Mythos Sisi Das macht die Kaiserin auch heute noch spannend

Dominique Devenport und Jannik Schürmann bei den Dreharbeiten zur zweiten Staffel der RTL+-Serie „Sisi“ Foto: RTL/Armands Virbulis

Bei RTL+ startet die zweite Staffel von „Sisi“. Netflix setzt „Die Kaiserin“ fort. Und auch sonst bietet die Kaiserin von Österreich-Ungarn viel Stoff für TV, Kino und Literatur. Was fasziniert uns so am Mythos Sisi?

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Mal sehen die Zuschauer sie süß und unschuldig, dann wieder düster und egozentrisch oder auch rebellisch und selbstbewusst – Österreichs Kaiserin Elisabeth (1837-1898) spielt über die Jahrzehnte hinweg eine Rolle in Filmen, Serien und Büchern. „Jede Generation hat ihren eigenen Zugang zu Sisi“, hat die österreichische Historikerin Martina Winkelhofer festgestellt.

 

Aktuell startet die zweite Staffel der erfolgreichen Serie „Sisi“ auf RTL+; Netflix legt im kommenden Jahr ebenfalls mit einer weiteren Staffel von „Die Kaiserin“ nach. Beide Serien zeigen die ersten Jahre der jungen Kaiserin am Hofe Wiens. Doch anders als in der berühmten Sissi-Trilogie von Ernst Marischka aus den 1950er Jahren mit Romy Schneider wollen die modernen Serien weg vom süßen Sissi-Image – und mit „den Sissi-Mythen aufräumen“ wie es bei RTL heißt. Der Sender gab bereits bekannt, dass in der aufwendigen Produktion mehr als 2400 Komparsinnen und Komparsen und 50 Pferde im Einsatz waren. Insgesamt wurden für die Schauspieler und Schauspielerinnen 250 Kostüme maßangefertigt – 60 davon für Sisi, gespielt von Dominique Devenport. Fans dürfen sich also auf ein actionreiches Kostümspektakel freuen.

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Auch in der Netflix-Serie „Die Kaiserin“, in der die Hauptfigur Elisabeth und nicht Sisi genannt werden will, wird sie als „rebellisch“ tituliert. „Natürlich sind diese Sisi-Figuren überzeichnet. Eine Frau hätte sich zu der damaligen Zeit so etwas überhaupt nicht herausnehmen können“, ordnet Martina Winkelhofer die aktuell beliebten Serien ein. Doch es sei die künstlerische Freiheit dieser Produktionen, in die Pop-Figur Elisabeth etwas hineininterpretieren zu dürfen. Tatsächlich konnte sich die historische Kaiserin Elisabeth laut Martina Winkelhofer später nur deswegen gewisse Freiheiten herausnehmen, weil ihr Ehemann es ihr erlaubte.

Im März 2023 wird der Film „Sisi & Ich“ von Frauke Finsterwalder in die Kinos kommen, der ebenfalls mit Klischees aufräumen will. Der bereits im Juli erschienene Film „Corsage“ von Marie Kreutzer widmet sich als einer der wenigen Filme den späteren Jahren der Kaiserin ab ihrem 40. Geburtstag.

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Auch für die Literatur bietet die Monarchin immer wieder eine Vorlage – wie auch in dem dieses Jahr erschienenen Roman „Sisi“ von Karen Duve. Doch was macht die Kaiserin Elisabeth so faszinierend, dass sie aktuell wieder einen regelrechten Boom auslöst? Warum strahlt der Mythos Sisi auch noch in der heutigen Zeit?

Martina Winkelhofer hat selbst bereits mit „Sisis Welt“ eine Biografie über die Kaiserin veröffentlicht und arbeitet aktuell an einer Fortsetzung über die späteren Jahre. Sie geht von drei Aspekten aus, die Sisi auch bei der jungen Generation wieder beliebt machen: „Es gibt den privaten Aspekt, mit dem wir uns heute noch identifizieren können.“ Da Sisi keine politische Frau gewesen sei, stehe ihr privates Frauenleben im Vordergrund. Und damit zeitlose Themen wie Liebe, Verlust, Reifung und Reibung.

Serien und Filme konzentrieren sich meist auf Sisis junge Jahre

„Der zweite Aspekt ist, dass diese Themen, mit denen wir uns auch heute noch identifizieren können, in einem glamourösen Rahmen stattfanden“, erklärt die Historikerin. Dazu komme die Tatsache, dass es überhaupt nur wenige historische Frauen gebe, über die so viel bekannt sei. Deswegen werden die immer gleichen Frauen – wie beispielsweise Elisabeth I., Marie Antionette oder Zarin Katharina – in zahlreichen Filmen, TV-Serien und Romanen behandelt. „Es gab auch andere spannende Frauen in der Geschichte, die sich als Filmstoff anbieten würden – doch die Forschung hat ihnen bisher leider kaum Beachtung geschenkt“, sagt Winkelhofer.

Ebenso bedauerlich findet sie es, dass man sich bei der Kaiserin Elisabeth, über die man nicht zuletzt auch dank ihrer Gedichte viel weiß, meist nur auf die jungen Jahre konzentriert. „Dabei ist die reife Kaiserin besonders spannend“, betont sie. Enttäuscht sei sie, dass die Kaiserin ab 40 Jahren ausschließlich als neurotische Frau dargestellt werde, die sich über ihre Schönheit definierte, sie verlor und daran zerbrach. Auch in dem Film „Corsage“ werde die reife Elisabeth erneut so gezeigt. „Doch damit sitzen wir ordentlichen Klischees auf, die mehr über unsere heutige Gesellschaft aussagen, als über die damalige Zeit“, findet Winkelhofer. Vielmehr habe Sisi, als ihre Kinder älter wurden, ihrem Leben eine neue Richtung gegeben. Sie habe sich gebildet, Sprachen gelernt und reiste sogar nach Kleinasien, Nordafrika oder in das Osmanische Reich. „Die Kaiserin wurde in dieser Zeit zu einer Intellektuellen.“ Sie nur auf ihr Aussehen zu reduzieren, werde Elisabeth nicht gerecht.

Sisi: Die zweite Staffel der Serie ist von Freitag, 16. Dezember, an bei dem Streamingdienst RTL+ zu sehen.

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