Skateboard-Sammler aus Weil im Schönbuch Breite Bretter statt Zahnstocher
Phillip Kerschbaum holt sich ein Stück Lebensgefühl der 1980er- und 1990er-Jahre zurück – durch seine Skateboard-Sammlung. Warum er die Bretter liebt.
Phillip Kerschbaum holt sich ein Stück Lebensgefühl der 1980er- und 1990er-Jahre zurück – durch seine Skateboard-Sammlung. Warum er die Bretter liebt.
Dass Menschen eine Sammelleidenschaft haben, ist nicht weiter ungewöhnlich. Wenn sich Phillip Kerschbaum bei Ebay oder Garagenflohmärkten auf Schatzsuche begibt, stöbert er aber nicht nach Pokémon-Karten oder Überraschungseierfiguren: Der Weil im Schönbucher sammelt Skateboards. Und zwar nicht irgendwelche Skateboards: „Ich sammle nur die breiten Bretter aus den 1980ern oder 1990ern“, sagt er. „Auf keinen Fall die Zahnstocher, die heute gefahren werden.“
Für Phillip Kerschbaum waren die 80er und 90er die schönste Zeit seines Lebens. „Wir hatten nicht so viel wie die Kids heute“, sagt er. „Aber dafür waren wir deutlich freier.“ Fast jeden Tag verbrachte der damalige Teenager damit, mit seinen Freunden Ralf Schlecht und Timo Böckle durch die Böblinger Innenstadt zu skaten. Sehr zum Leidwesen der Anwohner: „Damals gab es noch keine Skateparks, also wurden wir überall weggejagt“, schmunzelt er.
Ein Hotspot der Böblinger Skaterszene war der Laden Jocks Sport, der heute in Dettenhausen ansässig ist. Dort konnte man alles bekommen, was das Skater-Herz begehrte. Bretter, Rollen, Achsen, Knieschoner. „Wir hatten damals nicht allzu viel Geld“, sagt Phillip Kerschbaum. „Deshalb hat man im Freibad beim Aufräumen geholfen oder gekellnert, um sich ein neues Skateboard leisten zu können.“
Für jedes Brett der Begierde hat das Geld damals trotzdem nicht gereicht. Die Bretter, um die er seine Kumpels als Kind beneidete, legt sich Kerschbaum nun als Erwachsener zu. „2019 habe ich angefangen, nach Brettern zu suchen, die ich mir als Kind immer gewünscht habe“, sagt er. 25 Skateboards umfasst seine Sammlung mittlerweile.
Fast alle Bretter stammen aus der Originalzeit. „Oft haben Leute noch Skateboards in ihrer Garage herumliegen, von den Kindern, die längst ausgezogen sind“, so Kerschbaum. „Da findet man so manches Schätzchen.“ Skater sind allerdings ein faires Völkchen: Wenn ein Skateboard auftaucht, das einiges Wert ist, dann kommuniziert Kerschbaum das auch ehrlich mit dem Verkäufer. „Da wird niemand über den Tisch gezogen.“
Tatsächlich ist Phillip Kerschbaum nicht der Einzige, der Skateboards aus den 1980ern und 1990ern sammelt. Allein in Deutschland hat sich eine Sammlercommunity gefunden, zu der rund 3000 Leute gehören. Neid oder Missgunst findet man in dieser Community allerdings nicht. „Wir helfen einander sogar bei der Suche“, sagt Phillip Kerschbaum. Denn Skateboard ist nicht gleich Skateboard. Viele Skater sind Fans von verschiedenen Herstellern oder Pro-Teams, die eigene Bretter produziert haben. Phillip Kerschbaums Lieblings-Pro-Team ist beispielsweise Powell Peralta, zu dem einst auch Tony Hawk gehörte.
Den weltberühmten Skater hat Kerschbaum übrigens selbst kennen gelernt. Und zwar nirgendwo anders als in Böblingen. „Jocks Sport hat immer wieder Events und Wettbewerbe organisiert, zu denen auch Pro-Teams aus Amerika angereist sind“, sagt Phillip Kerschbaum. Und so kam es, dass er als Teenager mit Tony Hawk durch Böblingen skatete. „Heutzutage kennen die Jugendlichen Tony Hawk und seine Moves aus Videospielen“, schmunzelt er. „Wir haben das alles selbst nachgestellt.“
Zu Phillip Kerschbaums liebsten Schätzen gehört unter anderem auch Tony Hawks Medaillon. „Das ist sein viertes Pro-Modell aus dem Jahr 1989“, erzählt der 45-Jährige. „Viele Jungs sind das damals gefahren und ich hätte es gern gehabt.“ Mit einem Neupreis von 450 D-Mark sei das Brett allerdings zu teuer gewesen. „Jetzt habe ich mir die Teile eben später zusammengesucht.“ Wäre das Skateboard komplett unbenutzt – ein sogenanntes „Poser-Brett“ - könnte man dafür heute übrigens um die 1000 Euro verlangen. Phillip Kerschbaum stört sich aber nicht daran, wenn die Bretter ein paar Kratzer haben.
„Bei mir werden die Skateboards sowieso artgerecht gehalten“, sagt er. Das bedeutet, dass die Bretter nicht zur Verzierung an der Wand hängen, sondern sogar noch oft gefahren werden. Denn für Phillip Kerschbaum steht eins fest: Skateboarden mag zwar nicht die einfachste Art der Fortbewegung sein. „Aber wer dieses Rollgefühl einmal erlebt hat, will es nie wieder missen.“
Sammler aufgepasst: Wer selbst noch ein altes Skateboard in seiner Garage liegen hat, darf sich gerne unter folgender E-Mail-Adresse an Phillip Kerschbaum wenden: phillip.kerschbaum@gmx.de