Smartphone-Markt Samsungs Galaxy S 4 soll Apple weiter auf Abstand halten

Der Samsung-Stand bei der Mobilfunkmesse in Barcelona Foto: dpa
Der Samsung-Stand bei der Mobilfunkmesse in Barcelona Foto: dpa

Apples koreanischer Rivale möchte mit dem am Donnerstag in New York präsentierten Galaxy S 4 den Vorsprung bei den Smartphone-Verkäufen verteidigen. Die spektakuläre Präsentation seines neuen Mobiltelefons hat sich Samsung bei Apple abgeschaut.

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Stuttgart - An Selbstbewusstsein lässt es Apples größter Konkurrent nicht fehlen. Die Radio City Hall in Manhattan hat sich der koreanische Konzern Samsung ausgesucht, um am Donnerstag sein neues Smartphone Galaxy S 4 vorzustellen, mit dem er dem einstigen Marktführer weitere Verkaufsanteile abjagen will. Erstmals lanciert Samsung sein neuestes Topprodukt zuerst in den Vereinigten Staaten, nicht in Europa oder Asien.

Die Koreaner verstehen inzwischen fast so gut wie die Kultmarke Apple die Aufmerksamkeit für neue Produkte auf sich zu ziehen. Ein im Internet verbreitetes Video spricht von „einer der erstaunlichsten Produkteinführungen seit der Erfindung des Farbfernsehens“. Der Bildschirm soll noch einmal größer werden als beim Vorgängermodell. Die Gerüchteküche im Internet dreht sich aber vor allen Dingen um die angeblich vorgesehene Möglichkeit, allein durch die Bewegung der Augen eine Seite auf dem Bildschirm weiterzuscrollen. Samsung hat im Februar ein entsprechendes Patent angemeldet. Eines haben die durchgesickerten Gerüchte erreicht: Die lange als Nachahmer verschrienen Koreaner machen mit einer Innovation auf sich aufmerksam.

Das Galaxy S 4 ist Samsungs neuester Trumpf

Mit dem Verkaufsstart des Galaxy S 4 geht die bittere Rivalität mit Apple in eine neue Runde. Apple sieht Samsung seit Jahren als Plagiator und reiht eine Patentklage an die andere. Herausgekommen ist nur ein knapper Punktsieg für die Kalifornier. Im vergangenen Sommer verurteilte eine Jury in San Francisco die Koreaner wegen einer Reihe von Patentverletzungen zu einer Milliarde Dollar Schadenersatz. Doch kurz darauf reduzierte eine Richterin den Betrag um fast die Hälfte – was wiederum Samsung als Sieg verbuchte. Apple ist es bisher nicht gelungen, ein Verkaufsverbot von Samsung-Produkten durchzusetzen.

Die beiden Firmen, die sich seit Jahren erbittert ineinander verbeißen. könnten nicht unterschiedlicher sein. Apple ist von seinem Gründer, dem 2011 gestorbenen Steve Jobs, ganz auf innovative elektronische Produkte fokussiert worden. Die kalifornische Firma sollte sich – laut Jobs – nicht an Vorbilder oder Marktstudien krallen , sondern am besten den Bedürfnissen der Konsumenten eine Ecke voraus sein.

Samsung dagegen entstammt einer ganz anderen Tradition. Der Megakonzern, der neben Elektronik auch Haushaltsgeräte, Produktionsmaschinen, Werkzeugmaschinen, Chemieprodukte und Versicherungen verkauft, und über ein Tochterunternehmen sogar Vergnügungsparks und Zoos betreibt, ist einer jener Chaebol genannten, Konzernkonglomerate, die das einstige Entwicklungsland Korea in die Moderne katapultiert haben. Allein die Elektroniksparte machte im vergangenen Jahr rund 150 Milliarden Euro Umsatz. Apple lag bei rund 120 Milliarden Euro.

Ein Kampf mit harten Bandagen

Mit welch harten Bandagen Samsung gelegentlich vorgeht, zeigt die Tatsache, dass die Firma 2007 für einen riesigen Korruptionsskandal sorgte. Über Jahre hinweg hatte der Konzern koreanische Politiker mit Millionenbeträgen bestochen. Der damalige Samsung-Chef Lee Kun-Hee wurde dafür zu einer dreijährigen Haftstrafe verurteilt, aber vom Staatspräsidenten sogleich begnadigt. Lee Kun-Hee treibt seine Beschäftigten zu unermüdlichen Innovationen an. Sie sollten außer ihren Frauen und Kindern alles auf den Prüfstand stellen, so lautet sein Credo. Der Riesenkonzern selbst wird allerdings nach den traditionellen patriarchalischen Spielregeln der koreanischen Gesellschaft geführt. Nach einer bitteren Familienfehde unter Brüdern steht seit Dezember 2012 Lee Kun-Hees jüngster Sohn Lee Jay-Yong an der Spitze des Unternehmen – obwohl der Kronprinz zuvor keine besonderen Lorbeeren gesammelt hatte.

Die Koreaner beobachten die Märkte systematisch, reagieren schnell – und trumpfen mit schierer Masse auf. Dank 34 Forschungszentren in Ländern wie Russland, Großbritannien, Indien, Japan, Israel oder China sowie im amerikanischen Silicon Valley ist Samsung inzwischen überall präsent, wo globale Trends gesetzt werden. 60 000 Mitarbeiter sind allein im Bereich der Forschung beschäftigt.

Samsung kann in seiner Elektroniksparte ein deutlich breiteres Produktspektrum abdecken als Apple. Zurzeit versuchen die Koreaner beispielsweise sich als Marktführer auf dem Gebiet der internetfähigen Fernseher zu etablieren. Ein weiterer Vorteil gegenüber dem US-Konkurrenten ist die Tatsache, dass Samsung elektronische Komponenten selbst produziert. Trotz aller juristischen Auseinandersetzungen um Patente ist Samsung auch heute noch einer von Apples wichtigen Zulieferern. Die Koreaner sind deshalb zurzeit der einzige Konkurrent, vor dem sich der einstige Platzhirsch Apple wirklich fürchten muss.

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