Ski alpin in Levi Wo sind die alpinen Podestfahrerinnen?
Lena Dürr wird im Alter immer besser, und die Abfahrerin Kira Weidle ist die neue Frontfigur – doch dahinter klafft beim DSV eine große Lücke.
Lena Dürr wird im Alter immer besser, und die Abfahrerin Kira Weidle ist die neue Frontfigur – doch dahinter klafft beim DSV eine große Lücke.
Stuttgart - Lena Dürr musste 30 Jahre alt werden, um kürzlich lächelnd einen Blick zurückzuwerfen mit den Worten: „Das letzte Jahr war ja mal ganz gut.“ Das stimmt, denn im Slalomweltcup belegte sie in der Endabrechnung den starken sechsten Platz und erreichte als Vierte in Are auch ihr bestes Weltcup-Ergebnis in der technischen Disziplin, sieht man einmal von dem Sieg beim eher bedeutungslosen City-Event 2013 in Moskau ab. „Es ist cool, im Kreis der besten sieben zu sein“, meint Dürr noch, „und es ist schon auch verrückt, wenn man bedenkt, wie lange ich dabei bin und dass ich es jetzt endlich geschafft habe, ganz vorne drin zu sein.“
Lesen Sie aus unserem Plus-Angebot: Schafft Lena Dürr den letzten Schritt?
An diesem Wochenende findet in Levi der erste Frauenslalom der Saison statt – mit Lena Dürr am Start und der leisen Hoffnung, dass die gebürtige Münchnerin es vielleicht doch mal aufs Podest schaffen könnte. Ansonsten? Die richtig guten Jahre sind für das deutsche Frauenteam längst vorbei. Hilde Gerg und Martina Ertl waren Siegläuferinnen, auch Maria Höfl-Riesch, Kathrin Hölzl und bis vor eineinhalb Jahren Viktoria Rebensburg. Nun aber sieht es mau aus.
Das weiß auch Wolfgang Maier, der Alpin-Chef des Deutschen Ski-Verbandes (DSV). „Die sportlich besten Ergebnisse erwarten wir uns auf der Herrenseite in Abfahrt und Technik. Bei den Frauen haben wir im Augenblick nur Kira Weidle in der absoluten Weltspitze, sie kann auch um Medaillen mitfahren“, sagt Maier, der gerne mehr Podestfahrerinnen haben würde – so wie früher. Man habe in den letzten Jahren immer vor dem gleichen Thema gestanden und habe „keine Erdbewegungen“ geschafft, sagt Maier und fügt hinzu. „Natürlich versuchen wir, permanent junge Talente zu entwickeln, und das funktioniert auch bis Weltranglistenplatz 30 immer ganz schnell – doch bis nach ganz vorne braucht es halt Zeit.“
Auch der deutsche Frauen-Cheftrainer Jürgen Graller sieht es so. „Voriges Jahr hatten wir nur die One-Woman-Show im Speedbereich, die wir von heute auf morgen definitiv nicht ausmerzen können, weil die Jahrgänge 92 bis 98 komplett weg sind“, sagt Graller im Hinblick auf die Abfahrerin Kira Weidle. Die gebürtige Stuttgarterin ist zwar Jahrgang 1996, doch ansonsten sind im besten Sportlerinnenalter zwischen 23 und 29 Jahren tatsächlich kaum deutsche Frauen unterwegs, die mal auf Stockerl fahren könnten. Woran das liegt, darüber rätseln sie in der alpinen Abteilung des DSV seit Jahren. Talente gab es – doch nicht immer mit dem unbedingten Willen, es auch ganz nach vorne zu schaffen. Dies wurde vom DSV öfter mal bemängelt. Um zur Weltspitze zu gehören, muss extrem hart gearbeitet werden.
Jürgen Graller hat die Hoffnung, dass bei den jüngeren Athletinnen einige dabei sind, die es mal zu etwas bringen könnten. „Ich spreche da von Jahrgängen 1999 bis 2002. Also wird das jetzt nicht schon in der Saison 21/22 passieren – aber es ist uns bewusst, dass man da was tun muss“, sagt der Coach. Die zuletzt vom Verletzungspech geplagte Sophia Zitzmann aus Gaißach hat Potenzial, ebenso Emma Aicher aus Mahlstetten im Landkreis Tuttlingen, die bei der WM in Cortina Teambronze holte. Doch auch andere Skiläuferinnen machen Hoffnung, dass es in zwei bis vier Jahren wieder aufwärtsgehen könnte.
So lange sind die Augen auf Kira Weidle gerichtet – und ein bisschen auch auf Lena Dürr.