Skicrosserin Daniela Maier Der Erfolg macht Hunger auf mehr

Immer auf Angriff: Skicrosserin Daniel Maier beim Nachtrennen im schweizerischen Arosa Foto: Steffen Romets/h

Die Skicrosserin Daniela Maier aus Furtwangen will ihrem ersten Weltcup-Sieg bald weitere folgen lassen – und ihren Sport in Deutschland noch populärer machen.

Was macht man als Sportlerin, wenn man schon im zweiten von 19 Rennen das große Saisonziel erreicht hat? Dieses Luxusproblem ist Daniela Maier am vorvergangenen Freitag widerfahren. Deutschlands beste Skicrosserin hat im französischen Val Thorens nach acht dritten und einem zweiten Platz das erste Weltcup-Rennen in ihrer Karriere gewonnen – und damit zugleich die 18 Siege in Folge währende Serie der Weltmeisterin und Olympiasiegerin Sandra Naeslund aus Schweden beendet.

 

Perfektes Comeback nach der dritten Knieoperation

Also Beine hochlegen und den noch langen Rest der Saison einfach genießen? „Nein, auf gar keinen Fall“, stellt die 27-Jährige aus Furtwangen im Schwarzwald vor dem nächsten Weltcup am Donnerstag und Freitag in Innichen (Südtirol) klar, „ich bin jetzt auf den Geschmack gekommen.“ Ihr ursprüngliches Saisonziel hat sie längst korrigiert. „Es gilt der berühmte Spruch: Einmal ist keinmal. Ich möchte natürlich den Weltcup-Sieg wiederholen. Und möglichst nicht nur einmal wiederholen, sondern öfters“, sagt sie. „Ich bin megastolz und glücklich, dass es nach dem Comeback gleich so schnell funktioniert hat.“

Denn dass Daniela Maier schon zu Saisonbeginn wieder um die Podestplätze mitfahren würde, war keineswegs selbstverständlich. Die Olympiadritte hatte sich im März ihrer bereits dritten größeren Knieoperation unterziehen und die vorangegangene Saison vorzeitig beenden müssen. Nach einem Knorpelschaden (2017) und einem Kreuzbandriss (2021) wurde diesmal am linken Knie ein Knorpelstück entfernt und der restliche Knorpel geglättet. Über den Sommer hat sie sich dann gut auskuriert, sodass „ich meinem Körper wieder zu 100 Prozent vertrauen kann und er mich aus jeder Situation rausretten kann, auch wenn ich im Rennen manchmal dumme Ideen habe“.

Mit ihrem Sieg bei der Auftaktstation in Val Thorens gehört Maier, die im folgenden Nachtrennen in Arosa (Schweiz) am Dienstag vergangener Woche Siebte wurde, nun zu einem elitären Kreis im Skicross: Unter den aktiven Fahrerinnen gab es bisher nur fünf, die schon einen Weltcup-Sieg verbucht haben – die Schwarzwälderin ist nun die sechste und die erste Deutsche seit 2019.

Maiers Sieg beflügelt auch die Konkurrenz

Auch die Konkurrentinnen im Weltcup-Zirkus haben Daniela Maiers Sieg mit Erleichterung aufgenommen. Immerhin hatte es bis dahin seit dem Rennen in Arosa im Dezember 2022 keine Läuferin mehr geschafft, Sandra Naeslund zu schlagen. „Das war sicher für die anderen auch eine Erkenntnis und Motivation, dass es möglich ist, auch wieder ganz nach vorne zu fahren“, sagt die Deutsche, „dementsprechend haben mir alle gratuliert und sich mit mir gefreut.“

Zusätzliche Motivation für Daniela Maier ist der Umstand, dass sie nicht mehr als Alleinunterhalterin im deutschen Skicross unterwegs ist, sondern in Celia Funkler (München) und Johanna Holzmann (Oberstdorf) jetzt zwei Mitstreiterinnen im Weltcup an ihrer Seite hat. „Das ändert viel für mich“, sagt die 27-Jährige, die zunächst als alpine Skirennläuferin ihre Karriere begonnen hat und seit zehn Jahren im Skicross startet. „Es tut mir unheimlich gut, die beiden im Team zu haben. So können auch wir Mädels mal öfters was allein machen. Wir werden jetzt langsam ein richtiges Team, und ich hoffe, dass wir in Zukunft noch mehr werden.“

Das deckt sich mit der Strategie des Deutschen Skiverbandes (DSV). „Bereits mit dem Einstand von Johanna Holzmann im Weltcup 2021/2022 verfolgen wir ein klares Ziel: bei den anstehenden Großveranstaltungen – WM 2025 in St. Moritz, Olympia 2026 in Cortina d’Ampezzo und WM 2027 im Montafon – mit mindestens vier Frauen am Start zu sein und in die Top Ten zu fahren“, sagt der Sportliche Leiter Heli Herdt.

Werbung für Skicross

Skicross in Deutschland noch populärer zu machen ist abseits von Podestplätzen zumindest ein inoffizielles Ziel von Daniela Maier. „Wir kämpfen um mehr und bessere Fernsehzeiten. Das ist auch ein Ansporn für mich, bessere Leistungen zu bringen, um unseren Sport öfter im Fernsehen zu sehen – und ihn so bekannter zu machen“, sagt die deutsche Topfahrerin. Gleichwohl weiß sie darum, dass die Körperlichkeit in der actionreichen Disziplin auch manche Nachwuchsfahrerin abschreckt. „Ich denke schon, dass das ein großer Faktor ist. Viele junge Frauen sagen sich: Oh, Sprünge und dann noch zu viert gleichzeitig! Aber es ist halb so wild, man sollte es einfach mal ausprobieren – Skicross macht mega Spaß.“

Die nächste Möglichkeit, Werbung in eigener Sache zu machen, hat Daniela Maier in Innichen. Über Weihnachten geht es nach Hause zur Familie in Furtwangen. Die Geschenke fehlen ihr aber noch. „In der Beziehung bin ich leider eine schlechte Tochter und Schwester. Ich habe mich noch nicht darum gekümmert“, gibt sie schmunzelnd zu. „Oft bekommt die Familie leider was aus Innichen, Arosa oder Val Thorens zu Weihnachten. Aber wir sind nicht die großen Schenker, sondern genießen lieber die gemeinsame Zeit und unternehmen Ausflüge.“

Skicross – seit 2010 olympisch

Olympia
 Skicross gehört zu den spektakulärsten Wintersport-Disziplinen und ist seit 2010 olympische Sportart. Vier Fahrer stürzen sich gleichzeitig den Hang hinunter und jagen mit bis zu 100 km/h über einen Parcours mit Wellen, Sprüngen und Steilwandkurven ähnlich einer Achterbahn. Das sieht beeindruckend aus, ist aber auch nicht ohne Risiko. Körperkontakt ist für die „Gladiatoren auf Skiern“ nahezu unausweichlich.

Erfolge
 Die bisher einzige deutsche Olympiamedaille gewann Daniela Maier mit Bronze bei den Spielen von Peking 2022. Jenen dritten Rang hatte sie vor Ort zunächst zugesprochen bekommen, auch die Medaille war ihr trotz Protesten aus der Schweiz überreicht worden – doch erst nach zähem Ringen auch vor dem Sportgerichtshof Cas durfte sie die Plakette behalten.

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