Sinfonische Blasmusik in Esslingen Selbst organisiert und preisgekrönt

Paul Jacot ist der Dirigent der Schwäbischen Bläserphilharmonie Neckar-Teck. Foto: privat

Die Schwäbische Bläserphilharmonie Neckar-Teck vereint Musiker aus dem ganzen Landkreis Esslingen. Das preisgekrönte Ensemble gastiert am Sonntag im Neckar Forum in Esslingen.

Rund 70 Musikerinnen und Musiker, allesamt engagierte Amateure, die sonst in Blasmusikvereinen spielen, haben Lust auf mehr und wollen ihre Leidenschaft für sinfonische Blasmusik ausleben. 2016 haben sie ein Zuhause gefunden: In der Schwäbischen Bläserphilharmonie Neckar-Teck realisieren sie seither zwei musikalische Projekte pro Jahr, verbessern sich von Konzert zu Konzert und gewinnen die Herzen des Publikums. Nachdem sich das Ensemble im November den ersten Platz beim Bundeswettbewerb für Auswahlorchester erspielt hat, ist es am Sonntag, 12. Februar, mit seinem neuen Konzertprogramm im Esslinger Neckar Forum zu Gast.

 

Ein sinfonisches Blasorchester ist vergleichbar mit einem klassischen Sinfonieorchester, bei dem jedoch, abgesehen vom Kontrabass, keine Streicher mitspielen. Die verstärkt besetzten Bläsergruppen der Schwäbischen Bläserphilharmonie Neckar-Teck werden unterstützt durch Harfe und großes Schlagwerk. Außerdem kommen selten zu hörende Instrumente wie etwa das Bass-Saxofon, die Kontrabass-Klarinette oder das Kontra-Fagott zum Einsatz.

Erster Auftritt in einem großen Konzertsaal

Nach erfolgreichen Auftritten in kleineren Hallen wie der Stadthalle Weilheim, dem Quadrium Wernau und dem K3N Nürtingen will die Schwäbische Bläserphilharmonie Neckar-Teck nun ihr Können erstmals in einem großen Konzertsaal unter Beweis stellen. Bei Liebhabern der sinfonischen Blasmusik mit ihrem großen Klangspektrum hat sich die Qualität des Projekt-Orchesters längst herumgesprochen, und auch in Musikerkreisen weiß man um das Niveau der Gruppe: „Die meisten unserer Musikerinnen und Musiker kommen aus dem Landkreis Esslingen, manche nehmen aber auch eine Anfahrt von bis zu 150 Kilometern auf sich“, erzählt Dirigent Paul Jacot, der von Anfang an mit von der Partie war.

Susanne Häbe, die zweite Vorsitzende des als Verein organisierten Orchesters, erinnert sich an die Anfänge 2016: „In vielen Musik- und Blasmusikvereinen gibt es sehr ambitionierte, semiprofessionelle Amateurblasmusiker. Sie haben sich eine Plattform gewünscht, um mit Gleichgesinnten zu musizieren, um sich weiterzuentwickeln und um an der eigenen Perfektion zu arbeiten. Solche Ensembles gibt es im Jugendbereich, aber im Erwachsenenbereich gab es das eben nicht.“

Seit der Gründung des Orchesters werden zwei Konzertprojekte pro Jahr in Angriff genommen und aufgeführt. Die Musikerinnen und Musiker studieren die Stücke zuhause in eigener Verantwortung ein. An zwei Probenwochenenden geht es dann von Freitagabend bis Sonntagnachmittag um den Feinschliff, um das Zusammenspiel der unterschiedlichen Holz- und Blechblasinstrumente und um die musikalische Ausgestaltung bis zur Konzertreife. Professionelle Ton- und Video-Aufnahmen von den Proben dienen den Ensemble-Mitgliedern als Kontrolle und Ansporn. Und sie werden in den sozialen Medien zur Werbung für die Aktivitäten des Orchesters eingesetzt: Kurze Videos demonstrieren die hoch konzentrierte Probenarbeit, witzige Clips zeigen das Treiben in den Erholungspausen, und kleine Hörproben machen Lust auf den Konzertbesuch.

Neue Mitspieler müssen vorspielen wie beim Berufsorchester

Nur einige wenige Profis spielen mit. Die Musikerinnen und Musiker sind zwischen 18 und rund 70 Jahre alt. Alle Aktivitäten werden selbst organisiert und ohne Zuschüsse und Fördergelder auch selbst finanziert. Mit großer Freude beobachtet der Dirigent Paul Jacot, wie konsequent sich das Ensemble seit seiner Gründung weiterentwickelt hat: „Sie arbeiten hart. Und das sind alles unglaublich gute Amateurmusiker. Neue Mitspieler müssen vorspielen, das ist bei uns wie bei der Aufnahme in ein Berufsorchester. Wir spielen ja auch Literatur, die im Profiorchester gespielt wird.“ Auch Susanne Häbe, die im Ensemble Querflöte spielt, gerät ins Staunen ob der musikalischen Fortschritte: „Es ist wirklich bemerkenswert, wie weit man es bringen kann.“ Innerhalb weniger Jahre ist das Ensemble bei Wettbewerben in die höchste Schwierigkeitsstufe aufgestiegen. „Das ist Bundesliga-Niveau“, betont Paul Jacot und freut sich über die Anerkennung durch die Jury des Bundeswettbewerbs für Auswahlorchester, die der Schwäbischen Bläserphilharmonie Neckar-Teck im November den ersten Platz zuerkannt hat.

Gespielt wird sowohl Originalliteratur für sinfonisches Blasorchester als auch speziell für Blasorchester instrumentierte und arrangierte Literatur für Sinfonieorchester. Paul Jacot wählt die Stücke aus. „Sie sollen alle Facetten sinfonischer Blasmusik zeigen, sie sollen die Musiker fordern, und sie sollen das Publikum kurzweilig unterhalten“, sagt er. „Dabei müssen wir immer die Balance finden: Wir haben Fans von sinfonischer Blasmusik und wir haben Publikum aus der klassischen Musik.“

Was wird gespielt?

Das Konzert
Am Sonntag, 12. Februar, um 18 Uhr (Einlass 17 Uhr) spielt die Schwäbische Bläserphilharmonie Neckar-Teck im Esslinger Neckar Forum. Karten gibt es an der Abendkasse. Da es dem Ensemble ein besonderes Anliegen ist, den Nachwuchs an die Musik heranzuführen, haben Kinder bis zum Alter von zwölf Jahren freien Eintritt.

Das Programm
Unter dem Motto „Großes Drama“ sind Alfred Reeds sinfonisches Porträt Othello, das Divertimento von Oliver Waespi aus dem Jahr 2010, das Divertimento von Leonard Bernstein und Symphonic Dances aus der West Side Story von Leonard Bernstein zu hören. Weitere Informationen unter: www.sb-neckarteck.de

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Esslingen Neckar Forum Orchester