Skandalflughafen in Berlin Peinlicher geht es kaum noch beim Hauptstadt-Airport

Treppe ins Nichts – erst 2016 soll der erste Flieger vom Großflughafen Berlin abheben. Foto: dpa
Treppe ins Nichts – erst 2016 soll der erste Flieger vom Großflughafen Berlin abheben. Foto: dpa

Immer peinlicher, immer teuerer: Eine Million Euro kostet die BER-Verzögerung den Steuerzahler jeden Tag. Der neue Flughafenchef, Hartmut Mehdorn, hat zwar viele Ideen verkündet, aber noch nicht einmal einen Eröffnungstermin.

Berliner Büro: Thomas Wüpper (wüp)

Berlin - Er kam als Hoffnungsträger und machte viel Wirbel. Doch die Ergebnisse lassen zu wünschen übrig. Ein Jahr nach seinem Amtsantritt fällt die Bilanz von Hartmut Mehdorn mehr als dürftig aus. Als neuer Flughafenchef in Berlin hat der ehemalige Bahn-Chef zwar viele Ideen und Terminpläne verkündet, aber wenig davon umgesetzt und erreicht. Weder ein neuer Eröffnungstermin noch eine belastbare Kostenschätzung liegen bis heute vor. Beides ist überfällig, nachdem die Eröffnung des Hauptstadt-Airports in Schönefeld Mitte 2012 wegen schwerer Baumängel im Terminal scheiterte und insgesamt vier Starttermine geplatzt sind.

  Ein Start des BER sei bei weiteren „unvorhersehbaren Ereignissen“ erst 2016 umsetzbar, warnte Mehdorn nun in seinem Schreiben an Brandenburgs Flughafenkoordinator Rainer Brettschneider. 1,2 Milliarden Euro für den Bau des Großflughafens musste der Staat schon nachschießen. Bereits jetzt wird mit Kosten von deutlich mehr als fünf Milliarden Euro gerechnet, mehr als doppelt so viel wie einst veranschlagt. Jeder Tag Verspätung kostet den Steuerzahler rund eine Million Euro zusätzlich. Allein diese Mehrkosten könnten sich bis 2016 auf weit über eine Milliarde Euro summieren.

Peinlicher geht es kaum noch, wenigstens darin sind sich auch alle Flughafen-Strategen bei den drei staatlichen Anteilseignern Bund und den Ländern Berlin und Brandenburg einig.   Seit dem Rauswurf von Managern und Planern hat sich wenig gebessert. Vielmehr häufen sich die Negativmeldungen auch unter Mehdorn. Erst machte sein wenig realistischer Vorschlag Ärger, den überlasteten Westberliner Airport Tegel dauerhaft weiterzuführen, dann folgten interne Personalquerelen. Technikchef Horst Amann wurde entmachtet, auch dessen Nachfolgerin musste gehen. Doch das Sanierungsprogramm „Sprint“, das Mehdorn höchstpersönlich mit Beratern durchgesetzt hat, droht nun ebenfalls zum Rohrkrepierer zu werden. Auf der Bau­stelle geht seit Jahren kaum noch etwas voran, für die Erneuerung des untauglichen Brandschutzes und Rauchabzugs im neuen Terminal will sich der Siemens-Konzern bis zu 18 Monaten Zeit nehmen. Zumindest ein kleiner Testbetrieb sollte deshalb in diesem Sommer am Nordpier starten, das dafür teuer um- und rückgebaut werden sollte.

In Brandenburg wird der Lärmschutz zum großen Problem

Doch das von Beginn an auch intern umstrittene Vorhaben musste Mehdorn abblasen, nachdem der Aufsichtsrat und sein Vorsitzender Klaus Wowereit wenig Begeisterung für die Pläne zeigten. Kleinlaut gab der Manager das in einem Rundbrief an die Mitarbeiter zu. Auch die ab Juli geplante Sanierung der betagten Nordbahn des früheren DDR-Flughafens Schönefeld, die Teil des neuen Airports werden soll, musste Mehdorn nun auf März 2015 verschieben.   In einem Brief an Brandenburgs Regierung schiebt er die Schuld dafür den Genehmigungsbehörden des Landes zu. Denn der Flughafen wollte ab Sommer den Flugbetrieb des bestehenden Flughafens Schönefeld auf die fertige neue BER-Landebahn südlich davon verlagern, um die Nordbahn zu sanieren. Das Problem jedoch: fast keiner der 4700 Haushalte, die dadurch als Anwohner künftig vom Lärm geplagt  werden, hat bisher den nötigen Schallschutz erhalten.

Die Luftfahrtbehörde, so beklagt Mehdorn in seinem Schreiben, verlange, dass die Anwohner spätestens sechs Monate vor Inbetriebnahme der Südbahn die Zusage für den Einbau von Lärmschutzfenstern bekommen. Das aber könne zeitlich nicht geleistet werden. Hinter den Kulissen machten der Manager und auch das Land Berlin zwar mächtig Druck, aber Brandenburgs Regierung pocht auf die Umsetzung des Schallschutzes, nachdem man zuvor in dieser Frage sehr lax agiert hatte. Das Umdenken hat gute Gründe. Vor den Gerichten setzten Anwohner und die gut organisierten Flughafenkritiker das Recht auf angemessenen Lärmschutz durch, zudem be­reiten die erst spät bekanntgegebenen Start- und Landerouten sowie die Nachtflüge anhaltend Ärger. Ein Volksbegehren dazu war in Brandenburg, wo im Herbst eine neue Regierung gewählt wird, bereits erfolgreich.

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