Sinkende Schülerzahlen am Paracelsus-Gymnasium Mit Kreativität gegen das Schrumpfen

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Das Paracelsus-Gymnasium-Hohenheim hat von einem Schuljahr auf das andere 30 Prozent weniger Anmeldungen von Fünftklässlern. Schuld soll die Konkurrenz der umliegenden Schulen sein. Nun will die Schule kämpfen.

Vom Schullogo am Eingang, über Engagement im Flüchtlingsfreundeskreis bis zur Einrichtung einer offenen Ganztagsschule tut das PGH einiges, um attraktiv zu bleiben. Foto: Julia Barnerßoi
Vom Schullogo am Eingang, über Engagement im Flüchtlingsfreundeskreis bis zur Einrichtung einer offenen Ganztagsschule tut das PGH einiges, um attraktiv zu bleiben. Foto: Julia Barnerßoi

Plieningen - Das Problem wird sich nicht von allein in Luft auflösen. Davon ist Siegfried Frey, der Leiter des Paracelsus-Gymnasium-Hohenheim (PGH), überzeugt. Ganz im Gegenteil glaubt er, dass sich die Situation sogar verschlechtern wird, wenn man nur abwartet. Es geht um die sinkende Zahl der Schulanmeldungen. Mehr als 20 Schüler weniger als 2013/2014 besuchen die fünfte Jahrgangsstufe am PGH – ein Rückgang um fast 30 Prozent. Das Regierungspräsidium bestätigt die Zahlen, findet sie aber nicht besorgniserregend. Solche Schwankungen seien durchaus normal. Tatenlos werde die Schule trotzdem nicht zusehen, verspricht Frey.

Der Schock nach den Anmeldungen im vergangenen Frühjahr war vor allem deshalb so groß, da die Schülerzahl in den vergangenen Jahren kontinuierlich angestiegen sei, sagt Schulleiter Frey. Um die Gründe für den Rückgang zu finden, müsse man zudem nicht im Nebel stochern: „Wir sind das Opfer der regionalen Schulentwicklung geworden“, sagt er deutlich. Ein Grund sei, dass das Wilhelms-Gymnasium in Degerloch seit dem Schuljahr 2013/2014 wieder das Abitur nach neun Jahren anbietet. Am PGH gibt es diese Möglichkeit nicht, deshalb würden interessierte Schüler aus Birkach und Plieningen dorthin abwandern.

Konkurrenz der umliegenden Schulen

Zweiter Auslöser sei die Umwandlung der benachbarten Körschtalschule zur Gemeinschaftsschule. „Dort wird nun auch ein gymnasiales Niveau angeboten“, sagt Frey. Schüler, bei denen nicht klar ist, ob sie fürs Gymnasium geeignet sind, würden sich nun eher für die Körschtalschule entscheiden. Und dann sei da noch die Nachbargemeinde Neuhausen. Dort wurde viel Geld ins Schulzentrum investiert, berichtet Frey. Und zwar als Reaktion darauf, dass die Stadt Stuttgart ihre Schulen anhält, im Zweifelsfall nur Schüler aufzunehmen, die auch im Stadtgebiet wohnen. Bisher gab es laut Frey in jedem Jahrgang eine Klasse aus Neuhausen. In den aktuellen fünften Klassen seien es nur noch fünf Schüler. „Wir können also nicht mal was dafür“, resümiert der Rektor alle Faktoren.

Natürlich könne man nun einfach sagen, das Paracelsus-Gymnasium sei künftig eben klein, aber fein. Doch das sei nicht weit genug gedacht, sagt Frey. Weniger Schüler bedeuten weniger Geld. Das breite Profil, das die Schule derzeit anbiete, könne dann nicht mehr gehalten werden. Man müsste reduzieren, was das PGH wiederum unattraktiver machen würde. „Das würde eine Abwärtsspirale in Gang setzen“, sagt der Rektor.

Die gesamte Schule umgekrempelt

Also habe sich die Schule fürs Kämpfen entschieden. Arbeitsgruppen wurden gebildet, die gesamte Schule umgekrempelt und genau betrachtet; Anfang Oktober gab es einen pädagogischen Tag. „Es ist eine Freude zu sehen, wie begeistert alle mitmachen“, sagt Siegfried Frey. Es fing mit kleinen kreativen Dingen an: Am Eingang wurde beispielsweise das Logo der Schule angebracht – eine Idee aus einer Kooperation mit der Kunstakademie Stuttgart, aus der noch weitere Verbesserungsvorschläge für die optische Attraktivität umgesetzt werden sollen. Die Viertklässler sollen künftig noch mehr angesprochen werden, außerdem will die Schule Spanisch als dritte Fremdsprache anbieten. In diesem Schuljahr gibt es erstmals einen Schüleraustausch mit Zagreb, ebenso wie ein Sozialpraktikum. Im Stadtbezirk will sich die Schule auch stärker zeigen. Deshalb habe sich gleich eine Delegation dem Flüchtlingsfreundeskreis angeschlossen. Die Schüler des PGH wollen künftig den Flüchtlingskindern Deutschunterricht geben oder mit ihnen Fußball spielen.

Das sind nur einige Beispiele für die kleineren und größeren Veränderungen, mit denen die Schule mehr Schüler anlocken will. Die größte wurde jüngst vom Gemeinderat beschlossen. Das PGH wird vom nächsten Schuljahr an offene Ganztagsschule. Die Schüler können also künftig nachmittags nach dem Unterricht betreut werden, wenn die Eltern das wollen.

Ob sich all die Mühe lohnt, wird sich bei den Anmeldungen im März 2015 zeigen. „Wir werden sehen, ob die Maßnahmen schon nach einem Jahr wirken“, sagt Schulleiter Siegfried Frey. Was ihn betrifft, ist dieser Anschub für Veränderungen jedenfalls das Letzte, was er der Schule mitgeben kann. Denn mit dem Ende des laufenden Schuljahrs geht der Schulleiter nach sieben Jahren am Paracelsus-Gymnasium in den Ruhestand.

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