymnus an die russische Natur und an die Sonne, die die russischen Felder bescheint“ voll zur ­Wirkung kam. Die Themen besaßen den Charakter von Volksliedklängen. Gleich die robust musizierte Eröffnung des Allegro-Satzes wies auf die Zwiespältigkeit der ­russischen Seele hin. Volkslied-Munterkeit und heiteres Pathos setzten sich bei der Interpretation durch. Das Kopfmotiv ­entfaltete sich in majestätischer Größe.

Auch die verträumten Melodien des Trios kamen nicht zu kurz. Ein stimmungsvolles Hornthema beherrschte dann das verträumte Andante, das sich zu hymnisch-leidenschaftlicher Emphase steigerte. Das tanzfrohe Treiben des Finales riss alle ­Zuhörer unmittelbar mit. Die originalen Themen wurden einfallsreich variiert, Wildheit und Übermut brachen überall durch. Aber es klang alles ganz anders als bei Tschaikowsky. Pizzicati- und Tremolo-Akzente der Streicher stachen facettenreich heraus. Begeisterter Schlussbeifall.